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"Bergdoktor"-Darsteller Hans Sigl: "Es geht um den Menschen, nicht um die Niere"

Hans Sigl

Hans Sigl - hier mit Filmtochter Ronja Forcher (als Lilli Gruber) - spielt in der ZDF-Arztserie "Der Bergdoktor" den Dr. Martin Gruber.

Foto:

picture alliance / dpa

Nach dem Winterspecial in der vergangenen Woche startet an diesem Donnerstag im ZDF die zehnte „Bergdoktor“-Staffel mit sieben neuen Folgen. Natürlich wieder mit dabei: Hans Sigl als der Bergdoktor Martin Gruber, der seit dem Start der Serie im Jahr 2008 die unglaublichsten Diagnosen stellt und Leben im Akkord rettet. Und als wäre das nicht schon anstrengend genug, muss sich der Bergdoktor auch noch um seine Familie scheren – von den eigenen Nöten mit der lieben Liebe ganz zu schweigen. 

Herr Sigl, wie heißt Ihre Neue?

Welche Neue?

Die neue Freundin im „Bergdoktor“. Ihr Doktor Gruber hat doch ständig eine Neue.

Auf welchem Stand sind Sie denn?

Warten Sie: Da war die Anwältin, dann kam die Französin, zwischendurch hatten Sie was mit Susanne, der Wirtin …

Das ist aber nicht die Aktuelle.

Bei Ihrem Verschleiß: Helfen Sie mir.

Rike, die Versicherungsvertreterin, die ich in der letzten Staffel kennenlernen durfte. Allerdings hängt diese frische Beziehung am seidenen Faden. Und Anne, das ist die Nachbarin der Grubers und nicht die Französin, wie Sie sich auszudrücken beliebten, die ist in der neuen Staffel auch wieder dabei.

Von der Liebe zum Leid: Ist in zehn Jahren „Bergdoktor“ an Krankheit, Schmerz und Elend nicht alles schon mal vorgekommen?

Wenn wir zum wiederholten Mal eine Nierentransplantation in der Geschichte haben, dann geht es ja nicht um die Niere, sondern darum, wer sie braucht und warum dieser Mensch sie sich so sehr wünscht. Es geht um den Menschen, nicht um die Niere.

Aber täuscht der Eindruck, dass die Fälle und Geschichten immer, nun ja, abenteuerlicher werden?

Ist doch toll, nicht wahr?

Gewiss. Was war denn die bislang, sagen wir, außergewöhnlichste Geschichte?

Das war vor einem Jahr im Winterspecial, da ging es um einen ganz bösen Virus, der in einer Gletscherhöhle überlebt hat und der zufälligerweise vom Bruder des Bergdoktors  wieder aktiviert wurde. Zugegeben, das klingt einigermaßen kühn, aber wir machen ja auch keine Medical-Doku, sondern eine Unterhaltungsserie für die ganze Familie.

Gibt es so etwas wie ein Grundmuster der Serie? Also immer eine Krankengeschichte, eine Liebesgeschichte und eine Familiengeschichte?

Was glauben Sie?

Scheint ganz so.

Dann schreiben Sie: Scheint ganz so.

Mehr nicht?

Natürlich steckt auch eine Idee dahinter. Nämlich, dass jede Serie einen Wiedererkennungseffekt haben muss. Das mögen die Leute, nicht nur beim „Bergdoktor“, auch bei „Dr. House“, wenn er am Anfang mit seinem Stock um die Ecke biegt und den langen Gang runterlatscht. Dann wissen die Zuschauer: Da isser wieder. Und bei uns ist es so, dass die Leute donnerstags um 20.15 Uhr im ZDF die Titelmelodie hören und die Familie Gruber am Frühstückstisch auf der Terrasse  sehen. Spätestens jetzt wissen die Leute: Hier bin ich richtig.

Aber keine normale Familie schleppt das ganze Frühstück jeden Morgen auf die Terrasse, zu der man erst einen kleinen Hang runter - und wieder rauflaufen muss. So viel Zeit hat doch kein Mensch.

Wir schon.

Das machen Sie doch nur wegen der schönen Bilder. Im Hintergrund das Panorama vom Wilden Kaiser, davor  eine Familie am Frühstückstisch, und golden glänzt der Orangensaft.

Für den Hintergrund können wir nichts, der Berg ist nun einmal da. Und Orangensaft ist immer gut. 

Es gibt auch Serien, die  die Erwartungen der Zuschauer bewusst unterlaufen.

Auch die amerikanischen Serien folgen klaren Mustern, obwohl die natürlich ganz anders erzählt und gedreht werden.

Es geht ja seit geraumer Zeit die Klage, dass die US-Serien so toll sind und die deutschen Serien alle so bieder. Stimmen Sie da ein?

