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Lem-Film „Der Kongress“: Mit Bob Dylan auf ewig jung

Seltsame Typen gibt es in der Diktatur Costricana.

Seltsame Typen gibt es in der Diktatur Costricana.

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Pandora´

Der israelische Regisseur Ari Folman war sich sicher, als er „Der Kongress“ im Mai beim Festival von Cannes vorstellte: „Die Stanislaw-Lem-Gemeinde wird mich steinigen“, sagte er. Sein Film ist die erste abendfüllende Adapation des 1970 von Lem verfassten Romans „Der futurologische Kongress“. Nicht einmal der Raumfahrer IIjon Tichy kommt bei Folman noch vor, den der polnische Autor in einer überbevölkerten Welt zu einem Wissenschaftler-Treffen in die Diktatur Costricana entsendet.

Die Hauptfigur in Folmans neuer Regiearbeit heißt Robin Wright – so wie die Schauspielerin, die hier diese Rolle verkörpert. Beide rühmen sich einer Filmografie mit Klassikern wie „Die Braut des Prinzen“ und „Forrest Gump“. Wenn wir die Frau dann, nach rund der halben Filmlänge, tatsächlich jenen Ort betreten sehen, an dem Lems Geschichte beginnt, ein turmhohes Kongresshotel, hat die echte Robin Wright schon wieder frei. Denn Ari Folmans Film hat sich in einen Zeichentrickfilm verwandelt.

Hier treffen sich nicht mehr die Zukunftsforscher, sondern die Verwerter moderner Technologien, Medien-Industrielle und -Konsumenten. Ein mächtiger Unterhaltungskonzern namens Miramount hält Hof, der sich auf die Produktion von Animationsserien spezialisiert hat. Denn das, so erzählt die fast einstündige Vorgeschichte vor dem 55-minütigen Trickfilmteil, hat man inzwischen aus Filmstars wie Robin Wright gemacht: Täuschend echte Simulationen. Dazu werden mit den lebenden Vorbildern gnadenlose Buy-out-Verträge abgeschlossen.

Für ein üppiges Salär verpflichten sich die Stars, ihren Hobbys nachzugehen. Und wenn sie dann Golf spielen, arbeiten sich Animatoren an ihren gescannten Körpern ab. Aber auch diese Technik wird schließlich obsolet. Wie in Lems Satire auf die Glücksversprechen bewusstseinserweiternder Drogen arbeiten auch Folmans Medienzaren mit chemischen Formeln. Auf die computeranimierte Robin Wright folgt eine Version des Filmstars in Tablettenform. Doch nur in wenigen Einstellungen zitiert Folman den psychedelischen Bilderrausch, auf den die Romanvorlage anspielt. Es reicht nicht für ein neues „Yellow Submarine“.

Was Folman (u..a. „Waltz with Bashir“) vorschwebte, erklärt er im Gespräch, war der karikaturenhafte Stil der legendären Fleischer-Brüder, die in den frühen 1930er-Jahren mit ihrem Cartoon-Vamp Betty Boop auf Konfrontationskurs zu Disney gingen. Das Problem ist nur: Keiner von Folmans Zeichnern beherrschte diesen Stil. Und Robin Wrights zu ewiger Jugend verdammte Filmfigur prangert unmissverständlich den Jugendwahn Hollywoods an, was man auch bemerkt hätte, wenn sie nicht noch Bob Dylans „Forever Young“ singen müsste.

Doch trotz seiner Versäumnisse ist dieser „Kongress“ imponierend – schon weil sich der Film in seinem traditionellen Handwerk beharrlich den digitalen Techniken verweigert, die er anprangert. Und weil er uns daran erinnert, dass Zeichentrick ebenso wenig wie intelligente Science-Fiction etwas mit Familienunterhaltung zu tun haben muss.

Der Kongress (The Congress) Dtl./Israel 2013. Drehbuch & Regie: Ari Folman, Kamera: Michal Englert, Darsteller: Robin Wright, Harvey Keitel, Jon Hamm, Paul Giamatti, Kodi Smit-McPhee u..a.; 122 Minuten, Farbe. FSK ab 12.