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Homosexualität im Fußball: Tödliches Schweigen

Begehrliche Blicke in kleingeistiger Umgebung in „Viharsarok“.

Begehrliche Blicke in kleingeistiger Umgebung in „Viharsarok“.

Foto:

Marcell Rév

Als „Viharsarok“ gedreht wurde, hatte sich der ehemalige Fußballprofi Thomas Hitzlsperger noch nicht geoutet. Jetzt aber erscheint die ungarisch-deutsche Koproduktion wie eine bildgewaltige Erzählung zu Hitzlspergers Schilderungen. „Die, die sich vor ihrer eigenen Sexualität fürchten, fürchten sich auch davor, von anderen entdeckt zu werden. Und so versuchen sie, von sich abzulenken, werden aggressiv oder brechen Streitereien vom Zaun. Das habe ich damals für mich als Waschküchenstimmung bezeichnet, die ich nur schwer ertragen konnte“, sagte Hitzlsperger.

Eben jene Stimmung herrscht in einem deutschen Profi-Verein, in dem das ungarische Talent Szabolcs spielt. Einmal muss sich Szabolcs zur Strafe halbnack ins Tor stellen, zehn Elfmeter-Schüsse treffen sein Hinterteil. Nach dem Spiel steht Hardcore-Pornogucken inklusive Gruppenmasturbation auf dem Programm. Der Regisseur Adam Csaszi schlägt von Beginn an einen unerbittlichen Ton an, virtuos setzt er die Enge und Aufgeladenheit des Profisports ins Bild. Szabolcs (Andras Süto) verlässt die Lagerkumpanei und kehrt nach Ungarn ins verlassene Haus seiner Großeltern zurück. Bald findet er dort in einem jungen Handwerker einen potenziellen Gefährten. Doch der Ex-Fußballer träumt und schweigt zu viel.

Császi inszeniert den schönen jungen Mann als Leidensfigur, nicht zufällig gleicht er Jesus, der in der Dorfkirche am Kreuz hängt. Der Katholizismus in seiner schlichtesten Version reguliert das Dorfleben und das Moralempfinden der Bewohner. Weil „es“ Sünde ist, gerät der Handwerker in Gewissensnot, die er mit einem brutalen Akt fürs erste beendet. Vor der Katastrophe aber entwirft Császi für einen Augenblick ein Liebesparadies, in dem alles möglich ist: Begehren jenseits von Eifersucht und ein glückliches Leben in einer Natur. Verliebt in seine Figuren, zeigt Császi deren Schönheit und Hingabefähigkeit in expliziten erotischen Szenen. Auch ein Freund aus Deutschland reist an, sensibel gespielt von Sebastian Urzendowsky. Er sieht, anders als Szabolcs, welcher Gefahr sie sich aussetzen.

„Viharsarok“ wirft ein Licht auf die schreckliche Logik zwischen eigener unterdrückter Homosexualität und tödlichem Hass auf Homosexuelle. Dies ist kein Phänomen, das allein in einem angeblich rückständigen, faschistoiden Osteuropa verortet ist. Die Waschküche ist überall.

Viharsarok (Land of Storms): 8.2.: 20 Uhr, International; 9.2.: 17.45 Uhr, CineStar 3; 13.2.: 14.30 Uhr, Cubix 9


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