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Hypermoderne: Das Ende der Arbeit. Eine Vision

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Eigenhufe

Auf dem Weg in die Zukunft startete der englische Ingenieur Adrian Bowyer 2005 ein Projekt namens RepRap („Replicating Rapid-Prototyper“). Bowyer wollte eine Maschine bauen, die ihre eigenen Ersatzteile produzieren und sich schließlich selbst reproduzieren kann. Im September 2006 druckte die Version RepRap 0.2 erfolgreich das erste Teil ihrer selbst. Waren es anfangs nur statische 3D-Drucker, deren vervielfältigte Einzelteile noch von Menschen zusammengesetzt werden mussten, so wurde die Maschinenproduktion im Lauf des nachfolgenden Jahrzehnts zunehmend autonom. Im März 2015 nahmen die ersten Roboter, die in der Lage waren, Roboter zu bauen, die Produktion auf.

Eine Utopie schien Wirklichkeit zu werden. Schon die alten Ägypter hatten sich darum bemüht, die Last der Arbeit abzulegen. Da nach ihrer Vorstellung auch noch im Jenseits gesät und geerntet werden musste, gaben sie den Verstorbenen magische Puppen bei, die sogenannten Uschebtis. Sie sind mit Aufrufen beschriftet, bestimmte Arbeiten für den Verstorbenen zu erledigen und ähneln auf verblüffende Weise modernen Computeranweisungen. Die Idee des programmgesteuerten Roboters ist also nicht so neu.

Mit Maschinen, die sich selbst bauen, warten und reparieren konnten, sollte niemand mehr arbeiten müssen. Man könnte die pure Produktivität dieser sich reproduzierenden Roboter – „Repoter“ – der Allgemeinheit zukommen lassen und das Geld abschaffen. Eine staatlich gehegte autonome Industrieproduktion wäre so etwas wie ein volkswirtschaftliches Perpetuum Mobile. Dazu kommt, dass Roboter natürlich viel zuverlässiger agieren würden als wir.

Mahner hatten aber davor gewarnt, dass die Maschinen sich nicht nur auf unvorhersehbare Weise selbstständig machen, sondern auch über ihre menschlichen Bauherren erheben könnten (wie in Stanislaw Lems Roman „Der Unbesiegbare“, in dem ein Expeditionskorps einen Planeten entdeckt, auf dem eine Roboterpopulation alles organische Leben vernichtet hat, da es Feuchtigkeit enthält, die für Wesen aus Metall eine bedrohliche Gefahr darstellt: Rost!).

Vertreter der sogenannten Harten Künstlichen Intelligenz wie Hans Moravec verfochten die gegenteilige Position und fieberten einer postbiologischen Ära entgegen, in der die Roboter − als die zukunftstauglicheren Wesen − die Stafette der Evolution vom Menschen übernehmen sollten (und die Maschinen sich dann wohl ebenso schämen würden, vom Menschen abzustammen, wie es dem Menschen peinlich ist, vom Affen herzukommen).

Die Realität sah anders aus. Staatliche Stellen erwiesen sich aus verschiedenen Gründen stark gehemmt, eine volkseigene Roboterproduktion zu initiieren und damit nicht nur die gesamte Industrieproduktion, sondern auch alle weiteren robotisierbaren Bereiche von Unterhaltung und Bildung bis Gesundheit und Pflege auf radikale Weise in die Hand zu nehmen. Also ergriffen Unternehmen, Konzerne und andere privatwirtschaftlich agierenden Organisationen, nicht zuletzt die Mafia, die Initiative.

Billigproduktion fand nun nicht mehr in Bangladesch statt, sondern die outgesourcten Jobs kamen wieder zurück nach Hause, wo sie von autonomen Robotern konkurrenzlos billig erledigt wurden. Diese Arbeitermaschinen übten massiven Druck auf Produktpreise und auf die Löhne der verbliebenen Industriearbeiter aus. Mit dem 3D-Druck hatte man noch darauf gesetzt, dass geringere Kosten einer eigenen Warenproduktion auch ein geringeres Einkommen wettmachen würde. Ein Roboter-Slogan aus dem Jahr 2016 lautete „Billiger als geschenkt!“ und markierte das Ende der Arbeiterklasse. Sie verschwand, so wie die Schriftsetzer in den 1980er Jahren verschwunden waren.

Die Roboter sorgten dafür, dass die Grundbedürfnisse der Menschenmassen gestillt wurden und niemand sich allzu sehr daran störte, in der netten Version eines bewachten Lagers untergebracht zu sein. Die durch und durch geordnet und klar, aber uninspiriert vorgehenden Maschinen hatten für die Menschen noch eine letzte Aufgabe vorgesehen: Sie müssen nur noch ein wenig fruchtbares Chaos ins System bringen, ein Phänomen, dessen Nützlichkeit auch die Roboter erkannt haben.