Kultur
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Kabarett: Der Stresstest eines Herrn namens Rating...

Von 
Berlin –  

...richtet sich im Kabarett auf das Publikum. Dazu schlüpft Rating in mehrere Rollen, doch der Zuschauer weiß lange nicht, wohin das ausschweifende Spiel mit den verschiedenartigsten Phänotypen führen soll.

Ja, Rating heißt tatsächlich wie diese unsäglichen Agenturen, die derzeit das Schicksal ganzer Nationen in der Hand haben. Mit dieser Namensvetternschaft begründet der Kabarettist auch seine Zuständigkeit für den „Stresstest“, dem er das Publikum unterziehen will, und anhand dessen er Deutschland bewerten will. Dazu schlüpft Rating in mehrere Rollen, doch der Zuschauer weiß lange nicht, wohin das führen soll.

Zum Auftritt kommen Krankenschwester Hedwig und Dr. Mabuse, die den Fans bereits bekannt sind, dazu Rating selbst als „Projektleiter“ der Testreihe, ein Bertelsmann-Manager als Auftraggeber der Studie, der Stresstest-Mobil-Fahrer auf 400-Euro-Basis, sowie ein Stresstest-Gegner.

Diese Phänotypen lamentieren nun über die Verhältnisse und übereinander. Wenn Schwester Hedwig statt einer Schulden- eine Testosteronbremse fordert, weil man sich auf Männer nicht mehr verlassen könne, entgegnet ihr der Manager nach einem etwas holprigen Verkleidungswechsel: „Aber nicht doch! Wir leben vom Testosteron.

Wir exportieren doch die dicken Schlitten, für die schlimmen Fälle auch Panzer!“ Gelungen dagegen der Dialog zwischen Stresstest-Gegner und Manager. Letzterer ist herrlich ignorant begeistert vom jugendlichen Elan des Demonstranten, der sich doch sicher irgendwie zu Geld machen ließe.

Theater blieb fast leer

Rating erklärt die Welt. Leider an vielen Stellen etwas stark vereinfacht und eher zum halben Schmunzeln als zum Lachen. Sprunghaftigkeit und Programmfülle ufern aus, sodass nach über zwei Stunden ein feinerer Wortwitz schon mal verloren geht, wie: „Bei Facebook kann man ein Profil anlegen, auch wenn man keines hat.“

Den Geschmack aller trifft dagegen die Zeitungsnummer, fester Bestandteil jedes seiner Auftritte. Anhand von Schlagzeilen kommentiert er böse, treffend und komisch das Zeitgeschehen. Hier bewegt sich Rating auf sicherem Terrain, souverän erntet er vom bis dahin eher zurückhaltenden Publikum lautes Gelächter und Applaus.

Viele Besucher waren es zur Premiere jedoch nicht, das Mehringhoftheater war nur zu einem Drittel gefüllt. Rating, seit mehr als 30 Jahren eine feste Größe im Kabarett, wundert sich auch: „Umso besser“, kokettiert er, „dann finden Sie mich nachher leichter an der Bar, auf ein gemeinsames Bier.“

Bis 8. 12., 20 Uhr, Mehringhoftheater, Gneisenaustr. 2a, Kartentel.: 691 50 99.

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