08.11.2011

Interview: 25 Jahre durchgetrötet: die Bolschewistische Kurkapelle

Jürgen Kuttner gebürtiger Ost-Berliner des Jahrgangs 1958  − in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg.
Jürgen Kuttner gebürtiger Ost-Berliner des Jahrgangs 1958 − in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg. Der Hörfunk-, Fernseh- und Theaterschaffende gründete nicht nur die Bolschewistische Kurkapelle, die er 1996 verließ, sondern auch die Ost-Taz.
Foto: Paulus Ponizak
Berlin –  

Es gibt sie immer noch, heute sogar in doppelter Ausführung: die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot. Der Mitbegründer Jürgen Kuttner besinnt sich der Anfänge.

Es gibt sie immer noch, heute sogar in doppelter Ausführung: die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz-Rot. Sie spielte mit sozialistischem Liedgut und Anarchopunk in der Spät-DDR zum fröhlichen Untergang auf. Wir trafen den Mitbegründer, einstigen Manager und Ansager des Blasorchesters Jürgen Kuttner zum Gespräch.

Herr Kuttner, ein Vierteljahrhundert Bolschewistische Kurkapelle − das ist beständig für eine Schnapsidee. Das war keine Schnapsidee, sondern von Anfang an ernst gemeint. Meine Faszination für die Blasmusik war echt und tief und begründet.

Sie waren mit Ihrer Faszination offenbar nicht allein.

Nein, die Kapelle war ja nicht einmal meine Idee. Das ging zurück auf Rolf Fischer, genannt Cello, und Stefan Körbel, die von der Liedtheatergruppe „Karls Enkel“ kamen. Wir wollten auf politische Weise politische Musik machen. Mit Hanns Eisler im Mittelpunkt.

Wurde der nicht auch ohne Sie hoch- und runtergedudelt in der DDR?

Das war doch eklig. Wie diese großartige Musik bei den offiziellen Veranstaltungen in der DDR funktionalisiert und gar nicht mehr zur Kenntnis genommen wurde. Wenn bei einer Mai-Demonstration Eisler gespielt wurde, dann immer vom Ensemble der Nationalen Volksarmee „Erich Weinert“. Immer schön uff-ta-uff-ta-uff-tata an der Honecker-Tribüne vorbei. Das endete ja dann immer bei Big Helga.

Sie meinen die Unterhaltungskünstlerin Helga Hahnemann? Das war doch eine politische Demonstration.

Eben. Am Schluss wurde immer Lebensfreude ausgeteilt. Erst die rote Fahne, dann Volksfest, Bockwurst und dufte Musik.

Spielen Sie ein Instrument?

Nein, deshalb sollte ich den Manager und Ansager machen. Der schöne Ansatz war, unterschiedliche Leute zusammenzubringen vom Juristen bis zum Friedhofsgärtner. Das war dann auch von den musikalischen Fähigkeiten her sehr heterogen. Wenn einer nur zwei Töne konnte, hat er eben „döp dop döp dop“ gespielt, kann auf einer Tuba schon was hermachen.

Wie reagierten die Behörden auf Ihre Initiative?

Wir waren nicht „anti“, aber auch nicht gerade staatlich gefeiert. Die FDJ-Bezirksleitung, der damalige Kultursekretär Rainer Börner, hat einen guten Teil dazu beigetragen, dass wir uns gründen konnten. Die haben uns 1000 Mark gegeben oder so was, dass wir Noten vervielfältigen konnten. Dafür hatten wir unseren ersten Auftritt bei irgend so einem FDJ-Bezirksleitungstagungskulturkonferenzdingsdabums in der Kongresshalle am Alex.

1 von 2
Nächste Seite »
Anzeige
Berlinale-Dossier

Vom 9. bis 19. Februar wurde die Hauptstadt wieder zum Mekka für Cineasten aus aller Welt. Alle Filmkritiken, Gewinner und Bilder vom Roten Teppich finden Sie in unserem Festival-Dossier. mehr...

Anzeige
Anzeige
Neueste Bildergalerien Kultur
Galerie
Aktuelle Videos
Video zur Eugenides-Lesung
Ulrich Matthes auf der Bühne mit Jeffrey Eugenides und Jens Balzer.

Der amerikanische Schriftsteller Jeffrey Eugenides las aus seinem Roman „Die Liebeshandlung“ und hatte das Publikum sofort in seinen Bann gezogen. Doch dann begann auch die deutsche Übersetzung von Schauspieler Ulrich Matthes zu leuchten wie eine Kerze.  mehr...

Kinoprogramm
Alle Neustarts diese Woche: Alle Filme von heute: Alle Kinos:
Magazin
Weblogs
Die Blogs der Berliner Zeitung.

Anekdoten aus dem Hauptstädter-Alltag, Antworten auf Beziehungsfragen und Pop-Expertisen. mehr...

Meistgeklickte Artikel
In der Dahlemer Dienstvilla dürfte der Bundespräsident bald wohnen.
Präsidentenwohnung 
        

Fotoidylle: Eine Familie  in den 50ern unter dem Weihnachtsbaum.
Buch über Prügelstrafe 
Christian Wulff. Um 23.58 Uhr ging beim Bundeswehrkrankenhaus in Berlin-Mitte der Notruf ein.
Ex-Bundespräsident 
Facebook
Berliner-Zeitung.de auf Facebook
10 Staus mit einer Gesamtlänge von 32km
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
Anzeige
Webtipps
Freikarten für Berlin
Hol dir Freikarten zu Bühne, Klassik, Musik Film und mehr - deutschlandweit auf www.TwoTickets.de
Balzers Konzertrückschau 2011
Die Fledermausfrau: Zola Jesus (hier im Berghain) sang Lieder von Verzweiflung und Liebe und bot mit Flattergesang und fluffiger Flügelbluse die tollste Gesamterscheinung.

Das beste Konzert, das schlechteste Konzert, das lauteste Konzert: Die schönsten, sonderbarsten und denkwürdigsten Momente im Konzertjahr 2011.  mehr...

Jahresrückblick der Kulturredaktion
„Melancholia“: Lars von Trier mag zwar kommunikativ nicht sonderlich begabt sein, aber er ist einer der größten Regisseure der Gegenwart. Das beweist auch dieser „schöne Film über das Ende der Welt“.

Unsere Filmkritikerin Anke Westphal hat die besten Filme des Jahres 2011 zusammengetragen. Von Lars von Triers „Melancholia“ über Terrence Malicks „Tree of Life“ bis zu Aki Kaurismäkis „Le Havre“.  mehr...

Tipps
Man hört nur mit den Ohren gut.

Die beste Musik des Jahres 2011: Redakteure und Autoren empfehlen Schallplatten und Downloads zum Fest. Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten!  mehr...

Literaturtipps

Haben Sie noch keine Ideen, welche Bücher Sie zu Weihnachten verschenken möchten? Unsere Kulturredakteure und Autoren haben ihre persönlichen Literaturtipps des Jahres 2011 für Sie zusammengetragen.  mehr...

Jahresrückblick der Kulturredaktion
Die besten Theaterinszenierungen 2011.

"Rocco und seine Brüder" am Maxim Gorki Theater, "Fahr zur Hölle" am Deutschen Theater, "Der Spieler" an der Volkbühne - unsere Theaterredaktion hat für Sie die besten Theaterstücke des Jahres zusammengetragen.  mehr...

Anzeige