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Förderung der freien Szene: Bitteres Aus für überzeugende Projekte

Berlin -

Bitter erwischt hat es die Zeitgenössische Oper Berlin, die, so befand die Jury, ob ihrer Größe und Qualität eigentlich in eine andere, nämlich die vierjährige Förderung gehöre. Die ist allerdings gerade für die nächsten vier Jahre abgeschlossen worden. Oder das Solistenensemble Kaleidoskop, das gerade von Erfolg zu Erfolg eilt und mit dem Haus der Berliner Festspiele einen großartigen Partner in der Stadt gewonnen hat.

Wegen seiner wunderbaren Grenzwanderung zwischen Musiktheater und Musikensemble ist es jetzt gleich aus zwei Förderungen geflogen. Die Tanzcompagnie Rubato wiederum, die im kommenden Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum feiert, ist die älteste, freie, zeitgenössische Tanzcompagnie Deutschlands. Sicher, mit Ausschlägen nach oben und unten, hat sie sich künstlerisch immer weiterentwickelt und hohes Niveau gehalten.

Jury in einer misslichen Lage

Die Entscheidungen sind fatal, anlasten kann man sie der Jury trotzdem nicht. Denn sie hatte schlicht zu wenig Geld zu verteilen.

Zwar wurde erst im vergangenen Jahr die Förderung der freien Szene um 2,7 Millionen angehoben. Doch die Förderinstrumente sind vielfältig, für den wichtigen Bereich der Basisförderung standen trotzdem gerade mal 25.500 Euro mehr zur Verfügung als 2012 (insgesamt 2.726.500 Euro). Das die Aufstockung so absurd gering ausfiel, erklärt sich zum einen aus neu gegründeten, sehr sinnvollen Förder-Instrumenten, wie etwa einem Topf für Wiederaufnahmeförderung und einen Eigenmittelfonds für die Spielstätten. Aber es wurde durch die Abgeordneten auch reichlich von dem neuen Geld aus Proporz verteilt.

Die Jury war nun in einer misslichen Situation. Sie hat nicht die falschen Gruppen gefördert. Sie musste schlicht erhöhten Mietkosten und Ähnlichem Rechnung tragen und die Förderungen für die einzelnen Gruppen erhöhen, damit diese überhaupt überlebensfähig bleiben. Allein der Versuch, ihre Entscheidungen inhaltlich zu begründen, wo es keine wirklichen Argumente mehr gibt, zeugt vom Dilemma der Beteiligten.

Unter dem vormaligen Kulturstaatssekretär André Schmitz, der sich durchaus für die freie Szene engagiert hat, hätte man in dieser Lage auf eine Intervention, eine Rettung zumindest einer der Musikgruppen spekulieren dürfen. Aber wie es sich mit seinem Nachfolger Tim Renner verhält, kann im Augenblick niemand abschätzen. Unklar ist, ob Tim Renner überhaupt weiß, um welche Perlen es sich hier handelt.


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