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Gema-Nebel: Plötzlich wird alles billiger?

Man mag der Gema manches vorwerfen, langweilig wird es mit ihr nie. Gestern verbreitete sie, also die Gesellschaft für musikalische Aufführungsrechte, sie habe sich über Vergütungen im Diskotheken- und Clubbereich geeinigt. Donnerwetter! Monatelang berichten wir darüber, dass sich Clubs, Diskotheken, Varietés und Musikkneipen von Konkurs bedroht sehen, wenn die Gema ihre Forderungen über Abgabensteigerungen von rund 500 Prozent durchsetzt, ein Clubsterben würde die Hauptstadt lahmlegen, und dann wird sich in aller Stille geeinigt?

Hat die Gema nachgegeben? Oder haben die Clubs mit ihren Protestresolutionen nur wilde Sau gespielt, heimlich aber gewusst, dass die Forderungen doch berechtigt sind?

Das sind so Fragen. Die Pressemitteilung verrät, mit wem genau sich die Gema geeinigt hat, es sind drei Vereine, darunter der Verband Deutscher Musikschaffender. Wer ist das? Wen vertritt er? Wie viele Mitglieder? Das kann dort auf Nachfrage niemand sagen, denn der Chef Klaus Quirini sei unterwegs nach Berlin zur Pressekonferenz der Gema. Klaus Quirini, „der erste deutsche Disc-Jockey weltweit“, wie er sich auf seiner Website nennt, ist also nicht zu erreichen und jemand anders ist nicht befugt, Informationen herauszugeben.

Die Verwirrung ist komplett

Einigung erfolgte auch mit der DDO (Deutsche Disc-Jockey Organisation) und der DDU (Deutsche Diskotheken Unternehmer). Die DDU verkündet auf ihrer Website: „Gema senkt die Abgaben für Diskotheken! Die DDU klärt auf! Gema-Abgaben für Diskotheken jetzt 7,87 Prozent billiger!“ Nein, das ist kein Scherz, das steht so auf der Homepage. Über die DDU gewähre die Gema 20 Prozent Rabatt, die DDU aber könne auch Kooperationspartner empfehlen, bei denen es bis zu 33 Prozent Rabatt gebe.

Ach so ist das. In Wahrheit geht es darum, weniger Geld an die Urheber von Musik zu überweisen? Das wussten die anderen Clubs, Diskotheken und Varietés doch nicht, bei ihnen hat sich das neue Tarifmodell immer ganz anders angehört. Oder hat da jemand etwas falsch verstanden? Wir wissen es nicht, es gibt keinen Ansprechpartner. Denn hinter den Verbänden VDM, DDU und DDO stecken immer dieselben zwei Personen: Klaus Quirini und Udo Starkens – und noch eine Quirini Group, wohl auch benannt nach dem ersten Disk-Jockey weltweit.

Die Nachricht der Gema müsste also heißen, sie habe sich mit den Quirinis geeinigt. Zur Orientierung: Die DDU vertritt nach eigenen Angaben 300 Mitglieder. Die Bundesvereinigung der Musikveranstalter spricht für 150.000 Mitglieder. Für diese 150.000 Clubs, Diskotheken, Varietés und Musikkneipen ist keine Einigung in Sicht.


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