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Grönemeyers neues Album: Grönemeyer stellt neues Album vor Aus vollem Herzen

Grönemeyer

Das 14. Studioalbum Grönemeyers erscheint am 21. November.

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dpa

Da ist er wieder. Dreieinhalb Jahre nach „Schiffsverkehr“ legt Herbert Grönemeyer ein neues Album vor. „Dauernd jetzt“ heißt es, ein Titel der paradoxen Art, wie der Meister des Großgefühls sie liebt. „Deutschlands größten Künstler“ hat Frank Briegmann, der Universal-Boss, den Sänger am Dienstagabend zur Begrüßung im Berliner Lokal „Grill Royal“ genannt. Das liegt an der Friedrichstraße, in der Hauptstadt schicker, neuer Mitte. Und natürlich gibt es auch Champagner.

Die Plattenfirma freue sich sehr, mit Grönemeyer zusammenzuarbeiten, sagte Briegmann und fügte salopp hinzu, dass man dafür die Emi habe übernehmen müssen (bei der der Deutschrock-Star früher unter Vertrag war), sei „eine andere Geschichte“. So muskulös klingen Manager heutzutage.

Verbeugung vor vor Bob Dylan

Und wie klingt Grönemeyer? Herzaufreißend wie immer, lebensfroh und energisch. Er ist ja stets ein hibbeliger, dynamischer Typ gewesen, nun aber scheint er, bei aller wesenseigenen Motorik, die eigene Mitte mehr als Ort des Wohlfühlens denn des Bauchgrimmens zu begreifen. So schließt „Dauernd jetzt“ im Tonfall an das 1998 produzierte Album „Bleibt alles anders“ an - musikalisch sowieso, aber auch gedanklich.

„Stell’ die Uhr auf Null, wasch’ den Glauben im Regen. Die Sintflut ist verebbt, die Sünden vergeben. Kein Ersatz, deine Droge bist du“, hieß es damals im Titelsong. Jetzt singt Grönemeyer in „Wunderbare Leere“ davon, er wolle gar nicht wissen, was morgen auf ihn zukommt, „wenn der harte Regen auf mich fällt“. Da verbeugt er sich vor Bob Dylans großem Lied „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“, musikalisch gehört Grönemeyers Stück, das zweite auf dem Album, ebenso wie das eröffnende „Morgen“ in die Kategorie der Stadionheuler: Sehr schön gemacht, liebevoll, bei aller Routine, die solch ein langes Leben als Werktätiger in der Rock’n’Roll-Fabrik eben mit sich bringt. „Morgen“ hat einen Hauch von Springsteen aus besseren Tagen, selbst einem treibendes „Yeah“ lässt Grönemeyer gezielt freien Lauf.

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Das Album ist fein komponiert - auch, was die Mischung betrifft: Hymnen werden von Liebesliedern und Denkstücken abgelöst, alles passt ganz famos. Die Fans werden es mögen. Es wäre also ein Wunder, würde Grönemeyer, eines von Frank Briegmanns besten Pferden im Stall, nicht bald nach dem Start am Freitag in die Spitzengruppe oder gleich auf die Nummer Eins der Charts galoppieren. Und die Tour zur Platte wird natürlich im kommenden Jahr folgen.

Tatsächlich sind Grönemeyer wieder einige bemerkenswerte Songs gelungen, die Lyrik des inzwischen 58-Jährigen bewegt sich auf dem vertrauten Gelände von Innigkeit, Poesie und gelegentlicher Kuriosität. Aber, und das ist neu: Grönemeyer, der immer verstanden werden wollte, ist nun auch wirklich zu verstehen, endgültig vorbei die Zeit der vernuschelten Verse.

Den ersten beiden Liedern, die das Publikum ordentlich anwärmen sollen, folgt „Uniform“, ein Weltanschauungsstück zum Thema Privatsphäre, Individualität und Online-Hysterie: „Keiner braucht ein drittes Auge, das nicht von ihm weicht“, heißt es darin. Gleich darauf folgt „Fang mich an“, eine Liebeserklärung, wie nur Grönemeyer sie liefern kann: „Du holst den Wind zum Trocknen rein. Wo Du nicht bist, will ich nicht sein“.

Lieben sein großes Thema

Überhaupt ist das Lieben sein großes Thema. Er werde immer komponieren, wie er immer küssen werde, sagt Grönemeyer später, als die Musik verklungen ist. Seinen empathischen Lobgesang auf den Weltmeistertrainer („Der Löw“) werden die Fußballfans zu schätzen wissen, das kritisch-liebevolle Bekenntnis zur Heimat („Unser Land“) hat schon allein wegen eines indirekten Dichter-Zitates Wohlwollen verdient. „Wir mögen es wie andere Leute ihrs“, singt er da. „Und das liebste mag’s uns scheinen, so wie andern Völkern ihrs“, heißt es in der „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht.

Ein gelungenes Album, das zwischen Rock- und Elektro-Sounds pendelt, am Ende remixt Grönemeyer „Fang mich an“ zu einer hübschen, discotauglichen Tanzversion. Und immer hat er sein Herz in der Hand („Ich lieb mich durch“), das schönste Stück kommt ziemlich weit hinten: In „Neuer Tag“ erinnert er sich an ein tiefes, nicht endendes Gefühl. Das gilt wohl seiner Frau Anna, die 1998 gestorben ist. (mz)

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