blz_logo12,9

Kunstwerk abgebrannt: Brandanschlag am Haus der Berliner Festspiele

Das Kunstwerk nach der Vernichtung.

Das Kunstwerk nach der Vernichtung.

Foto:

berliner festspiele

Berlin -

Glück gehabt! Vor dem Haus der Berliner Festspiele, dort also, wo Wilmersdorf am beschaulichsten ist, hat es in der Nacht zu Dienstag gebrannt. Die zu dem am Donnerstag beginnenden Foreign-Affairs-Festival eingeladene Kunstaktion „What is a Monumental Today?“ (Was ist ein Denkmal heute?) bekam auf diese Weise eine unfreiwillige Drehung.

Ein sechs Meter hoher russischer Soldat aus Pappmaché und Epoxidharz ging in Flammen auf und brannte bis auf den Sockel nieder. Übrig blieb nur sein Schild mit der Aufschrift: „Antifaschistische Aktion“. Es handelte sich um das Werk „Our Paper Soldier“ (Unser Papiersoldat) des russischen Künstlerkollektivs Chto Delat (Was tun). Die Behörden ermitteln wegen Brandstiftung − sogar der Staatsschutz, weil es sich um eine politisch motivierte Tat handeln könnte. Zeugen werden gesucht.

Es hätte schlimmer kommen können. Der technische Direktor Andreas Weidmann erklärt, dass die brennenden Aufbauten hätten umkippen und eine der riesigen Kastanien oder gar den Bornemann-Bau selbst anstecken können. Glücklicherweise habe der Wachschutz bei seiner Runde am Mittwoch gegen zwei Uhr den Brand schnell bemerkt und, nach vergeblichen eigenen Löschversuchen, die Feuerwehr holen können. Also alles glimpflich abgegangen, schade um das Werk, das allerdings ohnehin nicht für die Ewigkeit gedacht war und nun erst richtig ins Gespräch gekommen ist. Sodass man vielleicht denken könnte...

Die Gerüchteküche köchelt

Nein! Die Künstler haben den Soldaten nicht heimlich selbst angezündet, das wäre zynisch! Und die Publicity, die die Berliner Festspiele nun so unverhofft ereilt und sich vielleicht auch positiv beim Kartenvorverkauf niederschlägt, rückt das Festival mehr als den Machern recht ist, aus der ästhetischen in die ideologisch-agitative Ecke. Also bitte! Niemand, der zivilisiert ist, freut sich, wenn Kunstwerke brennen! Es sei denn, es handelt sich bei der Verbrennung selbst um Kunst. Hatten wir auch schon, beim 8,50 Meter hohen aus Holz zusammengezimmerten „Burn-out-Man“, der bei einer Antistress-Kunstaktion von Showcase Beat Le Mot vor drei Jahren im Plänterwald abgebrannt wurde.

Dennoch: Die Fragen, die das Kunstwerk von Chto Delat aufwerfen sollte, haben sich mit seiner Abfackelung nicht erledigt. Denn die Widersprüchlichkeit des Werks bleibt bestehen. Was ist denn überhaupt die „antifaschistische Aktion?“, von der auf dem Schild die Rede ist. Die Annektierung der Krim und russische Manöver vor der Ostukraine? Oder ist der Antifaschismus nur das ideologische Label, mit dem sich imperialistische Interessen verbergen lassen? Vielleicht halten sich aber auch die Brandstifter für Antifaschisten oder Künstler. Foreign-Affairs-Leiter Matthias von Hartz möchte nun die Brandruine so liegen lassen. Vielleicht als mögliche Antwort auf die Frage: Was ist ein Denkmal heute?



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?