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Filmfestspiele Berlin: Diese Highlights bietet die Berlinale 2015

Die Berlinale findet am Potsdamer Platz, aber auch an dutzenden anderen Plätzen in Berlin statt.

Die Berlinale findet am Potsdamer Platz, aber auch an dutzenden anderen Plätzen in Berlin statt.

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dpa

Vom 5. bis 15. Februar wird die deutsche Hauptstadt wieder zum Zentrum der Filmwelt. Dann finden - in diesem Jahr zum 65. Mal - die Internationalen Filmfestspiele, kurz Berlinale statt. Zehn Tage lang werden an verschiedenen Orten Berlins bis zu 400 Filme in neun verschiedenen Sparten gezeigt, darunter viele Welt- und Europapremieren. Das Objekt der Begierde ist der Goldene Bär, mit dem jährlich von einer internationalen Jury der beste Langfilm prämiert wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen Filmfestivals können sich in Berlin auch normale Kinozuschauer ein Bild machen, welche Talente oder Reinfälle die Festivalleitung da versammelt hat: Mehr als 30.000 Eintrittskarten stehen für Besucher zur Verfügung, der Ansturm auf die Tickets beginnt am Montag, den 2. Februar 2015 um 10 Uhr.

Auch ohne Karten scharen sich während des Festivals stets hunderte Schaulustige um den Roten Teppich am Potsdamer Platz, um die geladene Prominenz aus nächster Nähe zu betrachten. In diesem Jahr sind darunter so berühmte Namen wie Nicole Kidman, Robert Pattinson, Natalie Portman und Cate Blanchett.

Bei Cineasten steht das Festival aber vor allem deshalb so dick im Terminkalender, weil hier auch viele Filme zu sehen sind, die es im Gegensatz zu den Hollywood-Premieren nie zu einem regulären Kinostart schaffen. Welche Perlen für Sie dabei sind, müssen Sie je nach Interessenslage selbst herausfinden - mit Hilfe des Programms, in dem Sie alle Festivalsektionen, Termine und Inhaltsangaben finden.

Um sich im Wust des riesigen Angebotes zurechtzufinden, haben wir einige Empfehlungen für Sie - bei denen hoffentlich für jeden Geschmack etwas Spannendes dabei ist. Viel Spaß beim Stöbern und auf der Berlinale!

Kultig und gemütlich: Kino im Kiez

Vor einigen Jahren als Experiment gestartet, ist es inzwischen eine feste und beliebte Berlinale-Reihe: Ausgewählte Filme und die dazugehörigen Stars bringt der „Fliegende Rote Teppich“ auch 2015 wieder in sieben einzigartige Kiezkinos. Mit dabei sind diesmal Eiszeit Kino (Kreuzberg), Neues Off (Neukölln), Odeon (Schöneberg), Kino Union (Friedrichshagen), Sputnik Kino (Kreuzberg), Thalia Kino Berlin (Lankwitz) und Toni & Tonino (Weißensee).

Im Eiszeit Kino in Kreuzberg findet die bisher längste Kiez-Nacht statt: Das Kulinarische Kino zeigt ein Doppelprogramm zum Thema „Celebrating Food“ mit anschließendem Menü in der benachbarten Markthalle Neun (13. Februar, 16.30 Uhr). Im Eiszeit Kino findet außerdem eine Lange Wim-Wenders-Nacht mit ausgewählten Filmen aus der Berlinale-Sektion "Hommage" statt.

Unser Tipp: Das Schöneberger Odeon zeigt mit "Blochin" von Matthias Glasner (11. Februar, 16 Uhr) als einziges Kino alle Folgen einer Serie aus dem Programm "Berlinale Special Series" (mehr dazu im nächsten Abschnitt).

Neu: Preview potenzieller Serien-Hits

Serien-Formate haben in den letzten Jahren die Gunst des Publikums weltweit erobert und stehen klassischen Filmproduktionen in nichts mehr nach. Auch die Berlinale schenkt dieser Form des Erzählens nun mehr Aufmerksamkeit: Mit der Reihe "Berlinale Special Series" präsentiert das Festival 2015 erstmals an zwei Tagen Premieren brandneuer Episoden aus deutschen, europäischen und amerikanischen Serien.

Den Auftakt macht am 9. Februar die italienische Serie "1992", ein Politkrimi vor dem historischen Hintergrund der Anti-Korruptions-Kampagne „Mani pulite“, die ein politisches und gesellschaftliches Erdbeben in Italien auslöste. Aus Dänemark kommen die Macher von Borgen mit ihrer neuen Serie "Follow the Money", angesiedelt im Zentrum der Macht. Auch das schwedische Format "Blue Eyes" reflektiert die Mechanismen von Politik und Gesellschaft und greift aktuelle politische Themen wie Rechtsradikalismus und Ziviljustiz auf.

Für die deutschen Serien sind jeweils Regisseure mit Wettbewerbserfahrung bei der Berlinale verantwortlich: Matthias Glasner (Der freie Wille, Gnade) hat "Blochin" in Berlin angesiedelt und schickt seine Titelfigur, gespielt von Jürgen Vogel, in ein Labyrinth aus politischen Intrigen und persönlichen Geheimnissen. In "Deutschland 83" von Anna und Jörg Winger landet ein junger, unerfahrener DDR-Spion mit brisanter Mission in der Bundesrepublik der frühen achtziger Jahre. Regie bei den Episoden 1-5 führte Edward Berger (Jack).

