E_Paper_BZ
Nachrichten aus Berlin und der ganzen Welt

Porno-Regisseurin Goodyn Green: "Berlin ist das Mekka für die queere Szene"

Coverfoto des Fotobuchs "The Catalog" von Goodyn Green.

Coverfoto des Fotobuchs "The Catalog" von Goodyn Green.

Foto:

Goodyn Green

Beim 9. Pornfilmfestival Berlin, das vom 22. bis 26. Oktober 2014 stattfindet, werden alternative Pornofilme abseits des Mainstreams gezeigt. Darunter auch "Shutter", der zweite Pornofilm der Berliner Fotografin Goodyn Green, der am Donnerstag (23.10.) im Moviemento seine Weltpremiere feiert. Der 44-minütige Film befasst sich mit dem Sexleben von fünf Paaren - alle Frauen, alle queer.

Frau Green, was ist queerer Porno für Sie?

Für mich persönlich hat das viel mit Feminismus und Authentizität zu tun. Queer Porn ist nicht wie die meisten Mainstream-Pornos klischeebeladen, wo der männliche Orgasmus im Vordergrund steht und der weibliche Orgasmus oft nur vorgetäuscht ist. Bei meinen Filmen steht der weibliche Orgasmus im Mittelpunkt. Queer umfasst aber auch andere Elemente wie Transgender, also Menschen, die sich nicht auf ein Geschlecht festlegen.

Sind Sie selbst queer?

Ja, vor allem sehe ich mich als Feministin. Der Begriff "queer" ist für mich auch politisch. Es ist das Gegenteil einer heteronormativen Gesellschaft, also alles was anders ist. Das bedeutet auch andere Familienmodelle zu akzeptieren, die nicht aus Frau, Mann, Kind und Hund bestehen. Queer war anfangs ein negativer Begriff für Schwule. Das hat sich geändert. Auch das Wort "lesbisch" wird in der queeren Szene nicht gern gehört. Aber ich beschreibe mich selbst als queer und lesbisch.

Eigentlich arbeiten Sie als Fotografin....

....eigentlich bin ich sogar Lehrerin. 2007 bin ich von Dänemark nach Berlin gezogen. Ich brauchte eine Pause von meinem Job und wollte in Berlin Street Art machen. Dann habe ich hier angefangen mit der Fotografie und schnell gemerkt, dass ich in Berlin bleiben möchte. Fokussiert habe ich mich aber auf erotische Fotografien. Viele der Fotos sind in dem Buch "The Catalog" zu sehen, das ich 2011 veröffentlicht habe und das androgyn aussehende queere Frauen zeigt.

Wie sind Sie zum Filmemachen gekommen?

Anlass war das Pornfilmfestival Berlin, das ich seit 2007 jedes Jahr besuche. In einigen Filmen war ich auch selbst Darstellerin. Einen großen Einfluss hat die Filmemacherin Émilie Jouvet auf mich gehabt, die den Film "One Night Stand" gedreht hat. Das hat mich damals sehr beeindruckt und auch provoziert. Da habe ich Lust bekommen, selbst Pornos zu drehen. Die Atmosphäre beim Pornfilmfestival ist einfach super, es ist wie eine große Familie. Da wollte ich auch mitmachen.

2013 wurde dann Ihr Debütfilm "Want Some Oranges" beim Pornfilmfestival gezeigt. Um was geht es darin?

Der Film ist nur 15 Minuten lang und zeigt zwei Frauen beim Sex, eine davon ist im achten Monat schwanger. In vielen heterosexuellen Pornos wird eine schwangere Frau oft als Fetisch gesehen. Ich wollte das Ganze umdrehen und die Schwangere als dominanten Part zeigen.



Der Trailer zu Ihrem neuen Film "Shutter" wirkt auf mich sehr hart.

Ja, aber der Film ist gar nicht so (lacht). Die schnellen Szenen im Trailer wurden so zusammengeschnitten. In dem Film begleite ich fünf Paare, also zehn Frauen, bei unterschiedlichen Sexsituationen. Gedreht wurde zum Beispiel im Wald, aber auch bei mir zuhause. Jede Szene ist acht Minuten lang. Der Film soll im November in London gezeigt werden und später in Wien.

Gibt es Grenzen beim Drehen?

Wichtig für mich ist, dass ich es selber heiß finde - es muss mich antörnen. Alles was mich abtörnt, ist tabu. Und da sind der Fantasie ja keine Grenzen gesetzt. Ich würde aber zum Beispiel nie eine Vergewaltigung als sexuelle Fantasie einbauen. An dem Thema habe ich kein Interesse.

Woher nehmen Sie Ihre Inspiration?

Für mein Fotobuch "The Catalog" habe ich zum Beispiel ein schwules Pornomagazin als Vorlage für die Posen der Models genommen. Die lesbische Version davon fand ich so klischeebehaftet, da wollte ich meine eigene Version machen. Ich schaue mir auch gerne Modemagazine an und entwickle meine Ideen. Auch die Zusammenarbeit mit Janine Rostron von Planningtorock ist etwas besonderes, denn für mich ist sie ein großes feministisches Vorbild. Ich habe vor drei Jahren ihre Pressefotos gemacht und ein Musikvideo für sie gedreht. Sie ist eine Ikone der Queerszene. Auch mit Olof von The Knife habe ich zusammengearbeitet. Es macht einfach Spaß mit Künstlern zu arbeiten, die so offen und bodenständig sind.

Welchen Einfluss hat Berlin auf Ihre Arbeit?

Der Grund warum ich hier bin, ist einfach: Berlin ist das Queer-Mekka. Ich war auch schon in anderen Städten wie London, Paris, New York, Kopenhagen und Barcelona - aber dort ist die Szene sehr klein oder zersplittert. Berlin hat, was die queere Szene angeht, einen guten Ruf. Darum kommen auch immer mehr Leute her, die sich davon angezogen fühlen. Ich denke, das hat aber auch viel damit zu tun, wie linksorientiert Berlin ist. Was ich in Berlin allerdings vermisse im Gegensatz zu anderen Großstädten sind die unterschiedlichen Kulturen innerhalb der Szene.

Welches Projekt planen Sie als nächstes?

Zurzeit arbeite ich an dem Projekt "Women". Ich porträtiere Frauen, die von anderen oft nicht als Frauen wahrgenommen werden, weil sie nicht den typischen Geschlechterrollen entsprechen und die für ihr Aussehen auch Anfeindungen erleben müssen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, dass jemand nicht wusste, ob ich ein Mann oder eine Frau bin. Da kann es dann auch mal passieren, dass man bei der Flughafenkontrolle nicht von einer Frau, sondern einem Mann kontrolliert werden soll. Das ist natürlich unangenehm und verletzend. Ich wollte Menschen treffen, denen es ähnlich geht. Ich möchte auf jeden Fall weiter lesbisch-queeren Porno aus Frauenperspektive machen. Ich will aber auch mal einen Porno mit schwulen Männern drehen.

Das Gespräch führte Corinne Plaga.

Goodyn Green: Shutter, 44 min, 2014, Cast: Zoë Challenger, Jasko Fide, This Wednesday, GG, Sadie Lune, Cherryosity, Paulitta Pappel, Max, Lou, Salty, Kristina Marlen

www.goodyngreen.com