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Hillary Clinton bei Jauch: Käßmann führt Clinton vor

Drei Power-Frauen und Günther Jauch

Drei Power-Frauen und Günther Jauch

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dpa

Berlin -

Danke, Margot Käßmann! Die Theologin besitzt die Gabe und den Mut, auch einer Hillary Clinton für einen Moment die dauerlächelnde Maske vom Gesicht zu streifen. Das gelingt ihr Sonntagabend in der Sendung von Günther Jauch, als sie die Bigotterie Clintons vorführt, die einerseits dem Whistleblower Edward Snowden rät, sich dem Rechtssystem der USA anzuvertrauen und auf einen fairen Prozess zu setzen. Und andererseits die gezielte Tötung Osama bin Ladens durch US-Soldaten verteidigt und erklärt, damit sei er der Gerechtigkeit zugeführt worden. Käßmann sagt dazu ganz kühl, sie hätte mehr Respekt gehabt, wenn der Terroristenführer vor den internationalen Gerichtshof gestellt worden wäre „statt ihn abzuknallen und die Leiche ins Meer zu schmeißen.“

Das ist ein entscheidender, erhellender Moment in der Sendung. Zuvor haben Clinton und Ursula von der Leyen in warmen, auch zerknirschten Worten über die enge deutsch-amerikanische Freundschaft geredet, die auch Stürme wie den NSA-Skandal überdauere, da sie doch auf einer so langen  Geschichte und so großen gemeinsamen Werten beruhe. „Wir reden hier von Demokratie und Werten“, sagt Käßmann, aber dazu gehöre zwingend auch der Rechtsstaat, der „noch dem letzten Verbrecher“ die Möglichkeit eines fairen Prozesses einräume.

Aber am Fall bin Laden zeigt sich: Zu diesen Werten stehen die USA nur noch, wenn es gerade ihren Interessen entspricht. Wenn es günstiger ist, sie zu brechen, einen Skalp wie jenen von Osama bin Laden zu erbeuten, dann werden sei eben gebrochen. Genau so gehen die USA beim Einsatz ihrer Geheimdienste vor, und wie naiv ist Ursula von der Leyen eigentlich, wenn sie fordert, nun müssten die Amerikaner ihre Spione aber wirklich einmal an die Kandare nehmen? Und wie naiv sollte Snowden sein, sich auf dieses Verständnis von Rechtsstaat zu verlassen?

Jauch bemüht, aber überfordert

Frauen an die Macht! heißt der Titel der Sendung, doch im Kern geht es, wie auch anders in diesen Zeiten, um das schwindende Vertrauen der Deutschen in die USA, die wachsende Entfremdung. Ursula von der Leyen beschwört zwar den anderen Blick, den Frauen an der Macht auf die Dinge hätten und führt Angela Merkel als Beweis dafür an. Doch wie viel stärker wirkt die live anwesende Hillary Clinton als Gegenbeispiel, die zeigt, dass sie nur einen Blick auf die Welt kennt: Den der im Zweifel gnadenlosen US-amerikanischen Machtpolitikerin.

Ihrer Routine und Professionalität ist ein mit begrenzten journalistischen und intellektuellen Fähigkeiten ausgestatteter Mann wie Günther Jauch nicht gewachsen, doch muss man sagen: er gibt sich eine Weile redlich Mühe, ihr mit seiner Sendung-mit-der-Maus-Tonlage in Sachen Snowden und NSA wenigstens ein wenig auf die Pelle zu rücken. Weit kommt er damit nicht, und er ist so mit Clinton beschäftigt, dass er von der Leyen viel zu billig davonkommen lässt. Was denkt sie über die Tötung bin Ladens? Ist Snowden ein Held oder Verräter? Warum sorgt ihre Regierung nicht dafür, dass er in Deutschland vernommen werden kann? Was tut ihre Regierung, um die Bundesbürger vor der amerikanischen Schnüffelei zu schützen? Keine Fragen, keine Antworten.

Dafür stellt auch er Hillary Clinton noch einmal viele der schon tausend Mal an sie gerichteten Fragen: Wird sie nun kandidieren, warum sagt sie es nicht gleich, welche Schauspielerin soll sie einmal spielen, was ist mit Bill?  Es ist die Hillary-Show dieser Tage, Clinton bewirbt ihr neues Buch und testet aus, wie die Resonanz auf sie ist, da hilft Günther Jauch doch gern. Wir sehen das, und wir sehen: Klug und kokett ist sie noch immer; aber Einspieler von 2003 und 2008 zeigen uns auch bestürzend deutlich, wie die Macht und das Alter Menschen zusetzen. Und wir fragen uns: Warum sollte sie sich das noch einmal antun? Günther Jauch fragt es nicht.