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Berliner Zeitung | Galerie House of Egorn: Der kubanische Künstler Eduardo Rubén stellt erstmals in Berlin aus
18. June 2015
http://www.berliner-zeitung.de/22482158
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Galerie House of Egorn: Der kubanische Künstler Eduardo Rubén stellt erstmals in Berlin aus

"Sin titulo" - ohne Titel - auf gelber Wand. Die Ausstellung von Eduardo Rubéns Kunst holt Kuba nach Berlin.

"Sin titulo" - ohne Titel - auf gelber Wand. Die Ausstellung von Eduardo Rubéns Kunst holt Kuba nach Berlin.

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House of Egorn

Der Blick verliert sich am Horizont. Dort, wo die dunkelbraune Straße auf ebenso dunkelbraune Gebirgszüge trifft. Der Himmel ist ockergelb, so als sei das Gemälde in Abendsonne getaucht. Oder täuscht das? Sieht man nicht viel eher den Schatten einer Pyramide auf einem von Trockenheit gezeichneten Feld? Der Titel von Eduardo Rubéns Werk, das Teil seiner Retrospektive in Berlin ist, verrät uns nichts darüber, was wir sehen. „Sin título“ –ohne Titel hat es der Künstler genannt. Öl auf Leinwand, 2013. Das ist alles, was wir erfahren.

Der kubanische Künstler Eduardo Rubén ist ein ruhiger und freundlicher Mann, seine Bilder ebenfalls meist ruhig. Klare Farben und Formen, eine fast schon geometrische Ergründung von Raum, futuristische Landschaften und architektonische Betrachtungen prägen seine Werke. In der neuen Galerie „House of Egorn“ am Schöneberger Ufer in Berlin ist jetzt die erste Solo-Ausstellung des 56-jährigen in Havanna lebenden Künstlers in Deutschland zu sehen. Sie zeigt die Bandbreite von Rubéns Schaffen; seit 35 Jahren arbeitet der studierte Architekt bereits als visueller Künstler.

Kuba ist offline

Die Galerie der Londoner Galeristin Sharon Zhu, die zum ersten Mal bei der Berlin Gallery Week in diesem Jahr öffnete, stellt acht Gemälde von Rubén aus. Das älteste stammt aus dem Jahr 1996, das neueste fertigte er im vergangenen Jahr (2014) an. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung und Diversität des Künstlers, der Kuba bei der Biennale in Venedig 1995 vertrat und an der Biennale in Havanna 1984 und 1994 beteiligt war.

Kräftiges Blau zieht den Betrachter in Rubéns Werke „Fuga“ (Flucht, 1998) und „Abandonado“ (Verlassen, 1996). Vor dem tiefblauen Himmel wuchtige Betonbauten („Abandonado“) oder eine herabführende Wendeltreppe („Fuga“). Hier sieht man deutlich den Architekten Eduardo Rubén, der Formen und Kontur des Raumes auf fast digitale Weise analysiert, in einer Zeit vor Internet und Photoshop. Und in Kuba, einem Land, dessen Bürger mit der Repression eines totalitären Regimes zu kämpfen haben.

Längst nicht jeder kann aus Kuba ausreisen. Man braucht Geld dafür und gute Beziehungen. Eduardo Rubén ist im Ausland bekannt, er kann sich international bewegen wie er möchte, dank eines Stempels in seinem Pass. Doch wer seinen Namen bei Google eingibt, findet wenig über ihn. Das kann daran liegen, dass kaum ein Land so offline ist wie Kuba. Die Organisation Freedom House platzierte Kuba hinsichtlich der Internetfreiheit auf Platz 62 von 65 untersuchten Ländern.

Persönliche Dokumente des Künstlers

Ob sich Rubéns Werke wie „Fuga“ (Flucht) oder die Bilder seiner Reihe „Combatientes“ (Kämpfer) politisch interpretieren lassen, darüber kann man nur spekulieren. Auf die Frage, ob er sich als politischer Künstler sehe, antwortet er schlicht mit „Nein“. Wer in „Combatientes“ gegen wen kämpft, liegt also im Auge des Betrachters. Menschen ähnelnde Ruinen auf schwarzem Hintergrund können im Berliner Kontext auch an Bruchstücke der Mauer erinnern, die diese Stadt, Deutschland und die Welt einst in zwei Blöcke teilte.

Der junge Kurator Victor Wang zeigt im House of Egorn nicht nur Rubéns Kunst, sondern auch persönliche Dokumente des Künstlers: Fotos, Postkarten, Bücher. Die Fotos früherer Ausstellungen Rubéns zeigen unter anderem die Bedingungen, unter denen der Maler in Kuba ausstellt. Die Wände auf den Bildern sind abgenutzt, sie haben nicht viel mit den leuchtend weiß oder gelb gestrichenen Wänden der Berliner Galerie zu tun.

Eduardo Rubén ist für die Vernissage seiner Ausstellung ein zweites Mal nach Berlin gekommen. Das erste Mal besuchte er die DDR, kurz bevor sie zu Ende ging. Das heutige Berlin ist ihm voll: zu viele Gebäude, zu viele Geschäfte. In Kuba hat er einen Mangobaum im Garten.

House of Egorn, Schöneberger Ufer 51, 10785 Berlin