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Kulturhaushalt: Vielleicht mehr Geld für die freie Szene

Kultursenator und Regierender Bürgermeister: Klaus Wowereit

Kultursenator und Regierender Bürgermeister: Klaus Wowereit

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Berliner Zeitung

Das war ein wendungsreicher Kulturausschuss am Montag im Berliner Abgeordnetenhaus. Zunächst verteidigte Klaus Wowereit seinen in den kommenden Jahren steigenden Kulturhaushalt gegen die Kritik, dass ausgerechnet die prekäre freie Szene leer ausgeht. Am Ende der langen Sitzung beantragten CDU und SPD, die freie Szene mit 2,7 Millionen Euro und die Tanzcompagnie Sasha Waltz mit 1 Million Euro mehr auszustatten.

Dafür wollen sie nicht ihren bis 2015 um 27 Millionen Euro steigenden Haushalt umschichten, sondern fordern den Hauptausschuss auf, zusätzliches Geld für die Kultur zu bewilligen. Es handelt sich um einen Kulturhaushalt, der Ende 2015 um 27 Millionen Euro auf 396 Millionen Euro gestiegen sein wird. Das ist jetzt schon eine Steigerung von 4,3 Prozent, viel mehr, als der Gesamthaushalt für Berlin vorsieht (0,3 Prozent).

Deswegen spricht Kultursenator Klaus Wowereit auch ohne Arg davon, dass er sehr stolz ist auf diese gewaltigen Steigerungen. Berlin garantiert den Angestellten der staatlichen Bühnen und Museen höhere Tarifgehälter. Berlin ist vorbildlich!, sagt Klaus Wowereit, es gibt mehr aus für Kultur und schließt kein Theater, wie es andere Länder tun.

Geld aus der City Tax?

Klaus Wowereit will für diese Anstrengung gelobt und nicht andauernd kritisiert werden, nur, weil die freie Szene zunächst nichts abbekommen hat vom größeren Kuchen. Er gibt zu erkennen, dass er weiß, worum es geht: Dass sich Dinge verändern, alte Strukturen zerstört werden mit der Gentrifizierung, Kunstorte weichen müssen und dass Ateliers teurer werden. Aber für alle reiche es nun mal nicht, sagte er. Die Opposition wütete, sprach von Ausverkauf und Armutszeugnissen.

Dagegen erwiderte Sabine Lange von der SPD auf die Vorwürfe, nirgendwo auf der Welt werde die freie Szene so gefördert wie in Berlin und das Schlechtreden, das Ausspielen von etablierter gegen unabhängige Kunst, das habe sie satt. Die Künstler hätten sich doch schließlich für dieses freie Leben entschieden! Und Stefan Schlede von der CDU sagt, selbst wenn man der „sogenannten Szene eine Milliarde gäbe, reichte es ihr nicht!“ Überhaupt seien das Leute, die den etablierten Institutionen etwas wegnehmen wollten, um selbst zu werden wie die Etablierten. Das war die Stelle, wo es einen leisen Tumult gab im Saal-Publikum, das bekanntlich zu schweigen hat. So sehen also Kulturpolitiker die freien Künstler. Noch mal zum Verständnis: Die berühmte freie Szene verbraucht bislang 10 Millionen Euro, der Kulturhaushalt liegt demnächst bei fast 400 Millionen, da sieht mancher ein gewisses Missverhältnis.

Das soll jetzt verändert werden. Wowereit sagte auch Geld aus der City Tax zu, ohne sich auf eine bestimmte Summe festzulegen. Ob sich der Hauptausschuss darauf einlässt, den Kulturetat weiter zu erhöhen, ist ungewiss.