blz_logo12,9

Rezension "Monuments Men": Leben und sterben für die Kunst

Der geraubten Nazi-Kunst auf der Spur: Sam Epstein, John Goodman, George Clooney, Matt Damon und Bob Balaban (v.l.n.r.).

Der geraubten Nazi-Kunst auf der Spur: Sam Epstein, John Goodman, George Clooney, Matt Damon und Bob Balaban (v.l.n.r.).

Foto:

AP/dpa

Berlin -

Kunst war den Nazis wichtig – da kann man sagen, was man will. In mancher Biografie geistert gescheitertes Künstlertum herum. Und zur Bildung der Volksgemeinschaft wurde vieles zur Förderung dessen unternommen, was aus nationalsozialistischer Sicht als „schön“ galt – und das „entartete“ fürsorglich verboten. Vor allem aber riss man sich allerorten, und man kam ja weit rum im Zweiten Weltkrieg, an Kunstschätzen unter den Nagel, was Museen und Kirchen nur hergaben: Einerseits für die Häuser „der deutschen Kunst“ und für das in Linz geplante Führermuseum, andererseits auch für die heimisch-trauten Wände der Nazi-Bonzen.

Angesichts dessen, was die Nazis ansonsten taten, mögen ihre Kunstraubzüge als Kavaliersdelikt durchgehen. Aber der Kunsthistoriker Frank Stokes sieht es in dem Film „The Monuments Men“ anders: Die großen Kunstwerke der Vergangenheit bilden den Grundstock unserer Bildung und unserer geistigen Werteordnung, sie dürfen nicht zum Besitz der Nazis werden. Mit diesem Argument wird ihm von den USA die Zusammenstellung einer Einheit aus Kunsthistorikern, Denkmalschützern, Künstlern, Archivaren und Museumsdirektoren bewilligt, die versteckte Kunstschätze ausfindig machen und der Welt wieder zur Verfügung stellen soll.

Die Uhr tickt, denn der eigene militärische Erfolg verschärft das Problem: Hitler befahl die Taktik der verbrannten Erde, der auch die Kunstwerke in ihren Verstecken anheimfallen konnten. Und dass die von Osten herandrängenden Sowjets etwas Schönes finden und dann der freien Welt zugänglich machen, darauf vertraut nicht mal ein Kunstgeschichts-Bücherwurm – jedenfalls nicht im Westen.

Großes Staraufgebot

George Clooney hat die Geschichte der „Monuments Men“ verfilmt und sich von dem gleichnamigen Sachbuch von Robert M. Edsel anregen lassen. Clooneys Filme wollen an die Tradition der meinungsoffenen, freien und den Menschenrechten verpflichteten USA erinnern – an eine USA, die der Welt wirklich Gutes tun kann. Das wird von Schauspielern gern unterstützt, und so ist auch dieser Clooney-Film prominent besetzt mit Cate Blanchett, Bill Murray, John Goodman, Matt Damon, Jean Dujardin und natürlich Clooney selbst – er spielt Frank Stokes.

Weil größtenteils in Babelsberg gedreht wurde und Deutsche noch immer die überzeugendsten Nazis spielen, ist außerdem noch Justus von Dohnanyi dabei. Dem Drehbuchautor Clooney und seinem Kollegen und Koproduzenten Grant Haslov ist es indes nicht gelungen, die Stofffülle des Sachbuchs so einzudampfen, dass am Ende eine stringente Geschichte herauskommt. Die Mission beginnt mit der Rekrutierung von Freiwilligen – da es um eine Art Raub geht, gleicht das dem Beginn eines Heist-Movie wie etwa den „Ocean’s“-Filmen, in denen Clooney und Damon ebenfalls mitspielten.

Wenn dann die schon etwas älteren Herrschaften, die eigentlich Kuratoren, Restauratoren, Kunsthistoriker und Museumsdirektoren sind, zur militärischen Grundausbildung antreten, scheint dieser Film kühn in Richtung der gegenwärtig modischen Senioren-Actionkomödien wie „Space Cowboys“, „R.E.D.“ oder „The Expendables“ zu gehen. Alexandre Desplat liefert dazu fröhlich gepfiffene Musik à la Marsch aus „Die Brücke am Kwai“.

Charaktere bleiben seltsam blass

Aber es bleibt natürlich nicht so lustig, hier werden ja Werte verteidigt, das Abendland, die Menschlichkeit – da muss man schon mal Haltung einnehmen. Das heißt hier größtenteils: Offener Mund im Schein der Laterne, wenn man in einem Bergwerk mal wieder ein Gemälde oder eine Skulptur aufgetan hat. Das erinnert in seiner Naivität an „Indiana Jones“. Und so ist „The Monuments Men“, obwohl er eine Erfolgsgeschichte erzählt, ohne innere Richtung unterwegs. Er fährt zwar scharf geschnittene Typen auf, deren Eigenart jedoch spielt angesichts der edlen Mission keine Rolle.

Was sie als Menschen umtreibt, bleibt dunkel, und so lässt das Drehbuch selbst einen Bill Murray oder einen John Goodman blass. Cate Blanchett als französische Museumsmitarbeiterin in der Résistance und als einzige Frau soll der Sache noch ein bisschen Politik und Erotik beimengen, was aber selbst ihr mangels dramaturgischer Substanz nicht gelingt. Der Film geht in dem, was er erzählt, mithin nicht über das Sachbuch hinaus – er ist langweilig.

Der Stoff hätte natürlich Anlass für Geschichten oder Reflexionen gegeben, die über die Chronologie der Tatsachen hinausgehen. Es gibt eine Szene, in der einer der Monuments Men in Brügge auf Michelangelos Madonna stößt. Die Skulptur ist meisterlich im Kerzenlicht gefilmt, der britische Kunsthistoriker Donald Jeffries (Hugh Bonneville) versinkt in ihrem Anblick – und wird dann von einem deutschen Soldaten erschossen. Die Szene bewegt sich am Rand des Kitsches und ist dennoch die stärkste des Films, weil in ihr erfahrbar wird, was den ganzen Film gegenüber nur als Gesinnung behauptet wird: Dass es zwar schrecklich ist, für die Kunst zu sterben, dass sie den Einsatz des Lebens aber lohnt.

The Monuments Men – Ungewöhnliche Helden USA 2014. Regie: George Clooney, Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov, Kamera: Phedon Papamichael, Darsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, Cate Blanchett u. a.; 118 Minuten, Farbe. FSK ab 12. Der Film läuft ab 20. Februar regulär in den Kinos.