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Kinostart in Deutschland: Heiße Sehnsucht nach „Fifty Shades of Grey“

Geküsst wird auch: Auf dem Flugplatz, im Wald, im Spielzimmer…

Geküsst wird auch: Auf dem Flugplatz, im Wald, im Spielzimmer…

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Universal

Romantik ist nicht Christian Greys Ding. Der Kinotrailer der Verfilmung von „Fifty Shades of Grey“ lässt den Protagonisten das noch einmal an zentraler Stelle klarstellen. „Mein Geschmack ist sehr speziell“, sagt Schauspieler Jamie Dornan, der den Sadomaso-Millionär Grey verkörpert. Dann wandert seine Hand über den Oberschenkel von Filmpartnerin Dakota Johnson. Er trägt seinen muskulösen Oberkörper durchs Bild, schaut mit Schlafzimmerblick in die Kamera und seine Hose rutscht auf halb acht. Der Stoff, aus dem Fantasien sind. Und Besucherrekorde in den Kinos.

Am 12. Februar läuft der Film von Regisseurin Sam Taylor-Johnson in den deutschen Kinos an. Der Trailer des Streifens hat bereits über 46 Millionen Aufrufe auf Youtube. Allein in den Häusern der CineStar-Gruppe kauften Neugierige bisher bereits 70 000 Karten im Vorverkauf. Das sei selbst bei Streifen wie „James Bond“ oder „Der Herr der Ringe“ noch nicht vorgekommen, heißt es bei CineStar. Die Gruppe ist nur einer von fünf großen Kinobetreibern in Deutschland, die Vorverkaufszahlen dürften sich also bundesweit noch entsprechend vervielfachen. „Bei ‚Shades of Grey’ sind die Vorverkäufe wirklich prägnant“, sagt Andreas Kramer vom Hauptverband Deutscher Filmtheater. „Selten wird so früh angefangen, über einen Film zu reden“, so der Sprecher des nationalen Interessenvereins der Kinos.

Die Deutschen wollen offensichtlich an vorderster Front dabei sein, wenn der reiche Kontrollfreak Grey die scheue Studentin Anastasia Steel verführt, wie er es bereits im gleichnamigen Buch von E. L. James getan hat. Über 100 Millionen Mal verkaufte sich die von US-Medien als „Mommy Porn“ verspottete Erotik-Trilogie weltweit.

Ein bisschen Groschenroman gepaart mit viel mainstreamtauglich aufbereitetem Sadomaso-Beischlaf – ist das also das Rezept? Einmal Mäuschen spielen im Schlafzimmer der Düsterheit? Andere Filme oder Bücher zum gleichen Thema schlugen nicht so extrem ein. Mal wird das klare Rollenverhältnis der Geschichte – sie naiv, er dominant – als Erfolgsfaktor des Stoffs angeführt, mal seine Sinnbildlichkeit für Leiden und Unsicherheit in modernen Beziehungen.

Was es am Ende ist, dass ein von Kritikern als Folter für die Leser geächtetes Buch und einen im Trailer brav und erwartbar daherkommenden Film zu Kassenschlagern macht, kann nicht vollends entschlüsselt werden. Fest steht einzig: Mit Romantik hat es wenig zu tun.