15.12.2011

Humboldt-Forum: Labore für kleine Brötchen

Von Nikolaus Bernau

„Humboldt-Labor“, das ist ein Aufklärungsversprechen. Applaus also für die Kulturstiftung des Bundes, die dies Wagnis eingehen will.

Labor klingt immer gut. So wissenschaftlich, sauber, kreativ und sachlich. Allenfalls radikale Tierschützer kriegen bei dem Wort Anfälle. Aber selbst sie werden wohl besänftigt, wenn das Labor nach den Brüdern Humboldt benannt ist. Haben die doch im 19. Jahrhundert in Berlin die Grundlage gelegt für moderne Forschungsuniversitäten und Forschungsmuseen. „Humboldt-Labor“, das ist ein Aufklärungsversprechen.

Applaus also für die Kulturstiftung des Bundes, die dies Wagnis eingehen will. Auf Initiative von deren künstlerischer Direktorin, Hortensia Völkers, und des Kurators Martin Heller finanziert sie dem Berliner Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst in den nächsten vier Jahren die Humboldt-Labore. Gut vier Millionen Euro sollen dazu dienen, mit Probeausstellungen, Debatten und Forschungsprojekten das auf dem Schlossplatz geplante Humboldt-Forum vorzubereiten. Die Labore sollen in gewissem Rahmen jene von Martin Heller koordinierte Agora vorwegnehmen, die bisher eher ein Mythos geblieben ist. In ihr wollen sich die Museen, die Bibliotheken und Universitäten zusammenfinden, um den Anschluss an die Gegenwart zu suchen (s. BLZ vom 13. 12.). Die Agora ist also, wie Heller sagte, eher ein Anspruch als ein Ort. Um damit aber Erfolg zu haben, so Heller – der am Mittwochnachmittag seine Konzepte auch dem Kulturausschuss des Bundestags vorstellte – brauche es eine „Probebühne“ in Dahlem: „Es ist Zeit, die fatale Dichotomie zwischen Fassade und Inhalt des Humboldt-Forums zu überwinden.“

Die Bedeutung, die der Bund dem Projekt Humboldt-Forum beimisst, zeigt sich an der Fördersumme: Die Labore erhalten etwa eine Million Euro im Jahr, alle anderen 38 Förderprojekte zusammen 5,43 Millionen Euro. Das Spektrum reicht dabei von Initiativen, die sich mit der aktuellen Entwicklung der muslimischen Welt und der Afrikas beschäftigen, über die Berlin Biennale und das Theatertreffen in Berlin bis zu einem „Requiem für Auschwitz“. Es soll unter anderem in Bukarest und Budapest an die dort ermordeten Sinti und Roma erinnern, wo deren Diskriminierung bis heute zum Alltag gehört.

Festgeschraubtes

Die Humboldt-Labore werden nicht nur mit dem Geld der Kulturstiftung, sondern auch mit den Personalreserven der Staatlichen Museen betrieben. Ein Beirat wird darüber wachen, dass die Gelder kein Ersatz für mangelnde Betriebsmittel sind. Doch dürfen die Labore wirklich frei forschen und debattieren? Heller: „Ich baue erst einmal auf das, was festgeschraubt ist.“ Dazu gehört allerdings auch der kritisierte Ausschluss des Museums Europäischer Kulturen aus dem Humboldt-Forum, also dessen Konstruktion als Haus nur für außereuropäische Kulturen. Oder die Zweiteilung der Sammlungen mit islamischer Thematik im Humboldt-Forum und im Pergamonmuseum. Oder das oft kulturhistorisch-ethnologische oder kunsthistorisch-ästhetische Selbstverständnis mancher Museumsleute.

Hortensia Völkers erinnerte an die aufsehenerregende „Tropen“-Ausstellung, die vor einigen Jahren diese Grenzen überwand. Doch in den Museen selbst habe das zu fast keinen Änderungen geführt: „Nur mit dem Backen kleiner Brötchen kann man dort etwas grundsätzlich ändern.“ In den Laboren eben.

Übrigens: Dass die Zentral- und Landesbibliothek und die Humboldt-Universität, die anderen Partner im Humboldt-Forum, bisher außen vor blieben bei der Planung der Labors, begründet Heller damit, dass es einfacher gewesen sei, mit den Museen der Preußen-Stiftung zu verhandeln. Wir wünschen viel Geduld mit den betonharten Berliner Strukturen.

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