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Film: "00 Schneider - Im Wendekreis der Eidechse": Mülheim liegt am Meer

Sein Laster ist der Kaffee mit 18 Stückchen Zucker: 00 Schneider (Helge Schneider).

Sein Laster ist der Kaffee mit 18 Stückchen Zucker: 00 Schneider (Helge Schneider).

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dpa

Er ist die Stimme aus dem Radio. Und er ist die Hand des Gesetzes. Über ihn werden Artikel für Magazine geschrieben. Helge Schneider ist nach Jahren wieder als Roy alias 00Schneider unterwegs, als Kommissar im hellbraunen Leder-Trenchcoat. Begleitet von seinem Zwergspitz Zorro, nimmt er sich jedes Falles an. Roy Schneider wurde zwar „nicht als Kommissar geboren“, wie er es in seinen Memoiren formuliert, die er nebenbei in eine Schreibmaschine hackt. Doch er füllt diesen Beruf so aus, dass seine Kollegen vor Bewunderung zittern.

Helge Schneider, der für seine Freude am Unsinn von vielen verehrte und manchen gehasste Komponist, Musiker, Entertainer, Buchautor, Schauspieler, Regisseur und Zeichner, hat in „00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse“ die konventionellste Rolle von allen: die des Stars. Er führte selbst Regie und ist auch einer der beiden Drehbuchautoren. Wer sich gern auf seinen anarchischen Humor einlässt, wird verwöhnt. Denn er ist praktisch in jeder Szene zu sehen. Wer aber einen Kriminalfilm für eine ernste Sache hält, sollte zu Hause bleiben und auf den „Polizeiruf“ warten. Hier wird das Genre parodiert, hier fliegen die Filmzitate nur so an den Augen vorbei. Und hier krisselt’s noch auf der Leinwand: Farbe und Bildaufbau lassen den Film wirken, als sei er vor dreißig Jahren gedreht. Verantwortlich ist das 16-Millimeter-Material.

Der Kommissar ist erfahren genug, dass er einen fiesen Frauengrapscher mal eben einfängt, indem er sich selbst in ein Kleid zwängt. Unerschrocken nimmt er einen dicken Mann mit zwei Kokosnussschalen vor der Brust als seine „liebe Tante Tyree aus Amerika“ auf, obwohl er von der Verwandtschaft nichts weiß. Und auch wenn seine verschlafenen Polizeikollegen, die wie aus einem Luis-de-Funès-Film gehüpft wirken, ihm mit Zigarettenqualm die Atemluft nehmen, bleibt er cool. Sein Laster ist der Kaffee mit 18 Stückchen Zucker. Seine Liebe gilt dem Hund in der Farbe seines Mantels. Als der (der Hund!) verschwindet, treibt sich 00 Schneider melancholisch am Meer herum.

Das Meer beginnt gleich hinter Mülheim an der Ruhr, Helge Schneiders Geburtsort. Die Straßen in der Stadt sind meistens leer. Irgendwo hinter ihren Mauern fuhrwerkt ein Zahnarzt, den auch Helge Schneider spielt. Der ist ein Zitat aus seinem 1997er Film „Praxis Dr. Hasenbein“. Draußen treibt der gefährliche Jean-Claude Pillemann sein Unwesen, bis sich 00Schneider an die Fersen des Gangsters heftet. Rocko Schamoni spielt ihn, „die Eidechse“, als Karikatur eines Verbrechers und lässt ihn grünen Schleim spucken.

Nein, spannend ist es nicht, wie 00Schneider den Typen schließlich fängt. Überhaupt lässt sich die Handlung schnell erzählen und schnell wieder vergessen. Der Film prägt sich jedoch ein als Helge-Schneider-Fest, mit einem charismatischen Kommissar, der auch mal Musik macht, der lässiger ist, als es Schimanski je war.

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse Dtl. 2013. Regie: Helge Schneider; Drehbuch: Helge Schneider, Andrea Schumacher; Kamera: Voxi Bärenklau; Darsteller: Helge Schneider, Tyree Glenn jr., Rocko Schamoni u.a. 94 min, Farbe, FSK ab 6.