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Deutscher Filmpreis in Berlin: Das ist Kollegialität, Stolz, Begeisterung!

Die Preisträger stehen am Ende der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises "Lola" am 09.05.2014 in Berlin mit Schauspielerin Iris Berben (l) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf der Bühne.

Die Preisträger stehen am Ende der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises "Lola" am 09.05.2014 in Berlin mit Schauspielerin Iris Berben (l) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf der Bühne.

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dpa

Solide Alkoholiker auf den Bänken rund ums Tempodrom bestaunten superfestlich gekleidete Frauen, die auf hohen Absätzen mit ihren Begleitern zur Verleihung des Deutschen Filmpreises eilten. Das ist Berlin! Die Stadt lebt ihre Widersprüche souverän. Der Schauspieler Jan Josef Liefers („Tatort“) stellte sich dann während der Gala vor, hier einen Moderator zu spielen, der so etwas zum ersten Mal macht – was ihm ausgezeichnet gelang, und das mehrheitlich im Filmfach arbeitende Publikum applaudierte ihm frenetisch.

Das ist Kollegialität, Stolz, ja Begeisterung! Und Begeisterung bis hin zum Kampfgeist zeigte auch Iris Berben, die Präsidentin der Deutschen Filmakademie, die am Freitagabend zum zehnten Mal den Deutschen Filmpreis verlieh – schließlich ist es noch eine junge Einrichtung, wohingegen es den Preis selbst seit 64 Jahren gibt; es ist der höchstdotierte deutsche Kulturpreis. Entsprechend der Auflauf. Und natürlich die Reden.

„Wir haben eine Mission“, befand Berben nur zu Recht. Denn wie deutsche Kinofilme künftig finanziert werden, steht wohl zur Debatte. Kürzlich erst wurde der Deutsche Filmförderfond (DFFF) von Seiten des Bundes um 10 Millionen Euro auf 60 Millionen abgesenkt. Und die Sparauflagen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, ohne deren Geld kaum ein deutscher Kinofilm entsteht, tragen das ihre bei zur Verunsicherung der Branche.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte ihre Rede um einen kurzen Artikel herumgestrickt, der sich in dieser Zeitung mit dem reizvollen Wesen der Filmakademie beschäftigt hatte. Vielen Dank! Und auch Grütters will kämpfen für die Filmförderung, deren Kernstück der Deutsche Filmpreis ja ist. Ernste Töne also inmitten der Feierlaune.

Ein Gewinner stand bereits vorher fest: Helmut Dietl wurde mit der Ehren-Lola für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Und Michael „Bully“ Herbig, sonst nicht für Subtilität bekannt, hielt eine tolle Laudatio auf den sehr kranken Regisseur von Filmen wie „Schtonk!“ und „Zettl“. Standing Ovations. Bewegende Momente, als Dietl scherzte, dass dieser Preis wohl nur „eine hinterlistige Taktik ist, um ein verlorenes Schaf wieder einzufangen“, nämlich einen harschen Kritiker der Filmakademie.

Mit dem Schauspieler Dieter Hallervorden (Jahrgang 1935) wurde der älteste Nominierte geehrt, mit Jördis Triebel zu Recht eine hinreißend freie Schauspielerin. Einer Entscheidung fieberten aber alle entgegen: Wird tatsächlich die Komödie „Fack ju Göhte“ (7 Millionen Zuschauer) mit ihren schon legendären Sätzen („Heul leiser, Chantal!“) bester Spielfilm? Keineswegs. Mit dem Schwarz-Weiß-Drama „Die andere Heimat“ von Edgar Reitz triumphierte das große, formbewusste Kunstwerk. Mit „Das finstere Tal“ der Stilwille im Genre. Danke, Filmakademie!