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Berliner Zeitung | Horrorfilm „Zimmer 205“: Grusel mit Studenten
04. April 2013
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Horrorfilm „Zimmer 205“: Grusel mit Studenten

Offenbar ist sie nicht allein: Katrin (Jennifer Ulrich).

Offenbar ist sie nicht allein: Katrin (Jennifer Ulrich).

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KATHARINA SIMMET © Neue Schönhauser Filmproduktion

Das Internet ist voll mit Toten, wenn man nur danach sucht. Im Film haben wir uns daran gewöhnt. Gruselig wird es, wenn sich die Verstorbenen von selbst melden, wie es der Erstsemester-Studentin Katrin (Jennifer Ulrich) geschieht: Frisch im Wohnheim eingezogen, hat sie auch schon Post. Entweder ist ihre Vormieterin, die unter mysteriösen Umständen verschwand, trotz allem Geraune also keineswegs tot. Oder das soziale Netzwerk ihrer ohnehin merkwürdigen Uni ist ein Medium der ganz besonderen Art und verschickt Freundschaftsanfragen aus dem Jenseits.

„Zimmer 205 – Traust du dich rein?“ holt junge Leute da ab, wo sie sich angeblich sowieso meist aufhalten: Es geht um geheime Netzidentitäten und die Gefahren einer digital ausgelebten Sexualität. In seinen Videopostings inszenierte sich das vermisste Mädchen als verruchtes Betthäschen. Sowas kommt von sowas!

Unterkomplexe Charaktere und hirnrissige Dialoge

Leider ist die große Julia Dietze (u. a. „Iron Sky“) mit dieser kleinen Rolle der einzige Lichtblick in einem deutschen Horrorfilm von der Stange. Die ganz normalen paranormalen Aktivitäten nehmen darin ihren vorhersehbaren, arg simplen Verlauf: Katrin, durch den Selbstmord der Mutter psychisch vorbelastet und trotzdem naiv wie sonst wer, fällt auf jede Anmache rein; sie nimmt Ecstasy von Wildfremden an und steht sogleich unter Mordverdacht – um sie herum sterben die Kommilitonen wie die Fliegen.

Wir wissen um das fiese Monstermädchen, das hier herumgeistert und offenbar Rache nimmt, doch am Pranger steht Katrin. Nun, junge Leute können grausam sein und dumm. Dennoch haben sie mehr verdient als solche unterkomplexen Charaktere und hirnrissigen Dialoge, wie sie uns Rainer Matsutanis Film vorsetzt. Schade ist das, weil der Experte in Sachen Teenager-Exploitation („Gangs“) visuell ordentlich arbeitet und die Spannung durchaus zu steigern vermag.

Auch ein gewisser Trash-Faktor ist nicht zu verhehlen. So sterben alle Opfer auf dieselbe dämliche Art – ihr Kopf findet zielsicher den einzigen Nagel im Raum. Zu den wenigen Regieeinfällen gehört außerdem das ulkige Kojak-Hütchen, das der Qualitätsschauspieler André Hennicke in einem irrlichternden Auftritt als Kommissar Zufall durch die Szene trägt. Immer wieder fragt man sich vergnügt, ob hier vielleicht noch jemand anderes als Katrin seine Medikamente abgesetzt hat. Sie wird zusehends irre.

Der daraus resultierende Horrorplot um Wahn und Wirklichkeit funktioniert freilich deshalb, weil er schon so oft funktioniert hat. Vielleicht, das wäre die Hoffnung, tut es ja das junge Publikum irgendwann der Heldin gleich und macht sich an die Ausgrabung alter Leichen. Das dänische Original des Films wäre zu finden, aber besser noch der japanische Klassiker „The Ring“, der seit seinem Erscheinen vor fünfzehn Jahren geplündert wurde wie kein anderer. Folgt dem Grabesruf des toten Mädchens! Denn hier, nicht im Internet, lauert die Wurzel allen Übels, im Guten wie im Bösen.

Zimmer 205 – Traust du dich rein? Deutschland 2011. Regie: Rainer Matsutani, Kamera: Jan Fehse, Darsteller: Jennifer Ulrich, Julia Dietze, Inez Björg David u. a.; 100 Min., Farbe. FSK ab 16.


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