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Veronica Mars: Detektivin mit Dekolleté

Veronica (Kristen Bell) observiert.

Veronica (Kristen Bell) observiert.

Foto:

Warner Bros

Groß war die Aufregung in Hollywood, als Rob Thomas und Kristen Bell, der Schöpfer und die Hauptdarstellerin der Fernsehserie „Veronica Mars“, vor einem Jahr ein Kickstarter-Projekt begannen. Sie wollten einen Kinofilm aus ihrer 2007 nach drei Staffeln eingestellten Serie machen. Die Finanzierung sollten die „Veronica Mars“-Fans übernehmen; im Gegenzug winkten Thomas und Bell mit exklusiven Gegenleistungen, vom signierten Foto über AB-Nachrichten bis zum Mini-Auftritt im Film. Zwei Millionen Dollar sollten innerhalb eines Monats zusammenkommen. Dieses Ziel wurde schon nach zwölf Stunden erreicht. Zum Ende der Crowdfunding-Kampagne waren über 5,7 Millionen Dollar eingezahlt.

Doch die spendablen Fans waren nie wirklich zahlreich. „Veronica Mars“ war eher ein Kritiker-Liebling als ein Quoten-Hit. Handlungsort der Serie ist die kalifornische Kleinstadt Neptune, ein vermeintliches Idyll voller neureicher Unternehmer und ihrer schnöseligen Kinder. Auch Veronica (Bell) gehört zu den coolen Kids – bis ihre beste Freundin (Amanda Seyfried) ermordet wird. Veronicas Vater (Enrico Colantoni) stellt unbequeme Fragen, wird dafür aus dem Amt gejagt und arbeitet nun als Privatdetektiv. Auf einer Party wird Veronica dann unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Ihre Mutter ist spurlos verschwunden. Verdammt unerfreuliches Gepäck für einen Teenager, aber Veronica nutzt ihren Außenseiterstatus und wird Jung-Detektivin.

Mit Rückblicken, feinen Dialogen und Veronicas Kommentaren aus dem Off war die TV-Serie eine hintersinnige Sache. Neben den großen und kleinen Fällen ging es auch um Klassenunterschiede und die Arroganz reicher Leute. Vielleicht hätte der Kinofilm mit der Hauptfigur spielen und sie erwachsen werden lassen sollen. Doch dem standen die Produktionsbedingungen entgegen: Die Fans wollten mehr Neptune, vertraute Figuren und bekannte Konstellationen. Das bekommen sie nun auch: Der Mord an einer zum Popstar aufgestiegenen Schulkameradin führt Veronica, nach dem Jura-Studium kurz vor dem Einstieg in eine New Yorker Kanzlei, zurück an den alten Ort. Tatverdächtig ist Veronicas Ex-Freund Logan (Jason Dohring).

Die Nostalgie funktioniert indes nicht, weil der Film schlampig gemacht ist: Die Dialoge sind tranig, der Schnitt ist behäbig; und trotz einer Zusammenfassung der Serien-Geschichte versteht man selten, wer hier warum auftritt. Das Drehbuch ist übervoll mit selbstgefälligen Anspielungen, und Kristen Bell hält permanent ihr Dekolleté in die Kamera, beides wohl Fan-Wünsche. „Veronica Mars“ bleibt ein Muster ohne Wert: Dem Vorwurf, dass Crowdfunding-Angebote wie Kickstarter eigenwillige, randständige Projekte und keine Industrie-Produkte finanzieren sollten, kann dieser Film nichts entgegen setzen.

Veronica Mars USA 2014. Regie: Rob Thomas, Drehbuch: Rob Thomas & Diane Ruggiero, Kamera: Ben Kutchins; 107 Minuten, Farbe. FSK ab 12.