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Interview mit Ice Cube und Kevin Hart: Gute schwarze Filme? Gute Filme!

Bleibt cool:
Ice Cube.

Bleibt cool:

Ice Cube.

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dpa

Ice Cube alias O’Shea Jackson wurde Mitte der 1980er-Jahre in Los Angeles mit der HipHop-Band N.W.A. (Niggaz Wit Attitudes) berühmt. Anfang der 1990er begann er eine Solokarriere und trat als Schauspieler in vielen Hollywood-Produktionen auf. Inzwischen ist der 46-Jährige auch als Filmproduzent erfolgreich, etwa bei „Straight Outta Compton“: Der Film erzählt die Geschichte der „Niggaz Wit Attitudes“ und war 2015 ein Kino-Überraschungshit in den USA.

Ab heute ist Ice Cube mit dem Comedian Kevin Hart in der Komödie „Ride Along: Next Level Miami“ zu sehen. Beim Berlin-Besuch sprachen beide über die umstrittenen Oscar-Nominierungen: Weil erneut keine schwarzen Filmschaffenden nominiert wurden, haben der Regisseur Spike Lee und andere zum Boykott der Oscar-Gala am 28. Februar aufgerufen.

Mr. Ice Cube, Mr. Hart, wie gefällt es Ihnen in Berlin?

ICE CUBE und KEVIN HART: Wir lieben es! Wir haben ein bisschen mit den Leuten rumgehangen, haben was von Berlin mitgekriegt. Das kleine Auto war ein bisschen schäbig … wie heißt es noch mal?

Trabant, genannt Trabbi.

Beide: Yeah, man!

Welchen Eindruck haben Sie von den Berlinern?

ICE CUBE: Die Berliner und die Deutschen allgemein wirken hart, sind aber innerlich soft. Sie wirken zudem immer etwas förmlich, aber da ist ein wildes Tier im Innern, eine leidenschaftliche Person, die nur drauf wartet auszubrechen.

Wechseln wir in die USA: In Los Angeles werden demnächst die Oscars verliehen. Wie stehen Sie zu dem Boykott-Aufruf im Vorfeld der Oscarverleihung?

ICE CUBE: Um etwas zu boykottieren, muss es einem erst mal was bedeuten. Ich boykottiere die Oscars nicht, weil mir die sowieso egal sind. Ich war letztes Jahr nicht bei der Gala und das Jahr davor auch nicht. Wir machen unsere Filme nicht für die Industrie – wir machen Filme fürs Publikum. Und das Publikum hat uns in vielerlei Hinsicht belohnt. Ich bin glücklich. Ich mache mir keine Sorgen wegen der Oscars. Den Auszeichnungen der Filmindustrie habe ich noch nie besonders viel Gewicht beigemessen. Die Leute haben ihre Meinungen, und wenn sie zum Filmbusiness gehören, sind sie besonders meinungsstark. Ich geh lieber zu den Fans. Sie bedeuten mir etwas. Da krieg ich die Butter aufs Brot. Das war schon immer so, vom ersten Tag an. Die Fans akzeptieren den Film. Die Kritiker und die Leute vom Filmbusiness kommen manchmal einfach zu spät ,auf die Party‘. Wir machen einfach weiter.

Aber die Oscars sind doch auch ein politisches Thema …

ICE CUBE: Das ist definitiv ein politisches Thema. Bloß für mich als Künstler ist es etwas anderes als für Journalisten. Als Journalistin können Sie, wenn Sie glauben, der Film hätte dabei sein sollen, sagen: ,Hey, das ist nicht in Ordnung!‘ Für mich als Künstler, der einen erfolgreichen Film gemacht hat, ist es alles andere als konstruktiv, ausgerechnet in dem Jahr Krach zu schlagen, in dem man selbst nicht für einen Oscar nominiert wird. Wenn ich das in einem Jahr machen würde, wo etwa Denzel Washington übergangen wird, wäre das was anderes. Aber mir scheint, es hat einfach keine Klasse, wenn ich mich in dem Jahr anfange zu beschweren, in dem ich selbst einen Film am Start habe. Es geht jetzt darum, mit dem zufrieden zu sein, was wir erreicht haben. „Straight Outta Compton“ hat alle Erwartungen übertroffen. Es ist immer ein weiter Weg für uns gewesen. So sehe ich das.

KEVIN HART: Die Story ist doch eigentlich die – und das hat noch keiner so richtig deutlich gesehen: Ein Film wie „Straight Outta Compton“, mit lauter unbekannten Schauspielern, ohne großen Star, läuft richtig gut. Läuft nicht nur richtig gut, sondern übertrifft mit über 200 Millionen US-Dollar Einspielergebnis alle Erwartungen. Die Leute sind in den Film gegangen, weil es ein guter Film war. Ein Film wie dieser feiert einen internationalen Durchbruch. Nicht, weil es ein guter schwarzer Film ist, sondern, weil es ein guter Film ist. Der Oscar-Scheiß soll doch laufen – wir geben nichts drauf! Wen kümmert es? Der Oscar steht rum, und nächstes Jahr ist jemand anderes dran.

Was halten Sie von Donald Trumps Ehrgeiz, Präsident der USA zu werden. Würden Sie dann auswandern?

ICE CUBE: Ich werde definitiv darüber nachdenken. Trump ist extrem reich. Er denkt wahrscheinlich, er kann deshalb alles sagen, was er will. Ich finde einige Dinge, die er vorschlägt, sind alles andere als cool. Ein Präsident sollte versuchen, Menschen zusammenzubringen. Er sollte nicht nach Kriegen Ausschau halten und danach, wie man sie auseinanderbringen kann. Das haben wir alles schon gesehen. Ich glaube, die Amerikaner werden diesmal klüger sein – sie lassen nicht mal zu, dass dieser Typ an der Präsidentschaft auch nur schnuppert. Aber das habe ich bei George W. Bush und bei Ronald Reagan auch schon gedacht, und diese Typen wurden dann zu Präsidenten der USA gewählt. Ich mag Trumps Rhetorik nicht. Er soll die Klappe halten und ein ernsthafter Präsidentschaftskandidat sein – und versuchen, Leute zusammenzubringen.

Die Fragen stellte Frauke Gust.