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Berliner Zeitung | Interview: "Mohammed hat Gewalt gelehrt und ausgeübt"
07. March 2016
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Interview: "Mohammed hat Gewalt gelehrt und ausgeübt"

Sabatina James

Sabatina James sagt:  „Einen demokratischen Islam bekommt man nicht durch das Leugnen der existierenden Gewalt.“

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Sabatina e.V.

Sabatina James ist nicht ihr richtiger Name. Zwar tritt die 33-jährige pakistanisch-österreichische Menschenrechtsaktivistin, Publizistin und Islamkritikerin unter diesem Pseudonym öffentlich auf, etwa im Fernsehen, persönliche Informationen aber behält sie für sich. Der E-Mail-Verkehr läuft über Dritte und wer mit Sabatina James telefonieren möchte, muss auf ihren Anruf warten. Die Nummer ist unterdrückt, ihr Aufenthaltsort geheim.

„Scharia in Deutschland“, heißt ihr aktuelles Buch. Das klingt nach Kraftmeierei aus der rechten Ecke, nicht nach reflektierter Islamkritik.

Die Frage, ob die Scharia in Deutschland angekommen ist, stellt sich längst nicht mehr. Wir wollen die Realität nur nicht wahrhaben. Islamistische Gewalttaten werden verschwiegen und vertuscht, es gibt keine Statistiken. Da kann man leicht sagen: Ist ja nicht so schlimm.

Wie zeigt sich das in Deutschland?

Jeden Monat werden Frauen getötet im Namen der Familienehre. Über 3000 Mädchen suchen jedes Jahr Hilfe in Beratungsstellen, weil sie zwangsverheiratet werden sollen. Die Zahlen sind aus einer Studie des Bundesfamilienministeriums – und das sind nur die, die sich melden. Wagen die Frauen die Flucht, werden sogenannte Friedensrichter auf sie angesetzt. Werden sie aufgespürt, bleibt nur die Wahl zwischen Unterwerfung oder Tod. Diese Paralleljustiz existiert mitten in Deutschland. Den Frauen wird gesagt: Integriert euch. Tun sie es, droht ihnen das Gleiche wie Hatun Sürücü, die sterben musste, weil sie wie eine Deutsche gelebt hat.

Sie sagen, Islamkritik sei nur unter Polizeischutz möglich. Tausende Pegida-Demonstranten beweisen jede Woche das Gegenteil.

Die Morddrohungen dürfen nicht verharmlost werden. Seit Jahren lebe ich in einem Opferschutzprogramm. Für Menschen wie mich, die dem Islam den Rücken gekehrt haben, gilt die Todesstrafe nach der islamischen Rechtsschule. Ständig wird mir gedroht, offen auf der Straße oder schriftlich. Anderen Kritikern geht es nicht besser, Hamed Abdel-Samad hat von Islamgelehrten eine Hinrichtungs-Fatwa bekommen, Seyran Ates wurde angeschossen, Theo van Gogh wurde erstochen – den Drohungen folgen also auch Taten.

Können nur Nicht-Muslime den Islam gefahrlos kritisieren?

Auch für sie ist das nicht ohne weiteres möglich. Es ist wie ein Zwei-Fronten-Angriff: Unterwirft man sich der islamistischen Gewalt und verteidigt die Demokratie nicht mehr, hat man verloren. Wenn man aber Kritik übt, wird man als Nazi beschimpft und verliert ebenso. Das ist eine perfide Strategie.

Sie vereinfachen gnadenlos, setzen Muslime mit Islamisten gleich.

Es gibt auch demokratische Muslime, aber der Mehrheitsislam der islamischen Staatengemeinschaft ist nicht demokratisch, sondern islamistisch. Das ist weder eine Gleichsetzung noch eine Vereinfachung. Das sind die Tatsachen, die noch keiner widerlegen konnte und mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.

Versteht der Westen den Islam einfach nicht?

Ja. Der Islam ist die Scharia, sie regelt das ganze Leben, auf ihr beruht das Selbstbewusstsein der Muslime, das bessere System zu haben. Es gibt nur graduelle Unterschiede im Ausmaß der Gewalt und der Entrechtung. Das ist der Mehrheitsislam bis heute, deshalb kann die islamische Staatengemeinschaft, die OIC, das in ihre Menschenrechtserklärung schreiben.

