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Kinostart „Dritte Person“: Er, sie, es in Rom, Paris, New York

Monika (Moran Atias) und Scott (Adrien Brody) zerwühlen die Laken.

Monika (Moran Atias) und Scott (Adrien Brody) zerwühlen die Laken.

Foto:

Sony Pictures

Berlin -

Ein Schriftsteller sitzt im Hotelzimmer an seinem Laptop. Die Arbeit stockt und wird auch von Nikotin, Alkohol und Tabletten nicht befeuert – da hört er die Stimme eines Kindes: „Watch me!“, „Sieh mich an!“ Und dann beginnt etwas nie zuvor Gesehenes. Ob „Dritte Person“ von Paul Haggis wirklich ein guter Film ist, wagen wir noch nicht endgültig zu entscheiden. Etwas Besonderes ist er in jedem Fall.



Es folgen Szenen, die schwer in einen Zusammenhang zu bringen sind. Der Schriftsteller (Liam Neeson) erhält in Paris Besuch von einer schönen Frau namens Anna (Olivia Wilde); eine andere schöne Frau namens Julia (Mila Kunis) sucht in New York einen Job und wird Zimmerfräulein im Hotel; eine dritte schöne Frau namens Monika (Moran Atias) fällt einem Geschäftemacher (Adrian Brody) in Rom auf. Und eine vierte schöne Frau, die wie die genannten ebenfalls schwarze Haare und ein geheimnisvolles Gesicht hat (Loan Chabanol) gibt es auch noch – aber sie sortiert der Zuschauer bald als Nebenfigur ein, die der New Yorker Episode angehört. Somit wäre „Dritte Person“ also ein Episodenfilm?

Jedenfalls laufen in den drei Städten alsbald drei Geschichten nebeneinander her. Der Schriftsteller in Paris, der sich von seiner Frau getrennt hat und nun mit Anna eine Affäre beginnt, die sich unübersichtlich zwischen Begehren und Angst vor Nähe verirrt.

Der Geschäftsmann in Rom fasst ein heftiges Interesse an Monika, einer Roma, die Geld braucht, um ihre Tochter nach Italien schleppen zu lassen – oder vielleicht nur an sein Geld heran will.Julia in New York kämpft mit dem Künstler Rick (James Franco) um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn; angeblich war sie gegen das Kind gewalttätig geworden.

Mysteriös oder trivial?

Was diese Geschichten miteinander verbindet, ist motivischer Natur: Monika und Julia vermissen ihr Kind; Monika und Anna sind undurchsichtig; im Hintergrund wirken reife blonde Frauen, in New York Annas Rechtsanwältin (Maria Bello), in der Heimat des Schriftstellers dessen Frau (Kim Basinger). Der Film spielt fast vollständig in Hotels. Außerdem werden die Episoden mit filmischen Mitteln miteinander verbunden: Eine Taxifahrt in Rom geht in eine Taxifahrt in Paris über; zieht am Ende einer Szene eine Frau ihre Bluse aus, zieht eine andere Frau zu Beginn der nächsten Szene eine Bluse an.

Das wirkt zunächst lediglich verspielt. Doch Der Titel weist schon darauf hin; er meint weniger eine „dritte Person“ als die grammatische Person des „er, sie, es“. Wenn die Seltsamkeiten ganz am Ende erst aufgelöst werden, sind über zwei Stunden verstrichen – und man hat bis dahin nach einem roten Faden zwischen den Episoden gesucht, der sich jedoch mit frustrierender Hartnäckigkeit entzog. Zunächst möchte man die gelungene Nasführung beklatschen, dann fühlt man sich düpiert angesichts der Entzifferungsarbeit, die sich als wertlose Investition erweist. Plötzlich steht die Frage im Raum, ob „Dritte Person“ nun ein Mysterium oder ein furchtbar trivialer Film ist.

Dritte Person (The Third Person) GB u. a. 2013. Buch & Regie: Paul Haggis, Kamera: Gianfilippo Corticelli, Darsteller: Liam Neeson, Olivia Wilde, Adrien Brody

u. a.; Farbe, 137 Minuten, FSK ab 12.