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"News of the World"-Prozess: Ex-Cameron-Berater im Abhörskandal schuldig

Der britische Premier David Cameron entschuldigte sich showträchtig vor versammelter Presse nach dem Schuldspruch gegen seinen ehemaligen Regierungssprecher Andy Coulson.

Der britische Premier David Cameron entschuldigte sich showträchtig vor versammelter Presse nach dem Schuldspruch gegen seinen ehemaligen Regierungssprecher Andy Coulson.

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Getty Images

Dem Urteil folgte die schnelle Abbitte. Kaum hatten die Geschworenen in Old Bailey den ehemaligen britischen Regierungssprecher Andy Coulson wegen der Mitwisserschaft an den Telefonabhöraktionen beim Skandalblatt News of the World schuldig gesprochen, bestellte der Premierminister die Presse ein. David Cameron entschuldigte sich „offen und umfassend“ für die „falsche Entscheidung“, Coulson eingestellt zu haben. Doch damit ist die Affäre, die einen Untersuchungsausschuss und einen Mammutprozess nach sich zog, nicht beendet.

Der konservative Regierungschef Cameron sah sich gestern im Parlament mit Anschuldigungen konfrontiert, Mahnungen in den Wind geschrieben zu haben, als er Coulson, bis 2007 Chefredakteur von News of the Word, vertraute. Er habe seine guten Beziehungen zu den auflagenstärksten Zeitungen der Insel aus dem Verlagsimperium Rupert Murdochs über den gesunden Menschenverstand gestellt, lautet der Vorwurf: „Sein Charakter und sein Urteilsvermögen stehen auf dem Prüfstand“, rief Ed Miliband von der oppositionellen Labour-Partei.

Filmreife Staatsaffäre auf der Insel

Die Geschichte um abgehörte Handys, bestochene Polizisten, Prominente und Politiker im Zeugenstand hat das Zeug zur Staatsaffäre. Reporter hackten sich systematisch in die Mailboxen von Schauspielern wie Jude Law, Royals wie Prinz William und Kate Middleton, aber auch von Unfall- und Verbrechensopfern, um an Geschichten zu kommen. Ein Privatdetektiv des Blatts hatte 5000 Namen in seinen Unterlagen, mindestens tausend Personen gehören zu den Opfern.

Der Prozess brachte zutage, dass Andy Coulson, dem Chefredakteur, mindestens in einem Fall ein Abhörband vorgespielt wurde, woraus die Jury schloss, dass er von den illegalen Praktiken wusste. Das Strafmaß für den Mann, der später ins Regierungssprecheramt wechselte, ist noch nicht verkündet − aber Miliband hat gestern bereits das Fazit über Cameron gezogen: „Er wird als der einzige Premierminister in Erinnerung bleiben, der einen Kriminellen in die Downing Street holte.“

Cameron verteidigte sich damit, dass ihm der Untersuchungsausschuss des Richters Leveson im vergangenen Jahr kein Fehlverhalten attestierte. Nach seinen Worten glaubte er den Unschuldsbeteuerungen Coulsons, dem er eine Stelle als Kommunikationschef bei seinen Tories anbot, nachdem dieser 2007 als Chefredakteur zurückgetreten war. Schon 2006 war ein Mitarbeiter der News of the World wegen Telefonhackings verurteilt worden – ein Einzelfall, hieß es damals.

Cameron hielt an Coulson fest

Von Interesse bleibt, warum Cameron an seinem Strippenzieher festhielt, als er 2010 Premierminister wurde, und ihm den steuerfinanzierten Regierungssprecher-Job gab, als Zeitungen wie der Guardian und die New York Times neue Beschuldigungen druckten. Selbst der liberale Vize-Premier Nick Clegg hatte ihn gewarnt.

Die Opposition lässt anklingen, dass die Sache für sie politisch noch nicht abgeschlossen ist. Und auch in Old Bailey ist kein Ende in Sicht. Am Dienstag konnten die Geschworenen zu keinem einheitlichen Urteil in einem anderen Anklagepunkte gegen Coulson und einen weiteren Journalisten finden („Verschwörung zum Fehlverhalten in einem öffentlichen Amt“). Der Richter wird am Montag darüber befinden, ob der Fall neu verhandelt wird.