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Ganze Stadt aus "Monuments Men" rausgeschnitten: Goslar enttäuscht von George Clooney

Waren beide in Goslar: George Clooney und Bill Murray.

Waren beide in Goslar: George Clooney und Bill Murray.

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AFP

Heute geht es um den Harz, im Besonderen die Stadt Goslar. Goslar muss getröstet werden. Goslar ist ein bisschen böse auf George Clooney, ein bisschen enttäuscht, was man verstehen kann. Die ganze Arbeit, die ganze Aufregung – und dann nichts. Oder fast nichts.

Es ist ja nicht so, dass Goslar dauernd groß rauskäme. Da gibt es den Deutschen Verkehrsgerichtstag, der ist ein Mal im Jahr. Und den Harz, der ist immer. Beides nicht unwichtig, aber doch ohne Glamour. Es gibt berühmte Kinder der Stadt: Kaiser Heinrich den Vierten, lange tot. Albert Niemann, eher interessant für Drogenkonsumenten: Er entdeckte das Kokain. Und dann noch Aaron Hunt, Fußballer, Werder Bremen, gerade im Abstiegskampf. Und Sigmar Gabriel, kein Fußballer, gerade nicht im Abstiegskampf.

Dann tauchte plötzlich der Clooney vergangenes Jahr auf, um in und um Goslar herum seinen Film zu drehen, „The Monuments Men“. Klar, alle total aus dem Häuschen, Riesensache, Goslarywood. 2000 Komparsen in alten Klamotten, große Szenen, mächtige Bilder, Goslar im Glück. Mehrere Drehorte und all diese Sonderwünsche dieser Filmleute: Kräuter mussten ausgesät werden und Balken in einem Gasthof umdekoriert, alles, damit es irgendwie nach Goslar am Kriegsende aussah, nach großem Kino.

Der Kellner nahm das Messer

Dann kam der Hammer. Premiere in Berlin auf der Berlinale. Wieder große Aufregung in und um Goslar. Wie sah man aus im großen Streifen? Prächtige Bilder, gut weggekommen? Sektkorkenknallen beim örtlichen Fremdenverkehrsverein? Ach, es kam ganz anders. Lange Gesichter! Harzer Groller! Alles rausgeschnitten. Keine 2000 Komparsen. Nur noch Restspuren von Goslar und Harz, die Stadt fiel der Kunst der filmischen Verdichtung und Weglassung zum Opfer.

Man könnte meinen, Clooney sei gar nicht dagewesen und das Ganze in einem Studio gedreht. Aber es gibt Beweise: Auf der Steinberg-Alm, in einem Gasthof, hat er angeblich Schnitzel gegessen. Wirtstochter Franziska Rösner hat sich das Stuhlkissen mit nach Hause genommen, auf dem Clooney saß. Und Kellner Jürgen Dammann das Messer, das, von Clooneys Hand gehalten, Schnitzel mundgerecht zerteilte. Jetzt gibt es dort sogar den Clooney-Teller auf der Speisekarte.

Bill Murray war zwar auch da. Aber von dem wollte wohl keiner nichts. Kein Haar oder eine zerkrunkelte Serviette oder Reste von Panade. Über den wunderbaren Bill Murray redet und trauert keiner in Goslar. In Berlin wurde er umso mehr gefeiert.

Dabei passt Bill Murray deutlich besser nach Goslar als Clooney. Murray stammt aus Wilmette, Illinois, was so ähnlich wie Goslar ist, nur halb so groß und ohne Verkehrsgerichtstag. Außerdem sieht Mr. Murray heute schon so aus wie Mr. Gabriel in zwölf Jahren.