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Eröffnungsfilm "Hail, Caesar": Schöner Knalleffekt zum Start der Berlinale

Ein Mann geht an Berlinale-Plakaten in Berlin vorbei.

Ein Mann geht an Berlinale-Plakaten in Berlin vorbei.

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REUTERS

Wenn die Coen-Brüder morgen mit „Hail, Caesar!“ die 66. Berlinale eröffnen, ist in gewisser Weise mit allem zu rechnen. Denn Ethan und Joel Coen gehören seit vielen Jahren nicht nur zu den Großmeistern des amerikanischen Kinos, auf deren Filme man selbst in Cannes scharf ist – weswegen Dieter Kosslick besonders stolz sein dürfte auf seinen diesjährigen Eröffnungs-Coup. Die Coens sind auch unberechenbarer als fast alle ihrer Zeitgenossen.

Wo Regie-Kollegen wie Martin Scorsese oder Wes Anderson ihre jeweils unverwechselbare cineastische Handschrift thematisch und visuell pflegen, stehen in der Filmografie der Coens blutige Gangstergeschichten („Miller’s Crossing“) ganz selbstverständlich neben aufgekratzten Komödien („Intolerable Cruelty“), und auf einen knochentrockene Western („True Grit“) folgt bei ihnen schon mal eine melancholische Künstlerstudie („Inside Llewyn Davis“).

Bei aller Vielseitigkeit lässt sich allerdings auch im Werk der Brüder ein Anflug von Beständigkeit ausmachen – und das sogar jenseits des Humors, ohne den noch keiner ihrer Filme ausgekommen ist. Wenn schon keinem Stil oder Genre so sind die Coens doch zumindest ihren Lieblingsschauspielern leidenschaftlich treu. Ihr neuer Film „Hail, Caesar!“, der am 18.2. regulär in den deutschen Kinos startet und einen Blick hinter die Hollywood-Kulissen der 1950er-Jahre wirft, ist dafür wieder ein hervorragendes Beispiel.

Die Frau vor der Kamera

Für Frances McDormand etwa ist dieser Film die bereits siebte Zusammenarbeit mit den Coens, womit sie am sechsfachen Mitstreiter Steve Buscemi vorbeizieht, der allerdings anders als sie auch nicht mit Joel, dem älteren der Brüder, verheiratet ist. Regelmäßiger als irgendwer sonst stand die Schauspielerin in allen Karriere-Phasen der beiden Männer vor deren Kamera. McDormand war in den ungestümen, vom Genre-Kino inspirierten Anfangstagen mit „Blood Simple“ (1984), „Raising Arizona“ (1987) und „Miller’s Crossing“ (1990) ebenso dabei wie beim Aufstieg in die Kult- und Coolness-Höhen, zu dem sie mit ihrer Oscar-prämierten Rolle als schwangerer, winterbemützter Polizistin in „Fargo“ (1996) kaum weniger beitrug als Jeff Bridges und sein Bademantel in „The Big Lebowski“ (1998).

Mit ihrem Auftritt in der leichten Ensemble-Komödie „Burn After Reading“ (2008), dem ersten Film nach dem großen Oscar-Abräumer „No Country For Old Men“ (2007), fand sich für McDormand auch ein Platz in jenem immer noch anhaltenden Stadium definitiver Meisterschaft, in dem jeder neue Coen-Film automatisch zum cineastische Großereignis ausgerufen wird.

Doch auch andere Wegbegleiter aus der erweiterten künstlerischen Familie der Brüder sind in „Hail, Caesar!“ wieder mit von der Partie. George Clooney, der hier den entführten Hollywood-Star Baird Whitlock verkörpert, gelang im Coen-Film „O Brother, Where Art Thou?“ vor 16 Jahren endgültig der Sprung vom Blockbuster-Helden zum Charakterdarsteller.

Nicht mit von der Partie

Josh Brolin ist als Problemlöser Eddie Mannix die eigentliche Hauptfigur in „Hail, Caesar!“ – dabei war ihm mit „No Country For Old Men“ überhaupt erst der Durchbruch gelungen, während Scarlett Johansson, die in „Hail, Caesar!“ auf dem Spuren des Hollywood-Schwimm-Stars Esther Williams wandelt, bereits im schwarz-weißen Neo-Noir-Drama „The Man Who Wasn’t There“ (2001) die jugendliche Verführerin gab. Auch Tilda Swinton stand schon zum zweiten Mal vor der Kamera der Coens – was übrigens nichts ist im Vergleich zu den Wegbegleitern dahinter: Die Tontechniker Skip Lievsay und Peter F. Kurland gehörten bei jedem einzelnen der 17 Coen-Spielfilme zum Team; der Komponist Carter Burwell, die Kostümdesignerin Mary Zophres und der Kameramann Roger Deakins waren auch fast jedes Mal dabei.

Dennoch fehlen in „Hail, Caesar!“ auch ein paar Schlüssel-Schauspieler des Coenschen Werkes: John Goodman ist dieses Mal nicht mit von der Partie, mit John Turturro haben sie seit 2000 nicht mehr gedreht, und Jeff „The Dude“ Bridges wartet weiter auf seine dritte Rolle nach „The Big Lebowski“ und „True Grit“ (2010). Dafür gibt es nun ein paar Neuzugänge ins filmische Familienalbum zu verzeichnen, die durchaus das Potenzial für eine langfristige Zusammenarbeit haben: von Ralph Fiennes über Jonah Hill bis hin zum immer wieder überraschenden Channing Tatum, der hier im Matrosen-Outfit durch die Szenerie steppen darf.

Davon abgesehen frönen Ethan und Joel Coen auch in ihrem neuen Film einer Leidenschaft, die sie seit einigen Jahren pflegen. Denn nicht nur halten die beiden lieb gewonnenen Freunden die Treue – sie überraschen sich selbst und ihr Publikum auch gern mit Neuentdeckungen. Der Broadway-Darsteller Michael Stuhlbarg („A Serious Man“, 2009), die junge Hailee Steinfeld („True Grit“) oder der zuletzt allgegenwärtige Oscar Isaac („Inside Llewyn Davis“, 2013) verdanken den Brüdern ihre Hollywood-Karriere. Nach ersten Berichten von der US-Premiere ist den Coens Vergleichbares in „Hail, Casesar!“ erneut gelungen: Der 26-jährige Alden Ehrenreich, so hört man, stiehlt als singender Cowboy allen die Show.