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Kinofilm "Hans mit scharfer Soße": Der Film hat einfach zu viel Soße

Mutter Emine (Siir Eloglu) und die jüngste Tochter Abla (Demet Gül).

Mutter Emine (Siir Eloglu) und die jüngste Tochter Abla (Demet Gül).

Foto:

Boris Laewen

Die Rahmenbedingungen waren zugegebenermaßen ungünstig für diesen Film. Wer erst via Auslandsreise drei bissige, ja gemeine, in jedem Fall aber lustige französische Multikulti-Komödien genossen hat und dann daheim an die Produktion „Einmal Hans mit scharfer Soße“, gerät, glaubt seinen Augen und Ohren nicht zu trauen. Ja, geht es denn noch biederer?!

Wenn das hier den State of the Art des hiesigen heiteren Filmschaffens verkörpern soll, dann „Gute Nacht“, liebe Zuschauer. Hält man euch wirklich für so treuherzig bis zum Umfallen, wenn nicht gar schwer von Begriff, dass man euch eine solche Inszenierung zumutet? Die bis an die Überschwemmungsgrenze übergossen ist mit Lustigkeitsmusik – drolligen Blechbläser- und anderen Klängen, damit auch jeder noch in der hintersten Kinoreihe merkt, dass es sich hier um einen lustig-drolligen Film handeln soll.

Puh. Das musste jetzt raus. Denn schließlich berechtigte Hatice Akyüns Buchvorlage „Einmal Hans mit scharfer Soße“ mal zu schönen Hoffnungen. Die autobiografischen Aufzeichnungen einer Deutschtürkin der jüngeren Generation, die sich schwer tut mit der Kultur ihrer Eltern, war nicht nur ein Bestseller, sondern auch Teil einer post-migrantischen Gesamterzählung, die sich mit der Zeit in der nationalen verankert hat. Im Buch wie im Film geht es ja nicht allein um Hatice, sondern um das komplexe familiäre und kulturelle Gefüge, dem sie ungeachtet aller Emanzipationsbestrebungen angehört.

Ein Schaulaufen deutsch-türkischer Stars

Die Probleme beginnen damit, dass die Wahl-Hamburgerin Hatice (Idil Uner) ohne den angekündigten Verlobten zum Elternbesuch in Salzgitter erscheint. Schließlich ist die junge Frau schon 34 Jahre alt und damit dem Wort des sonst natürlich total liebevollen Vaters (Adnan Maral) zufolge ein „Ladenhüter“. Der unverheirateten Ältesten wegen wird Baba schon von den Nachbarn bemitleidet („Allah steh Dir bei, mein Bruder!“). Doch so richtig brisant wird die Lage erst, als die Zweitgeborene Hatice drängt, der Familie endlich einen Ehemann zu präsentieren. Fatma ist nämlich schwanger, bald wird es jeder sehen können; doch auch wenn sie über einen ehewilligen Mann verfügt – Fatma darf erst nach der ältesten Tochter heiraten. So gebietet es die anatolische Tradition der Eltern. Um Fatma zu helfen, schleppt Hatice nun Mann um Mann an (und einer davon ist schwul) – was alles nur noch schlimmer macht.

Multikulti-Komödien, ob französische oder deutsche, arbeiten mit Stereotypen und Klischees – das gehört zum Genre. Nicht geschrieben steht hingegen, dass man Kinogänger wie Senioren behandeln muss, die gern Lifestyle-Magazine lesen. Das ist aber der Fall in „Einmal Hans mit scharfer Soße“: Zum Mitschreiben verschnarcht wird hier ausgeführt, dass die Journalistin Hatice mit 130 Paar Schuhen, unzähligen sexy Kleidern und einem leeren Kühlschrank ein tolles Loft bewohnt – während bei den Eltern Teppiche an der Wohnzimmerwand hängen und die Mutter Dorftracht trägt.

Ach ja, das anatolische Dorf: In Gestalt von fünf archetypischen, aber nur drollig haustiergroßer Vertretern ist es immer dabei, als Halluzination von Hatice. Und ach, die Mutter von Hatice! Şiir Eloğlu ist wunderbar als Emine – wie dieser Film überhaupt ein tolles Schaulaufen deutsch-türkischer Stars bietet! An ihnen liegt es nicht, dass der Film der Grimme-Preisträgerin Buket Alakus („Eine andere Liga“) so enttäuscht. Sondernd daran, dass einschlägige Kinohits wie „Türkisch für Anfänger“ oder „Almanya – Willkommen in Deutschland“ mit ihrem Biss und Tempo einfach Maßstäbe gesetzt haben.

Einmal Hans mit scharfer Soße Dtl. 2014. Regie: Buket Alakus, Drehbuch: Ruth Toma, nach der Buchvorlage von Hatice Akyün, Kamera: Jutta Pohlmann, Darsteller: Idil Üner, Adnan Maral, Siir Eloglu, Sesede Terziyan, Demet Gül u. a.; 96 Minuten, Farbe. FSK ab 6. Ab Donnerstag im Kino.


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