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Perspektive Berlinale- Diskussion: Was ist das Ziel der deutschen Filmförderung?

Muss man sich als Filmemacher zwischen Qualität und Quantität entscheiden? Muss man auf große Zuschauerzahlen verzichten, wenn man einen anspruchsvollen Film gemacht hat? Um diese Frage drehte sich das Publikumsgespräch Perspektive Deutsches Kino „Made in Germany – Reden über Film“ am Dienstag. Und es gab tatsächlich ein bisschen Zoff.

Linda Söffker, die Leiterin des der Sektion Perspektive Deutsches Kino, sprach Christian Becker von der Filmproduktion Rat Pack auf den von ihm produzierten Film „Fack ju Göhte“ an. Ob er gewusst haben, dass das ein Publikumserfolg werden würde. „Das weiß man nie“, antwortete der. Aus dem, was er dann noch sagte, wurde aber klar, dass der Film es durchaus darauf angelegt hatte. Es gab ein Zielpublikum (junge Leute), eine tolle Besetzung und Marketingmaßnahmen auf Facebook. Linus de Paoli sagte, da müsse er nun idealistisch werden. Marktmechanismen seien zwar interessant, aber: „Da könnte man auch gleich Schuhe verkaufen.“ Inhalte spielten dann nämlich keine Rolle mehr. Becker führte daraufhin die Verantwortung des Produzenten für das Geld der Filmförderung, der Verleiher ins Feld. „Wenn ein Film floppt, wird die Förderung gekürzt, und am Ende geht die ganze Filmindustrie kaputt“, sagte er. Paoli stellte daraufhin das Fördersystem in Frage. „Haben wir eine Wirtschaftsförderung oder eine Kulturförderung?“, fragte er. „Und wenn es eine Wirtschaftsförderung ist, warum wollen diese Leute dann das Drehbuch sehen?“

Till Kleinert, dessen von Linus und Anna de Paoli produzierter Thriller „Der Samurai“ in der Perspektive läuft, sagte, die Förderung verlange nach Filmen, die einem berechenbaren Muster folgen. „Überraschungserfolge werden dadurch fast unmöglich.“ Benjamin Munz, ebenfalls Rat Pack, unterstützte ihn. Sein Lieblingsfilm 2013 habe von einem Weihnachtsmann gehandelt, der vom Satan besessen war, ein schwedischer Splatterfilm. „In Deutschland hätte es diesen Film nicht gegeben“, sagte er. In Schweden dagegen würden auch Genrefilme, auch Horrorfilme gefördert. „Unsere Genrekultur in Deutschland ist tot“, sagte Paoli.

Jörg Buttgereit etwa, Regisseur von Horror- und Splatterfilmen, werde in der ganzen Welt gefeiert, in Deutschland stehe er auf dem Index. „Filmemachen ist ein Weg, etwas, das einem wichtig ist, anderen Leuten mitzuteilen“, sagte Till Kleinert. Auf ein größtmögliches Publikum ziele er dabei nicht unbedingt. Aber er hoffe auf ein bewegtes.


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