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Komödie "Barakah Yoqabil Barakah" bei der Berlinale: Wie sich Verliebte in Saudi Arabien näher kommen

Versteckte Annäherung auf dem Spielplatz. Die Komödie „Barakah Yoqabil Barakah“ thematisiert, wie sich ein Mann und eine Frau in Saudi Arabien versuchen näher kennen zu lernen. Versteckt vor der Religionspolizei.

Versteckte Annäherung auf dem Spielplatz. Die Komödie „Barakah Yoqabil Barakah“ thematisiert, wie sich ein Mann und eine Frau in Saudi Arabien versuchen näher kennen zu lernen. Versteckt vor der Religionspolizei.

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Berlinale/El-Housh Productions

Barakah ist ein freundlicher, etwas naiver junger Mann aus einfachen Verhältnissen. Er arbeitet beim Ordnungsamt, engagiert sich in seiner Freizeit bei einer Theatergruppe, kümmert sich um seinen kiffenden Onkel und muss sich von der Nachbarin gute Ratschläge anhören. Bibi ist eine ebenso lebenslustige wie eigenwillige junge Frau aus der Oberschicht. Im Internet macht sie Werbung für die Boutique ihrer Adoptivmutter, sorgt darüber hinaus aber auch mit einem sozialaktivistischen Video-Blog für Furore.

Als Barakah und Bibi sich begegnen, finden sie Gefallen aneinander. Vielversprechende Funken fliegen und dann ist guter Rat teuer. Wie sollen Mann und Frau in Saudi-Arabien einander näher kennenlernen? Sie können nicht auf eine Party gehen oder ins Kino, der Besuch eines Restaurants wäre ein Skandal. Die Religionspolizei lauert. Um das Problem zu lösen, müsste Barakah um Bibis Hand anhalten. Das will Bibi nicht und ihre Eltern schon gar nicht.

Dieses ernste Thema setzt der junge Filmemacher Mahmoud Sabbagh in „Barakah Yoqabil Barakah“ mit leichter Hand in Szene. Er habe einen Film über den öffentlichen Raum machen wollen, erzählt er beim Publikumsgespräch nach der Weltpremiere, und darüber, dass dessen Verlust zugleich der Verlust von Freiheit sei. Also schickt er Barakah und Bibi auf eine Odyssee, die für westliche Augen mitunter grotesk anmuten mag, sich aber den Realitäten des Landes mit viel Humor und etwas Wehmut stellt.

Beinahe Händchenhalten

Mal treffen sich die beiden ein paar Minuten auf einem Spielplatz, mal unterhalten sie sich kurz in einem Kramerladen oder treffen auf Barakahs Hausdach, von wo aus sich prima eine Hochzeit beobachten und, beinahe, Händchenhalten lässt. Die Straßen mögen immer enger werden, sagt Barakah, die Dächer aber seien frei; und man versteht, dass es in Saudi-Arabien zwei Welten gibt.

Gefragt, wie sich die Dreharbeiten gestaltet haben, antwortet der in New York ausgebildete Sabbagh, sie hätten eben gedreht und es darauf ankommen lassen, erwischt zu werden. Dieser spontaneistische Gestus ist dem Film in Form von Spielfreude einerseits und Dringlichkeit andererseits wohltuend anzumerken.

Es artikuliert sich eine nachgewachsene Generation, deren Stimme nicht mehr länger unterdrückt werden kann. Angesichts der Tatsache, dass es in Saudi-Arabien weder Filmindustrie noch Kinos gibt, sind die bloße Existenz als auch der Umstand, dass der Film auf der Berlinale zu sehen ist, Anlaß zur Freude.

Barakah Yoqabil Barakah 15.2.: 19.30 Uhr, Zoo Palast 2; 21.2.: 20.00 Uhr, Cubix 9