Ja. Ein Grund dafür ist, dass wir für das Geld, das die Amerikaner für eine Folge ausgeben, eine ganze Staffel drehen.

Das Geld ist das eine. Aber gibt es aus Ihrer Sicht so gar keine Ausreißer nach oben im deutschen Serienwesen?

Nun, es liefen zuletzt einige überraschende deutsche Serien, allerdings nicht bei den Öffentlich-Rechtlichen. „Der Club der roten Bänder“ auf Vox zum Beispiel. Oder „Deutschland ’83“ auf RTL. Und auch bei ARD und ZDF findet da eine Entwicklung statt, bei ZDFneo etwa. Aber man kann immer schneller, weiter, höher.

Gilt das auch für den „Bergdoktor“?

Sicher, der „Bergdoktor“ ist nicht die innovativste Serie, die man sich vorstellen kann. Aber das muss sie auch nicht. Wir sind ein bodenständiges und traditionelles Familienunternehmen, das alle Anforderungen an die Kunstfertigkeit dieses Genres erfüllt – und dabei vielleicht gar nicht so unmodern ist.

Trügt der Eindruck, oder war in den frühen „Bergdoktor“-Staffeln mehr Berg und jetzt ist mehr Doktor.

Fein beobachtet, aber das hat einen ganz simplen Grund. Im ZDF ist noch eine Serie dazugekommen, „Die Bergretter“. Und die hängen naturgemäß mehr am Felsen als ein Doktor. Was mir persönlich gar nicht so wehtut, weil ich nicht der große Kletterer bin. Im Gegensatz zu meinem Kollegen Heiko Rupprecht, der meinen Bruder spielt. Außerdem kosten diese Szenen am Berg enorm viel Zeit, und wir haben nur 16 Drehtage für 90 Minuten, das ist deutlich unter dem Durchschnitt. Und als Schauspieler bin ich natürlich froh über längere Spielszenen, als wenn ich da ewig am Seil rumhänge.

„Der Bergdoktor“ zählt zu den erfolgreichsten Serien im deutschen Fernsehen, in Ellmau in Tirol finden sogar schon Bergdoktorwochen statt. Was passiert da?

Die Bergdoktorwoche gibt es seit einigen Jahren. Da kommen Tausende Leute, von überall her. Viele übrigens aus Ostdeutschland, Thüringen vor allem. Die schauen sich die Drehorte an: die Praxis des Dr. Gruber, das Wohnhaus der Familie, und freuen sich, uns zu sehen. Zum Abschluss gibt es ein Meet & Greet mit den Schauspielern. Da beantworten wir Fragen, geben Autogramme und machen mit den Zuschauern Fotos. Diese Veranstaltung mussten wir inzwischen auf  tausend Teilnehmer beschränken.

Was sind die größten Unterschiede vom Bergdoktor vor zehn Jahren zu dem heute?

Er ist zehn Jahre älter und zehn Kilo schwerer geworden.

Mehr nicht?

Wie meinen Sie das jetzt schon wieder? Natürlich hat der Bergdoktor nicht nur Kilo, sondern auch Erfahrungen gesammelt. Dieser Martin Gruber ist reifer geworden, vielleicht auch etwas ruhiger. Deshalb geht es heute auch um andere Themen als zu Beginn der Serie.

Wie lange wollen Sie noch der Bergdoktor sein?

Gern noch eine Weile. Weil wir langsam auf eine andere Ebene kommen und die Figuren ganz anders erzählen, ohne die Serie zu verraten. Es gibt jetzt viel mehr  Möglichkeiten innerhalb der Geschichten. Und wenn der Bergdoktor aus seinem grünen Mercedes steigt, dann schaut es nur so aus, als sei alles wie vor zehn Jahren.

Wer gibt eher auf: der altersschwache Mercedes oder der Bergdoktor?

Ich, da bin ich mir sicher. Diese  Karre wird so gut gepflegt, das schaffe ich nicht. Aber tatsächlich verbinde ich eine Menge mit diesem Auto, schon weil ich sehr viel Zeit darin verbringe. Wenn eine Szene wiederholt werden muss, sitze ich da drin, das Radio funktioniert nicht mehr, und das Einzige, was ich höre, ist das leise Ticken der großen Mercedes-Uhr im Cockpit. Allein die hält definitiv länger durch als ich.

Sie spielen also nicht den Bergdoktor, bis Sie selbst bettlägerig sind?

Bitte notieren Sie: Die Inkontinenz des Martin Gruber wird dem Zuschauer erspart bleiben.

Und wann kriegen sich endlich die Susanne und der Bergdoktor?

Also dass Sie das denken! Allein daran sieht man, dass alle unsere Bemühungen um weniger Kitsch und Klischee völlig vergeblich sind. Der Doktor wird nicht in den Geranienkorb der Wirtin fallen. Sagten Sie wirklich, dass dieses Interview im Feuilleton erscheint?