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Humboldt-Forum: Millionen Mehrkosten fürs Berliner Schloss

So soll es später aussehen: Das Schloss in einer Computersimulation.

So soll es später aussehen: Das Schloss in einer Computersimulation.

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Förderverein Berliner Schloss, Eldaco

Nun also doch. Kaum hat sich Manfred Rettig von seinem Posten als oberster Wächter der Schlossbaustelle in Berlin vorzeitig in den Ruhestand verabschiedet, ist in ersten Presseberichten von steigenden Kosten die Rede. Der Wiederaufbau des Stadtschlosses soll angeblich schon in diesem frühen Stadium – die Eröffnung soll im Herbst 2019 sein – mehr kosten als die vom Bund hierfür vorgesehenen 590 Millionen Euro. Ist die Baustelle doch nicht so vorbildlich wie sie von den Verantwortlichen stets dargestellt wurde?

Erstmals sei von derartigen Schwierigkeiten in der letzten Sitzung des Stiftungsrates im Jahr 2015 die Rede gewesen, antwortete Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner auf eine entsprechende Frage der Piraten-Fraktion im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses. Dabei sei ein Bericht der Stiftung zur Sprache gekommen, in dem von Schwierigkeiten auf der Baustelle die Rede war. Manfred Rettig, der bis vergangene Woche für den Bau verantwortliche Vorstand, konnte an dieser Sitzung nicht teilnehmen, er hatte einen Flug verpasst. Die Fragen der Stiftungsratsmitglieder blieben unbeantwortet – und das, wie Renner sagte, bis heute. Das nächste Zusammentreffen des Gremiums in der vergangenen Woche dann war vom Rücktritt Rettigs dominiert. Wieder konnten die Fragen nicht beantwortet werden.

Üppiges Risikopolster

Doch Probleme gibt es. Im „Bericht zum Sachstand der Baumaßnahme Berliner Schloss – Bau des Humboldt-Forums“, den das Bundesbauministerium am 10. Dezember dem Bauausschuss des Bundestags übersandt hatte, ist von Kostensteigerungen in Millionenhöhe die Rede. „Aufgrund der mangelhaften Ausführungsplanung der Gebäudetechnik sind seit November 2014 Risiken in Höhe von 6,2 Millionen Euro eingetreten“, steht dort zu lesen. „Das bewegt sich aber im Rahmen der Risikovorsorge, sodass die Kostenobergrenze bis heute nicht überschritten wurde“, wiegelte der im Bauministerium zuständige Staatssekretär Florian Pronold (SPD) der Agentur dpa zufolge jegliche Bedenken ab.

Anders als etwa das Land Berlin für die Sanierung der Staatsoper, hat der Bund für den Bau des Humboldt-Forums einen Risikopuffer von 29,9 Millionen Euro eingeplant. „Wir sind mit dem Berliner Schloss voll im Zeit- und Kostenrahmen“, wiederholte Pronold denn auch Rettigs Mantra. Eine derzeit nicht zu widerlegende Aussage. Und sicher mit ein Grund für Renners Verblüffung darüber, dass „der Lotse (Rettig) von Bord geht, wenn Klippen kommen könnten“.