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Berliner Zeitung | Kinostart „The Return Of The First Avenger“: Das bessere Amerika
25. March 2014
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Kinostart „The Return Of The First Avenger“: Das bessere Amerika

Furchtlos, aber auch angriffslustig: Captain America (Chris Evans, l.) bei der unvermeidlichen Bekämpfung von Unholden.

Furchtlos, aber auch angriffslustig: Captain America (Chris Evans, l.) bei der unvermeidlichen Bekämpfung von Unholden.

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Walt Disney

Verraten wir doch einfach mal den Schluss. Nein, selbstverständlich nicht den Schluss des ganzen Films, aber doch das Ende einer kleineren Episode: Robert Redford ist eine schöne Leiche. Als gemeiner, durchweg treuloser und gerissener Schurke ist der Mann zwar eine glatte Fehlbesetzung, weil sein grundgütiges Unschuldsgesicht einfach nicht zu dem eindimensional bösen Charakter passt, den er in „The Return Of The First Avenger“ geben muss. Aber zu viel Komplexität bei den Figuren – ihr inneres Ringen, ihr moralisches Schlingern – hätte auch gar nicht zu dieser Comic-Verfilmung gepasst. Und so liegt Redford irgendwann in seinem Blut und sieht einfach nur hinreißend aus. Toller Mann, schöner Abgang.

Wie immer, wenn der Böse tot ist, kann der Gute endlich siegen. Womit wir den Schluss des Films jetzt doch noch verraten haben. Aber hätte jemand ernstlich ein anderes Finale erwartet? Bei Captain America und seinen Mitstreitern, also der Avengers genannten Supertruppe, die über das Wohl und Wehe der Vereinigten Staaten von Amerika wacht, kann und darf es nur einen Sieger geben. Zwar mag einem die hier offenkundige Gleichsetzung des Guten mit den USA nicht sofort einleuchten. Aber es gibt eine triftige, da historische Erklärung: In der ab 1941 erschienenen Comic-Serie wie in der ersten Verfilmung „Captain America – The First Avenger“ (2011) bewahrte der Superheld die freie Welt vor den superbösen Nazis.

Wir alle müssen ihm also dankbar sein. Bis heute. Wer hinter dieser Figur nun eine propagandistische, ja ideologische Absicht vermutet, liegt vollkommen richtig. Und damit wären wir beim eigentlichen Thema von „The Return Of The First Avenger“ angekommen: Das Wort „Avenger“ bedeutet Rächer und verweist auf die Herkunft von Captain America und seiner Truppe – diese Frauen und Männer verkörpern das bessere, das wehrhafte und wagemutige Amerika. Die Avengers sind amerikanische Patrioten, die sich im Laufe der Jahrzehnte erst im antifaschistischen und während des Kalten Krieges auch im antikommunistischen Kampf bewährt haben. Sie stehen im Dienste des Staates, einer Geheimorganisation namens S.H.I.E.L.D.

Sie wurde uns in dem zweiten Film „Marvel’s The Avengers“ (2012) ausführlich vorgestellt. Doch war damit nur ein Aspekt des „besseren Amerika“ berührt. Denn zugleich vereint die patriotischen Rächer auch das Misstrauen gegen den Staat. In den bei Marvel erschienenen Comics hinterließ zum Beispiel die Watergate-Affäre in Gestalt einer vom US-Präsidenten geführten, einen Staatsstreich planenden Verbrecherorganisation deutliche Spuren. Und nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 fand Captain America heraus, dass Bewaffnung und Ausrüstung der Terroristen ursprünglich vom amerikanischen Militär stammt. Die Avengers wissen also: Die eigene Regierung ist mitunter der gefährlichste Feind.

Und genau darum geht es nun in der dritten Folge. Die allmächtige und allwissende, mit dem neusten technologischen Schnickschnack ausgestattete Organisation S.H.I.E.L.D. entpuppt sich als eine Art National Security Agency, so wie wir sie seit den Enthüllungen von Edward Snowden kennen. Und so wie die durch Massenüberwachung gewonnenen Erkenntnisse der NSA genutzt werden, unschuldige Zivilisten per Killerdrohne gezielt zu töten, soll das geballte Wissen von S.H.I.E.L.D. nun dazu beitragen, mit Helicarrier genannten Kampfflugschiffen alle Amerikaner, deren Sozialdaten sie für ein Verbrechen prädestiniert, vorsorglich zu eliminieren. Alles nach dem Motto: Aktion sauberes Amerika. Oder: der totalitäre Überwachungsstaat.

„The Return Of The First Avenger“ ist wohl der erste Hollywood-Blockbuster, der sich absolut Mainstream-tauglich mit der aktuellen NSA-Affäre auseinandersetzt. Der Film von Anthony und Joe Russo bietet den allfälligen Augenschmaus, Special Effects mit all ihren herrlichen Übertreibungen, ausgedehnte Verfolgungsjagden, kunstvolle Prügeleien und vor allem mündungsfeuersattes Geballer aus sämtlichen Kalibern. Zugleich dürfte die hochkarätige Besetzung in die Kinos locken: So kämpfen an der Seite des von dem gewohnt farblos spielenden, den amerikanischen Jedermann allerdings bestens verkörpernden Chris Evans alias Captain America großartige Schauspieler wie Scarlett Johansson, Samuel L. Jackson oder Anthony Mackie.

Doch sie alle glänzen nicht in Charakterrollen, sondern stellen ihren guten Namen in den Dienst einer guten Sache. Bis Robert Redford endlich tot ist, dieser elende Superschurke. Die Geschichte geht da aber noch lange weiter, auch nachdem im Kinosaal die Lichter längst schon wieder angegangen sind.