Neuer Inhalt

Hauptstadtkulturfonds: Schwabinggrader Ballett von Förderliste getilgt

Die Schwabinggrad Ballett auf Kampnagel in Hamburg auf, wo gegen deren Leiterin Amelie Deuflhard Strafanzeige gestellt wurde, weil sie Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen hat.

Die Schwabinggrad Ballett auf Kampnagel in Hamburg auf, wo gegen deren Leiterin Amelie Deuflhard Strafanzeige gestellt wurde, weil sie Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen hat.

Foto:

iamgo

Ein bedauerlicher handwerklicher Fehler, ein Vertrauensbruch oder gar vertuschte Zensur? Irgendwo dazwischen ist der Vorgang anzusiedeln. Es geht um den Hauptstadtkulturfonds und die für 2015 zu fördernden Kulturprojekte. Eines ist nun von der Liste, die die Senatskanzlei am 18.12. herumschickte, verschwunden: das Schwabinggrader Ballett der Unbilligen, das „Chöre der Angekommenen“ im Hebbel am Ufer präsentieren wollte und mit einer Fördersumme von 60.000 Euro verzeichnet war.

Um Fördergeld zu bekommen, muss man erst einmal zwei Hürden schaffen: 1.) einen Antrag stellen und 2.) von der sechsköpfigen Jury zur Förderung empfohlen werden. Die Vorschläge reicht der Kurator Joachim Sartorius dann 3.) zum Abhaken an den Gemeinsamen Ausschuss für den Hauptstadtkulturfonds (GA) weiter, der laut Auskunft der Senatskanzlei nur die rechtliche und praktische Umsetzbarkeit prüft. Ausschussvorsitzender ist der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller, die weiteren Vertreter sind Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Kulturstaatssekretär Tim Renner und Ministerialdirektor Günter Winanda.

Nun rumort es in der Jury. Ihr Vorschlag wurde nicht nur abgelehnt, was schon erklärungsbedürftig genug gewesen wäre. Besonders beachtenswert ist die Tatsache, dass diese Ablehnung nicht kommuniziert wurde. Es handelt sich bei dem Schwabinggrader Chor nicht etwa um irgendwelche Anarchos, sondern um bekannte Künstler, die sich immer mal wieder zu einem Netz zusammenschließen und auf aktuelle Themen wie Flüchtlingspolitik reagieren. Zuletzt traten sie megaphonverstärkt auf Kampnagel in Hamburg auf, gegen deren Leiterin Amelie Deuflhard Strafanzeige gestellt wurde, weil sie Flüchtlinge in ihrem Haus aufgenommen hat.

Es liegt der Verdacht nah, dass dem GA das Ballett in den AfD- und Pegida-aufgeheizten Zeiten zu brisant ist. Schließlich wurde der Fonds ja gerade dafür kritisiert, dem Zentrum für politische Schönheit 100 000 Euro zugeschustert zu haben für die Mauerfall-Aktion, bei der die Künstler die Berliner Mauerkreuze ausgeliehen und an die Grenzen Europas geschafft hatten, die sie einzureißen gedachten. Das stand so natürlich nicht im Antrag. Wenn der GA (unter seinem neuen Vorsitzenden Müller) dahingehende rechtliche Bedenken gegen das Schwabinggrader Ballett hegt, wäre es sein Recht gewesen, den Jury-Vorschlag abzulehnen. Es ist aber nicht sein Recht, die Jury zu diskreditieren, indem er ihr diese feige Entscheidung zuschiebt. Offenbar ist sie dem GA selbst peinlich. Für Deuflhard wäre das ein Grund für einen geschlossenen Rücktritt der Jury.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?