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Leonard DiCaprio zu "The Revenant": Zehn Monate Wildnis

Leonardo DiCaprio

Leonardo DiCaprio

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AFP

Erschöpft sieht Leonardo DiCaprio aus, als er zum Interview in einem New Yorker Hotel kommt. Das passt zu seinem neuen Film „The Revenant“, der heute in den Kinos anläuft und der die Geschichte eines Trappers erzählt, der sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts schwer verletzt durch Nordamerika schlagen muss. Für den Dreh ging der 41-Jährige an seine Grenzen.

Mr. DiCaprio, woher kommt Ihr Hang zu düsteren, anstrengenden Rollen, die Sie in letzter Zeit spielen?

Es würde mich nicht wundern, wenn sich das alles auf meine deutsche Großmutter zurückführen ließe. Die war in ihrem Leben auf jeden Fall immer richtig hart im Nehmen. Aber mit meinen früheren Rollen würde ich „The Revenant“ nicht vergleichen. Einige von denen waren hart. Aber das hier war die härteste von allen.

War das der Grund, warum Sie sie spielen wollten?

Zunächst mal war das für mich wie ein Science-Fiction-Film. Unsere Geschichte handelt zwar von einem realen Mann und spielt im 19. Jahrhundert, aber in einer Gegend, über die es kaum historische Aufzeichnungen gibt. Das war damals ein vollkommen unerschlossenes Gebiet. Und in dieser Welt erzählen wir nun eine Geschichte darüber, wie weit der menschliche Geist gehen kann.

Wussten Sie denn, worauf Sie sich einlassen?

Mir war klar, dass Alejandro González Iñárritu, der Regisseur, aus der Sache kein Kinderspiel machen würde. Wenn es bei ihm um Natur geht, ist klar, dass man als Schauspieler wirklich raus in die Natur muss, statt gemütlich im Studio zu bleiben. Ich wusste, dass ich mich den Elementen aussetzen muss. Aber was mich dann erwartete, war doch noch mal um einiges schwieriger als das, was ich mir ausgemalt hatte.

"Die Dreharbeiten dauerten ewig"

Wo genau lagen bei diesen Dreharbeiten die Schwierigkeiten?

Zum einen dauerten sie ewig. Zwei Monate verbrachten wir allein damit, alle Szenen durchzuplanen und zu proben. Außerdem wollte Alejandro nur mit natürlichem Licht drehen – und die idealen Bedingungen gab es jeden Tag nur für zwei Stunden. Manchmal fühlte ich mich wie beim absurden Theater: Von früh bis spät waren alle mit Vorbereitungen beschäftigt, nur um dann in diesem kleinen Zeitfenster eine einzige perfekte Aufnahme hinzubekommen. Ganz zu schweigen davon, dass wir meist fernab jeglicher Zivilisation gedreht haben.

Und dazu kam das Wetter, oder?

Das war auf jeden Fall das Schwierigste. Manchmal war es so kalt, dass die Kameras nicht funktionierten.

Sie machen den Job als Schauspieler schon länger als Ihr halbes Leben. Hat sich in dieser Zeit Ihr Blick auf diesen Beruf verändert?

Kein bisschen. Ich weiß noch, wie ich als Jugendlicher die Chance bekam, neben Robert De Niro vor der Kamera zu stehen. Damals habe ich als Vorbereitung ein Jahr lang Filme geguckt. Zu entdecken, zu welch unglaublichen Leistungen tolle Schauspieler fähig sind, hat enormen Eindruck auf mich gemacht. Seitdem habe ich bis heute mit jeder neuen Rolle nur ein Ziel: so nah wie möglich an diese Meisterwerke heranzukommen.

Gibt es noch Wunschrollen?

Wenn ich ehrlich bin, habe ich nach „The Revenant“ gerade erst einmal gar kein Bedürfnis, überhaupt irgendetwas zu spielen. Nicht, dass wir uns falsch verstehen: Ich kündige hiermit nicht meinen Ruhestand an. Aber nach zehn Monaten in der Wildnis muss ich wirklich erst einmal entspannen.

Rechte am VW-Skandal

Trotzdem wurde schon Ihr nächstes Projekt verkündet: Sie wollen den VW-Skandal verfilmen.

Bislang ist da erst einmal eine Idee. Meine Produktionsfirma und ich sind immer auf der Suche nach interessanten Geschichten. Und die hier passt thematisch bestens, schließlich geht es bei der Sache nicht nur um einen Skandal, sondern auch um Umwelt- und Klimaschutz. Also haben wir uns die Rechte an einem Buch gesichert.

Der Klimaschutz ist ein Steckenpferd von Ihnen. Sehen Sie denn Hoffnung für unsere Welt?

Ich weiß nicht … – ich habe Angst, so viel steht fest. 2015 war das wärmste Jahr in der Geschichte der Menschheit. Das kann einen nicht unberührt lassen. Aber immerhin war es gleichzeitig auch das Jahr, in dem sich endlich zumindest ein bisschen was getan hat in Sachen Klimaschutz.