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Kinostart „Wish I Was Here“: Ein Unglück kommt selten allein

Ist er nun naiv oder dreist: Aidan (Zach Breff, 4. v. l.) will beim Casting für eine Rolle als Afroamerikaner vorsprechen.

Ist er nun naiv oder dreist: Aidan (Zach Breff, 4. v. l.) will beim Casting für eine Rolle als Afroamerikaner vorsprechen.

Foto:

Wild Bunch

Zach Braff ist als Hauptdarsteller der Fernsehserie „Scrubs“ bekannt geworden. 2004 drehte er einen überraschenden Film namens „Garden State“: eine lustige, bewegende, originelle und angenehm dosiert kitschige Coming-of-Age-Komödie. Braff hatte den Film geschrieben, inszeniert und selbst die Hauptrolle gespielt.

Meistens geht so etwas schief – und der Erfolg hat Zach Braff auch nicht dazu verlockt, gleich den nächsten Film zu machen. Für „Wish I Was Here“ hat sich dieser Mann zehn Jahre Zeit gelassen und dann lieber doch kein eigenes Geld in den Film gesteckt: Finanziert wurde die Independent-Produktion zur Hälfte mittels Crowdfunding. Und das Misstrauen ist gerechtfertigt: „Wish I Was Here“ bleibt Längen hinter dem Charme von „Garden State“ zurück.



Auch weil man allenthalben wittert, dass das Erfolgsrezept des Vorgängers hier so weit wie möglich beibehalten wird. So spielt Zach Braff dieselbe Rolle wie damals, nämlich die des erfolglosen Schauspielers. Jetzt ist er nur etwas älter geworden und kann sein Leben nicht einfach durch eine Rückkehr nach Hause auf Null stellen. Denn dieser Aidan Bloom hat Familie, eine Frau und zwei Kinder. Nun prasselt einiges an Unglück auf den Mittdreißiger herab: Der Vater hat Krebs, überlässt Aidan seinen Hund zur Pflege, stellt die Zahlungen für die jüdische Schule der Kinder ein, hat nichts als Verachtung übrig dafür, dass Aidan die Versorgung seiner Familie seiner Frau überlässt – und wie zur Bestätigung seines alten Herrn versemmelt Aidan das nächste Casting für die Nebenrolle in irgendeinem schlechten Film.

Mit seinem übergewichtigen und hochbegabten kleinen Bruder liegt er im Dauerclinch, denn der haust in einem Wohnwagen, und die einzige Tätigkeit, der er nachgeht, ist Bloggen. Nachdem auch der Rabbi der Schule Aidan bestätigt hat, dass ein Mann keine Unterstützung der Gemeinde erwarten könne, wenn er von seinen brotlosen Schauspielflausen nicht ablasse, versucht Aidan die Kinder zu Hause zu unterrichten.

Vollgestopft, geschmacklos und abgestanden

In der ersten Hälfte des Films ist das recht lustig, man schwingt sich auf eine hohe Schlagzahl an Witzen ein. In der zweiten Hälfte jedoch wird alles unter rührseligem Schleim begraben, denn dann liegt der Vater nur noch mit Schläuchen in der Nase in seinem Sterbebett. Er raunzt seine Söhne als Versager an, kurz vorm Ende verzeiht er ihnen.

Dazwischen liegen reichlich seltsame Bemühungen von Aidan und seiner Familie, herauszufinden, was wirklich wichtig sein könnte: Man fährt in die Wüste und genießt das Abendrot; man geht zum Aston-Martin-Händler und erschleicht sich eine Probefahrt; man fragt sich gegenseitig nach den sorglosesten Momenten und versucht diese dann zu wiederholen, um so im eigenen Leben anzukommen, wie es der Filmtitel suggeriert. Wenn am Ende der Vater seine Nachfahren um sich versammelt und stirbt, drückt das zwar zielsicher auf die Tränendrüse, aber zugleich ärgert man sich auch über Manipulation der besonders bewährten Art.

„Wish I Was Here“ ist vollgestopft. Wählerisch ist Braff nicht, ob geschmacklos oder abgestanden: Hauptsache, jemand lacht. Nicht schön etwa, wie Aidan beim Masturbieren vor dem Laptop von seinem Vater erwischt wird. Jedes der eingangs aufgezählten Unglücke – und das waren ja noch nicht alle – verlangt nach eigener Abarbeitung im eigenen Handlungsstrang.

Das ist zum einen umständlich, weil keine der skurrilen Ideen für sich stehen darf – warum muss die schlechten Gewissens belachte sexuelle Belästigung von Aidans Frau Sarah am Arbeitsplatz eine eigene Nebenhandlung werden, an deren Ende Aidan den Kerl im Supermarkt stellt, aber von ihm eins auf die Nase bekommt? Dass die zauberhafte Kate Hudson als Sarah dadurch mehr Szenen bekommt, ist natürlich zu begrüßen, rettet den Film als Ganzes aber nicht.

Zum anderen aber zischen als jeweiliges Resümee der Teilhandlung dem Betrachter gegen Ende so viele Kalenderweisheiten um die Ohren, dass er gar nicht weiß, welche er denn nun in sein Poesiealbum schreiben soll; im Grunde kann man sie natürlich alle vergessen. Nein, „Wish I Was Here“ ist leider ein feiger Film, der künstlerisch und inhaltlich nichts wagt. Das entspricht ungefähr auch dem Charakter der Hauptfigur: Aidan ist nur ein passiver, langweiliger, uninteressanter Schlaffi, der sich nicht einmal rasiert.

Wish I Was Here USA 2014. Buch & Regie: Zach Braff, Kamera: Lawrence Sher, Darsteller: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin, Joey King u. a.;

120 Minuten, Farbe, FSK ab 6.



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