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Jamie-Lee Kriewitz: Extrovertiert, unbekümmert und erstaunlich selbstbewusst

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Jamie-Lee Kriewitz in ihrem extrovertierten Manga-Outfit.

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München -

Ihre erste Pressekonferenz als deutsche Starterin des Eurovision Song Contest musste Jamie-Lee Kriewitz um 23.00 Uhr abbrechen. So schreibt es der Jugendschutz vor. Aus demselben Grund musste die 17-Jährige auch ein Interview im ARD-„Morgenmagazin“ am Freitag absagen. Denn laut Jugendschutz müssen mindestens zwölf Stunden zwischen ihren Auftritten liegen. Deutschland schickt ein junges Mädchen zum ESC - aber eines, das erstaunlich genau weiß, was es will.

Sie sei „ganz kurz“ davor gewesen, in Ohnmacht zu fallen, sagte Jamie-Lee nach ihrem Erfolg. 44,5 Prozent der Zuschauerstimmen entfielen am Donnerstagabend beim Vorentscheid in Köln auf sie. Damit konnte sie den Bayern Alex Diehl ebenso wie die Rockband Avantasia hinter sich lassen. Knapp 4,5 Millionen Menschen sahen sich die Show an. Dies war die höchste Einschaltquote bei einem Vorentscheid seit dem Sieg von Lena Meyer-Landrut 2010.

Auf der Bühne hatte Jamie-Lee mit ihrem Lied „Ghost“ eine erstaunliche Präsenz gezeigt. Hingucker war ihr Kostüm im Stil japanischer Mangas mit einem dazu passenden extrovertierten Kopfschmuck mit japanischen Püppchen, den ihr ein Designer entworfen hatte. Die gesamte Kleidung war vegan - seit drei Jahren ernährt sich Jamie-Lee rein pflanzlich, bei ihrem Outfit achtet sie auf Tierschutz. Kürzlich stellte sie sich als Werbebotschafterin der Tierschutzorganisation Peta zur Verfügung.

Jamie-Lee ist unbekümmert selbstbewusst

Sie denke, dass sie beim ESC-Finale am 14. Mai in Stockholm nicht nur mit ihrer Optik überzeugen werde, sondern vor allem mit ihrer Stimme. Und auch mit ihrem von einer Trennungsgeschichte erzählenden Lied „Ghost“: „Ich glaube, dass der Song etwas Erfrischendes in den Wettbewerb bringen könnte“, sagte die strahlende Siegerin.

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Jamie-Lee Kriewitz und Moderatorin Barbara Schöneberger.

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Die Niedersächsin kam am 18. März 1998 auf die Welt. Sie lebt mit ihren Eltern in der zur Stadt Springe zählenden Ortschaft Bennigsen. In der Nähe von Hannover liegt das, womit die erste Parallele zur aus Hannover stammenden ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut gegeben ist. Die zweite Parallele ist das Alter, Lena war 2010 bei ihrem Triumph in Oslo 19 Jahre alt, Jamie-Lee wird beim Finale 18 Jahre alt sein. Genervt von Vergleichen sei sie nicht, beteuert Jamie-Lee. Weil Lena „immer bei sich selbst war“, habe sie eine Vorbildfunktion für sie.

Dabei wirken die Sängerinnen sehr unterschiedlich. Während Lena mit unbekümmerter Frische mitriss, demonstriert die extrovertierte Jamie-Lee mit jeder Faser Selbstbewusstsein. „Ich habe eine außergewöhnliche Stimme, ich sehe außergewöhnlich aus, ich glaube, das ist ein Vorteil“, sagte die Vorentscheidssiegerin, die seit fünf Jahren in einem Gospelchor singt, schon im Oktober in einem Sat.1-Interview über sich. Wenig später gewann sie die Castingshow „The Voice“.

Erst Abitur, dann Koreanistik-Studium

Als sie am Tag nach diesem Triumph bei ihrer Plattenfirma saß, kam das Angebot, am ESC-Vorentscheid teilzunehmen. Nach dem Null-Punkte-Desaster mit Ann Sophie im vergangenen Jahr schickt Deutschland nun mit Jamie-Lee eine Künstlerin zum ESC, die stärker auf sich aufmerksam machen dürfte. Für ihre Karriere hat die von Smudo und Michi Beck von den Fantastischen Vier geförderte Sängerin sich von der Schule befreien lassen, statt wie geplant Abitur zu machen.

Sie wolle ja nicht so irgendwie abschließen, sondern ein gutes Abi, versicherte sie. Studieren will das Manga-Mädchen Koreanistik. Dann möchte sie „so schnell wie möglich nach Korea“ ziehen und K-Pop-Star werden, also in der koreanischsprachigen Popmusik erfolgreich sein, sagte sie vergangenes Jahr in einem Interview. Doch bevor sie das große Asien erobern kann, muss sie sich erst einmal mit Europa begnügen - wobei der weltweit größte Musikwettbewerb ja auch auf anderen Kontinenten viel beachtet wird. (afp)