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Gründungsintendanz des Humboldt-Forums enttäuscht bei der Premiere

HumbodtForum

Baustelle vom Berliner Stadtschloss, dem Humboldtforum.

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dpa

Es ist ein seit langem mit Ungeduld erwarteter Termin. Nach vierzehn Jahren – so lange ist es her, dass der Bundestag der wolkigen Idee eines Weltmuseums im Humboldt-Forum zugestimmt hat – soll die Gründungsintendanz desselben bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt Schluss machen mit Andeutungen.
Was erwartet den Besucher ab 2019 auf den vier Ebenen des Schloss-Nachbaus inmitten Berlins? Eine Antwort darauf erhofften sich zumindest die etwa dreißig Journalisten, die am Mittwochmorgen in die Humboldt-Box neben der Baustelle geladen waren. Man ahnt es: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt.

Im Grunde muss das nicht verwundern. Der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters berufene und von ihr geradezu als Wundermacher überhöhte Museumsmann Neil MacGregor ist seit Anfang des Jahres im Amt – und das auch nur in Teilzeit für jeweils zehn Tage pro Monat. Es wäre geradezu vermessen, nach dreizehn Jahren konzeptionellen Nichtstuns nun nach etwas über zwanzig Arbeitstagen von dem Kunsthistoriker einen erlösenden Rundumschlag zu erwarten.

Neil MacGregor: Der renommierte Kunsthistoriker ist seit Anfang 2016 neuer Gründungsintendant des Humboldt-Forums.

Neil MacGregor: Der renommierte Kunsthistoriker ist seit Anfang 2016 neuer Gründungsintendant des Humboldt-Forums.

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dpa/Arno Burgi

Eingerahmt von seinen Intendanzkollegen – Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Herr über die Dahlemer Museen, welche die oberen zwei Etagen des Schlosses beziehen werden, sowie Horst Bredekamp, Kunsthistoriker der Humboldt-Universität, der neben Preußenstiftung und Stadt Berlin dritten Nutzerin – erzählt der Schotte MacGregor historisch Interessantes über die Humboldt-Brüder und die Museumsinsel, aber nichts substanziell Neues zum Projekt Humboldt-Forum. Seine Kollegen tun es ihm gleich.

Mehr Mut, bitte

Nur Paul Spies, Leiter des Stadtmuseums und verantwortlich für den Auftritt Berlins im Humboldt-Forum, plaudert erfrischend offen, fast detailreich. „Es muss EINE Geschichte geben, die sich wie eine Kette durchs Haus zieht.“ Dazu würden sich Leben und Schaffen der Humboldt-Brüder anbieten. Auch spreche man über ein gemeinsames Foyer, gemeinsames Ticketing. „Aber auch ich werde jetzt nicht konkret werden, das wäre nicht kollegial“, sagt er am Ende. Und freundliche Kollegialität scheint zwischen den vier Männern zu herrschen.

Durch das Fenster hinter ihnen sind die Arbeiter zu sehen, die geschäftig auf der 500-Millionen-Euro-Baustelle werkeln. Die Symbolik ist bestechend: Mit der Hülle geht es stetig voran, während der künftige Inhalt nach wie vor mit Fragezeichen behaftet ist.

Bei allem Verständnis für die noch sehr kurze Bestandszeit der mit so viel Vorschusslorbeeren bekrönten Intendanz ist nicht zu verstehen, warum sie ihre Aufgabe nicht mutiger angehen. Man müsse sich mit „Gegebenheiten abfinden“, sagt etwa Hermann Parzinger. Gehören dazu auch die einst für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) gedachten Podeste in der Beletage? Seit Berlin auf seinen 4000 Quadratmetern lieber sich selbst unter dem Arbeitstitel „Welt.Stadt.Berlin.“ darstellen möchte, sind sie nutzlos. Warum also die Stahlträgergerippe, die den Blick auf den Lustgarten zerschneiden, nicht ausbauen? Auch die ethnologische Bibliothek ist seit dem Wegfall der ZLB ein Fremdkörper. In Dahlem, wo genügend Räume frei werden, wäre sie besser aufgehoben.

Womöglich ist diese Art von Mut nicht erwünscht. Das Wort „Zeit- und Kostenrahmen“ scheint derartige Initiativen zu ersticken. Das hat seine Berechtigung. Muss man aber dennoch an offensichtlich Unsinnigem festhalten?

Es scheint Nervosität im Staatskulturministerium zu herrschen. Die neu gegründete Humboldt-Forum Kultur Betriebs GmbH wird an einer sehr kurzen Leine geführt. Wie sonst ist die Anweisung aus Grütters Haus zu werten, die Veranstaltung sei als „Treffen unter Zweien“ zu verstehen, was im Pressejargon bedeutet, es darf nichts zitiert werden. Radiojournalisten mussten ihre Mikrofone in der Tasche lassen. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Das fanden wohl auch die sichtlich irritierten Intendanten, die einer Freigabe des von ihnen Gesagten nach zwei Stunden Gespräch zustimmten.

Gleich am Tag eins nach der Berufung der Berliner Kulturmanagerin Lavinia Frey als Geschäftsführerin der Betriebs GmbH zeigt sich somit, dass der Bund als Geldgeber die konzeptionelle Arbeit eng mitbestimmen will. Das aber ist nicht seine Aufgabe. Die besteht darin Strukturen zu schaffen und die Finanzierung zu sichern. Da liegt einiges im Argen. Ende vergangenen Jahres musste der Haushaltsausschuss des Bundestages zwei Millionen Euro Soforthilfe bewilligen, damit die Umzugsvorbereitungen der Museen überhaupt beginnen konnten. Nun muss Monika Grütters im Haushalt 2017 für eine Finanzierung sorgen, mit der das Vorzeigeprojekt den formulierten Ansprüchen genügen kann. Daran wird sie gemessen werden.