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Berliner Zeitung | Magazin "Spiegel": Büchners missratener Auftritt
22. August 2013
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Magazin "Spiegel": Büchners missratener Auftritt

Wolfgang Büchner.

Wolfgang Büchner.

Foto:

dpa/Michael Kappeler

Die Ankündigung des designierten Spiegel-Chefredakteurs Wolfgang Büchner, den derzeitigen Bild-Vize Nikolaus Blome zu seinem Stellvertreter und Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros zu machen, könnte dazu führen, dass Büchner seine neue Arbeitsstelle in Hamburg gar nicht erst antreten wird.

Die Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins fühlen sich brüskiert. Sie haben den Eindruck, Büchner wolle gemeinsam mit Spiegel-Geschäftsführer Ove Saffe die Spiegel KG entmachten. Die KG, in der die Mitarbeiter organisiert sind, ist mit 50,5 Prozent größter Gesellschafter des Spiegel-Verlags. Gruner + Jahr hält 25,5 Prozent und die Erben des Verlagsgründers Rudolf Augstein 24 Prozent. Letztere werden vom Verleger der Wochenzeitung Der Freitag, Jakob Augstein, vertreten.

Büchners Auftritt bei der 10-Uhr-Konferenz am Mittwoch hat viele Redakteure erschüttert. „Patzig“, „brachial“, „unwirsch“ sind die Bezeichnungen für die Art, in der der noch amtierende dpa-Chef Büchner die Personalie verkündete. So entgegnete Büchner auf die Frage des Spiegel-Autors Dirk Kurbjuweit, welche Auswirkungen der Wechsel des liberal-konservativen Springer-Journalisten Blome auf die politische Ausrichtung des Magazins habe, er verstehe die Frage nicht. Auch beim zweiten Versuch wiegelte Büchner ab.

Eine Niederlage sondergleichen

Hinzu kommt, dass die Mitarbeiter KG zuvor ausdrücklich die Berufung Blomes abgelehnt hatte. Daraufhin soll es ein Ultimatum gegeben haben, die KG habe umgehend ihre Zustimmung zur Personalie Blome zu erteilen. Diese aber, so schien es am späten Donnerstagnachmittag, wird es nicht geben. Zur Debatte steht nun, ob die Berufung eines stellvertretenden Chefredakteurs tatsächlich zustimmungspflichtig ist. Gar von einer Klage war zu hören, mit der die KG diesen Punkt notfalls klären wolle.

Büchner erlebt damit eine Niederlage sondergleichen. Womöglich könnte der Streit weiter eskalieren, Büchner gar nicht erst Spiegel-Chefredakteur und Geschäftsführer Ove Saffe gar abgesetzt werden – trotz seiner Vertragsverlängerung erst im vergangenen Jahr. Sollte sich der Eindruck bewahrheiten, dass Saffe mit Büchner die KG durch eigenwillige Aktionen entmachten will, „stehen wir wie eine Wand“, sagte ein Redakteur.

In Berlin hofft derweil der gerade zum Autor degradierte Leiter des Hauptstadtbüros, Konstantin von Hammerstein, seinen Job womöglich behalten zu können, während Martin Doerry und Klaus Brinkbäumer Grund zur Hoffnung haben, nicht nur interimistisch, sondern dauerhaft Chefredakteure des Nachrichtenmagazins zu bleiben. Parallel diskutiert die Redaktion bereits weitere Namen potenzieller Kandidaten für die Spiegel-Chefredaktion.