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Kino "Late Bloomers": Das Alter naht auf seine Weise

Isabella Rossellini und William Hurt verleihen "Late Bloomers" ein gewisses Niveau, das nicht im Drehbuch stand.

Isabella Rossellini und William Hurt verleihen "Late Bloomers" ein gewisses Niveau, das nicht im Drehbuch stand.

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dpa

Für den Rest des Nachmittags möchte ich, dass ihr Euch langweilt“, ermahnt die Großmutter den Fernseh-verrückten Nachwuchs. „Leute, die nicht wissen, wie man sich langweilt, reifen zu Idioten heran.“ Über den positiven Effekt von Langeweile kann man sicher geteilter Meinung sein. Doch wer ihn wirklich sucht, wird ihn wohl eher durch eine Fernseherlaubnis freisetzen als durch ein Fernsehverbot.

Dabei erfüllt die Komödie „Late Bloomers“ selbst alle Voraussetzungen für eine bestimmte Spielart des „Fernsehfilms der Woche“, die sich in 90 Minuten an einem populären Thema abarbeitet. Hier heißt es: Wie geht man mit sechzig Jahren mit dem Alter um?

Auf Langeweile hat sich das von Isabella Rossellini und William Hurt gespielte Ehepaar jedenfalls nicht eingestellt. Gemeinsam ist beiden ein Hang zum Aktionismus, wenn auch in unterschiedlicher Richtung. Die pensionierte Lehrerin kauft vorauseilend Telefone mit großen Tasten und entwickelt ein Interesse an Altenheimen. Ihr Mann muss als Architekt gerade welche bauen, doch interessiert ihn nicht weniger als, wie er sich ausdrückt: „Depots für Zombies“. Viel lieber macht er Überstunden mit der jungen Kollegin.

Man wartet vergeblich darauf, dass der von Costa Gavras’ Tochter Julia allzu glatt inszenierte Film einmal unter die Oberfläche seiner dünnen Geschichte taucht. Doch selbst die erwartbare Trennung nach dem Seitensprung löst sich bald in Wohlgefallen auf. Und die Angst vor dem Alter besiegt man sowieso am besten mit dem zweiten Ehefrühling.

Als „Star-Bringer“ gehörte der Film zu den vielen Belanglosigkeiten der Berlinale 2011. Die These von der heilsamen Kraft der Langeweile kann man aber nicht daran testen: Das Hauptdarsteller-Paar Hurt und Rossellini verleiht dem Ganzen ein gewisses Niveau, das nicht im Drehbuch stand.

Late Bloomers USA/GB 2011. Regie: Julie Gavras. Mit Isabella Rossellini, William Hurt, Simon Callow. 95 Min.