"Wir haben ein völlig falsches Bild von islamistischen Gewalttätern."

Was besagt diese islamische Menschenrechtserklärung?

Zum Beispiel, dass Frauen nicht gleichberechtigt sein dürfen und Nicht-Muslime minderwertig sind. Davon haben die hiesigen Islamverbände sich nicht distanziert.

Sind das nicht Aussagen einzelner Hardliner?

Das hat die Gemeinschaft von 56 islamischen Staaten erklärt, nicht einzelne Fanatiker. Wir müssen den Islam so verstehen, wie Mohammed ihn gedacht hat und die islamische Staatengemeinschaft ihn bis heute bewahrt, nicht, wie wir ihn im Westen gerne hätten. Wir haben ein völlig falsches Bild von islamistischen Gewalttätern. Das sind keine Monster, das sind Menschen, die sehr ernsthaft glauben, was der Prophet gelehrt hat und was ihnen von den Mullahs gesagt wird. Sie wollen wirklich Gutes tun und Allah gefallen, sind sehr oft freundliche und hilfsbereite Menschen, die glauben, dass die Gewalt der Scharia etwas Gutes ist, um die Menschen auf den Weg Allahs zu bringen. Auch mein Vater ist ein liebenswerter Mensch, der versucht, nach den Regeln Mohammeds zu leben.

Sie entschuldigen ihn, obwohl er sie mit dem Tod bedroht?

Er ist nicht der Schuldige, sondern die, die ihn das gelehrt haben. Das hat mit dem zu tun, was die vier sunnitischen Rechtsschulen, die größte Glaubensrichtung im Islam, lehren. Mein Großvater ist Imam in Pakistan, ich selbst habe meinen Geschwistern den Koran auf Arabisch beigebracht. Ich lasse die Quelltexte, die islamische Staatengemeinschaft und Mohammed sprechen.

Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor sagt, die Islamkritik von Menschen wie Ihnen beruht auf persönlichen traumatischen Erlebnissen und falle daher so radikal aus.

Das ist doch kein Argument. Das ist Hetze gegen die Opfer. Man stelle sich vor, jemandem, der unter den Nazis gelitten hat, würde man sagen, er hat einfach schlechte Erfahrungen gemacht. Ich verstehe nicht, warum die Opfer so wenig Solidarität bekommen. Einen demokratischen Islam bekommt man nicht durch das Leugnen der existierenden Gewalt. Natürlich ist eine Reformation nötig, aber das geht nur durch eine ehrliche Debatte.

Wie soll das gehen, wenn Sie fordern, Muslime sollen sich von ihrem Religionsgründer lossagen?

Glauben Sie, dass ein Prophet, der ein neunjähriges Mädchen zur Ehefrau genommen hat, der gelehrt hat, dass Apostaten hingerichtet werden sollen, der Juden enthauptet hat, der zur Hinrichtung von Kritikern aufgerufen hat, als Vorbild im 21. Jahrhundert gelten darf?

Auch in der Bibel finden sich grausige Verbrechen.

Für das Christentum ist Christus maßgeblich und der hat weder Gewalt gepredigt noch ausgeübt. Sein Standpunkt ist Liebe und das höchste Gebot: Liebe Gott und Deinen Nächsten, wie Dich selbst. So betrachten wir heute die Bibel. Für den Islam ist Mohammed maßgeblich und der hat Gewalt gelehrt und ausgeübt, deswegen muss das reformiert werden.

Sie kritisieren Angela Merkels Flüchtlingspolitik vehement. Wieso?

Mit den Flüchtlingen kommen weitere Islamisten nach Deutschland. Wir holen uns eine rassistische, sexistische Ideologie ins Land, vermehren die Gegner unserer demokratischen Gesellschaft und wundern uns, wenn so etwas wie die sexuellen Übergriffe in Köln passieren. Manche Menschen, die vor dem Islamischen Staat geflohen sind, treffen hier mitunter auf die Gewalttäter, denen sie glaubten zu entkommen. Ich bin dafür, dass man die Opfer hier behält und die Täter zurück schickt, und zwar nicht nur diejenigen, die Gewalt praktizieren, sondern auch diejenigen, die sie lehren. Die Bereitschaft dazu gibt es bisher nicht. Wenn die Menschen aber das Gefühl haben, sie können bleiben, egal was sie machen, werden alle Integrationsbemühungen sinnlos bleiben.

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