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Berliner Zeitung | Fußball-Theater: Geschreddert und getrocknet
16. May 2013
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Fußball-Theater: Geschreddert und getrocknet

Regisseur Neco Celik inszeniert „Die Liga der Verdammten“ im Ballhaus Naunynstraße.

Regisseur Neco Celik inszeniert „Die Liga der Verdammten“ im Ballhaus Naunynstraße.

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Aber egal“, sagt Arda, das Jahrhunderttalent. Jahrhunderttalent zumindest bei Türkiyemspor, dem Kreuzberger Fußballverein. Vielleicht wäre wirklich etwas aus Arda geworden, hätte nur nicht der Vater zu schnell von einer zu großen Karriere für seinen Sohn geträumt und ihn zu schnell in einen anderen Verein verfrachtet. Aber so gilt für Arda das Gleiche wie für alle anderen, die im Ballhaus Naunynstraße in der „Liga der Verdammten“, dem neuen Stück von Neco Celik mitspielen: Aus dem kleinen Spielfeld gibt es kein Entrinnen.

Das „egal“ von Arda (Hasan H. Tasgin), der mit nacktem Oberkörper an der Stange steht, die die Bühne von den Zuschauern trennt, und das „egal“ seines Kumpels (Sami Nasser) hat längst alle Coolness-Posen durchlaufen. Wie zerschreddert und zu kleinen Klumpen getrocknet fällt es aus ihren Mündern. Genauso wie das Wort „Multikulti“, das die Spieler herausspucken, als weigerten sich Zunge und Mund und überhaupt der ganze Körper, so etwas zu artikulieren. Gemeinsam mit dem Autor Imran Ayata hat Neco Celik ein Stück über den legendären Kreuzberger Fußballverein Türkiyemspor geschrieben.

Ziemlich gutes Theater

Aber „Die Liga der Verdammten“ ist kein Stück über Fußball. Obwohl es reale Begebenheiten aus dem Vereinsleben und reale Zitate sind, aus denen Celik und Ayata das Stück destilliert haben, das verzerrt, böse und stellenweise ziemlich witzig auf das bundesrepublikanische Leben schaut. In der „Liga der Verdammten“ ist das nur ein Teil des Geplänkels, in dem es um große Träume, vor allem um die großen Träume vom Geld verdienen geht. Wie etwa Ernest Hausman den geschäftstüchtigen Vorstand gibt und Friederike Harmsen mit gebleckten Zähnen lächelnd erzählt, dass ihre Tochter bei Türkiyemspor spiele, sie selbst sich von diesen Leuten aber doch lieber fern halte, ist großartig.

Die Inszenierung hat teilweise noch nicht zu ihrem Rhythmus gefunden, die Schauspieler sind manchmal noch ihren Rollen auf der Spur, die Sache ist noch nicht ganz aus einem Guss. Aber es ist schon jetzt: ziemlich gutes Theater.

Neco Celik hat vor sieben Jahren „Schwarze Jungfrauen“ inszeniert, ein wütendes, sehr böses und genial inszeniertes Stück über junge Neomuslinnen in Deutschland, das den Regie-Anfänger, der zuvor ein paar kleine Filme gedreht und sich um Theater nicht geschert hatte, auf einen Schlag zum Supertalent machte. Doch aus dem Nichts kann man weder Fußball spielen, noch Theater inszenieren. Das musste auch Neco Celik erfahren.

In der kommenden Spielzeit gibt es an der Staatsopern-Werkstatt gleich zwei Stücke von ihm, eine Wiederaufnahme und eine Premiere. Das neue Maxim-Gorki-Theater von Shermin Langhoff wird „Schwarze Jungfrauen“ wieder aufnehmen und wer weiß, vielleicht auch „Die Liga der Verdammten“ abwerben. So oder so, Neco Celik hat schon den Faust-Preis für eine Werkstatt-Oper bekommen. Jetzt kann er auch Theater. Die harten Jahre sind vorbei.

Die Liga der Verdammten, 17. bis 19., 23. und 24. Mai, Karten unter 75 45 37 25.