Aus den USA ist mit "Bloodline" das neue Werk von KZK (Kessler, Zelman und Kessler) vertreten, ein intensives Familiendrama in der trügerischen Idylle der Florida Keys. Den Abschluss bildet "False Flag", der neueste Thriller der israelischen Keshet Media Goup (die Homeland-Vorlage Hatufim), in der fünf Privatleute über Nacht in den Sog einer internationalen Spionage-Affäre geraten.

Unser Tipp: Mit "Better Call Saul" wird das lang erwartete Spin-off von "Breaking Bad" seine Weltpremiere in Berlin feiern. Diesmal beleuchten die Macher Vince Gilligan und Peter Gould die Vorgeschichte von Walter Whites schlagfertigem Anwalt Saul und dessen Verwandlung in einen Strafverteidiger, der seinen kriminellen Klienten in nichts nachsteht. Dafür spendiert die Berlinale Freikarten: erhältlich sind diese ab 7. Februar um 10 Uhr an den Berlinale Vorverkaufsstellen, der Tageskasse des Kinos sowie online.

Für Kurzweilige

Das Kurzfilmprogramm feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag - mit einer langen Kurzfilmnacht im Kino International am 14. Februar. 27 Filme aus 18 Ländern konkurrieren in diesem Jahr um den Goldenen und Silbernen Bären, die Kurzfilmnominierung für den europäischen Filmpreis und den 2015 zum ersten Mal ausgelobten Audi Short Film Award, der mit 20.000 Euro dotiert ist.

Zu entdecken gibt es hier viele Schätze: Matt Porterfields "Take What You Can Carry" erzählt von einer jungen Ausländerin in Berlin – ein Porträt der Generation Y. Und in Japan gibt es seit Fukushima ein neues Wort: „Atomtrennung“. So heißt die Scheidung, die in der Nachfolge der Katastrophe vielfach eingereicht wurde. Christian Bau versucht dieses Phänomen in "Snapshot Mon Amour" zu erfassen. Wir sagen: Unbedingt hingehen!

Für Drama-Fans

Wer es gerne heftig mag, sollte in diesem Jahr besonders die Filme der Sektion Panorama anschauen: Ein Schwerpunktthema ist hier der Missbrauch in jeglicher Form, wie Panorama-Chef Wieland Speck vorab verriet. Eröffnet wird die Sektion am 5. Februar im CinemaxX 7 mit der brasilianischen Produktion "Sangue azul" von Lirio Ferreira. Der Film erzählt in Form eines bildgewaltigen Märchens von der Zerrissenheit einer Familie, die sich Stück für Stück wieder zusammenfindet und dabei Geheimnisse preisgibt, deren Folgen den Mitgliedern erst jetzt zu Bewusstsein kommen.

Am 6. Februar folgt das jüngste Werk der deutschen Regielegende Rosa von Praunheim: "Härte" ist die Geschichte von Karateweltmeister Andreas „Andy“ Marquardt, der in diesem Spielfilm-Hybrid auch selbst auftritt und seinen Lebensweg aus einer missbräuchlichen Kindheit in ein gewalttätiges Erwachsenenleben begleitet, welches sich dennoch zu einem Leben in Fürsorge entwickelt.

Für Berlin-Fans

Der dürre Blixa Bargeld, der in der Bar Risiko die Gäste besoffen macht. Der ernste Nick Cave, der an der Wand seines Zimmers in einer Berliner Wohnung „deutsche Gothik“ sammelt. Die coole Gudrun Gut, die vor dem Dschungel steht und Clubs aufzählt, in die man ab 2 Uhr gehen kann. Die tödliche Doris, die auf dem unwirtlichen Potsdamer Platz singt.

Und zwischen Mauer und Brandmauern, Alt- und Neubauten, Mania D und Westbam: Der britische Musiker, Labelmacher und Militärfetischist Mark Reeder aus Manchester, dessen Begeisterung für mauerstädtische Elektromusik ihn Ende der Siebzigerjahre nach Berlin verschlagen hat, wo anscheinend – und zum Glück! – alles mitgefilmt wurde, was er erlebte.

Der großartige Film "B-Movie: Lust and Sound in West-Berlin" mit umfassenden Bild- und Tondokumenten, die Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange zusammengetragen haben, ist Liebeserklärung und Dokumentation in einem. Ein herzlich-kaputtes Wiedersehen mit sich selbst für alle, die dabei waren. Und geradezu bewusstseinserweiternd für all die Zugezogenen, die behaupten, sie wüssten, wo der Bär steppt, oder gar, er habe eh erst 1990 angefangen zu steppen.

Auch im Wettbewerb läuft ein interessanter (wenn auch fiktiver) Beitrag zum Nachtleben in der Hauptstadt: "Victoria" von Sebastian Schipper erzählt von einer jungen Spanierin, die selbstvergessen durch die Berliner Szene tanzt. Vor einem Club lernt sie vier Männer kennen, die ein krummes Ding mit ihr durchziehen wollen.

Gemeinsam mit der verwegenen Truppe blickt man als Zuschauer von Hochhausdächern über die Stadt, flaniert über menschenleere Bürgersteige und versteckt sich in abgelegenen Hinterhöfen - und aus Spiel wird eine Tour de force.

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