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Antisemitismus?: Skandal um umstrittene Arte-Doku über Israel zieht weitere Kreise

Neuer Inhalt (1)

Demonstranten gegen Israel in Berlin: Szene aus der  Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt“

Foto:

Preview Productions

Der Fall der verhinderten Antisemitismus-Dokumentation bei Arte zieht immer weitere Kreise. Bisher war die Diskussion um den politisch brisanten Film eine Diskussion um ein Phantom – denn nur eingeweihte Experten konnten den Film von Joachim Schroeder und Sophie Hafner bislang sehen. Am Dienstag erweiterte sich der Zuschauerkreis beträchtlich. Die Redaktion der Bild-Zeitung hat den Film einen Tag lang online gestellt.

Kostenlos und groß anmoderiert: „Deutschland ist ganz sicher nicht das Land, in dem antisemitische Vorurteile beschönigt, verschwiegen, übertüncht werden sollten“, heißt es in der Einleitung von Chefredakteur Julian Reichelt. Die „historische Verantwortung“ verpflichte den Springer-Verlag, „den Unsäglichkeiten entschlossen entgegenzutreten“.

Gelassene Reaktion

Schon Verlagsgründer Axel Springer hatte der Aussöhnung mit Israel stets ein großes Interesse beigemessen. Ein Verlagssprecher stellte klar, dass der Coup keine „Reichweitenaktion“ sei, also nicht mit Werbung vermarktet werde.

Die Reaktion von Arte, immerhin Auftraggeber und Rechteinhaber, fiel erstaunlich gelassen aus – von juristischen Konsequenzen war keine Rede. Zwar nannte der Sender die Aktion von Bild „befremdlich“, hatte aber keine Einwände dagegen, dass sich die Öffentlichkeit ein eigenes Urteil über den Film bilden könne. Die Unterstellung einer Zensur, nämlich dass „Auserwählt und ausgegrenzt“ (so der Titel) nicht ins politische Programm passe, wies Arte als „absurd“ zurück.

Antisemitismus vorführen

Produzent Joachim Schroeder zeigte sich von der Bild-Aktion überrascht, wartet aber immer noch darauf, dass der WDR, dessen Arte-Redakteurin Sabine Rollberg den Film begleitet und verantwortet hatte, sich mit ihm über die im vorgeworfenen Mängel auseinandersetzt.
Die Ansicht des Films zeigt vor allem, dass die von Arte vorgebrachte Ablehnung, der Film habe sich nicht an die verabredeten Vorgaben gehalten, inhaltlich wenig sinnvoll ist.

Denn Arte hatte von den Filmemachern gefordert, den Antisemitismus in vielen europäischen Ländern vorzuführen, nicht aber nach Nahost zu reisen. Der Film zeigt aber immer wieder auf, dass das eine ohne das andere gar nicht geht, dass antisemitischen Demonstrationen in Berlin und Paris, Israel-Boykotte oder Anschläge auf Synagogen ohne den Hintergrund der Auseinandersetzungen in Gaza und im Westjordanland gar nicht zu verstehen sind. Sowohl Interviewpartner in der Dokumentation selbst als auch der von Bild hinzugezogene Historiker Michael Wolffsohn betonen ausdrücklich den Zusammenhang.

Bitter und sarkastisch

Auffällig am Film ist erst einmal sein sarkastischer, bitterer Tonfall. So spotten die Autoren über Vertreter von kirchlichen Hilfswerken und der Linkspartei, die die Behauptung verbreiteten, Israel vergifte systematisch das Trinkwasser im Gaza.

Über weite Strecken konzentriert sich der Film auf eine Auseinandersetzung mit jenen Hilfsorganisationen, deren Millionen Subventionen nicht der Bevölkerung in Gaza zugutekommen, sondern nur korrupte und judenfeindliche Behörden stützen. Ebenso zeigen sie auf, welche Folgen ein Boykott israelischer Produkte hätte: Er würde auch Arbeitsplätze Tausender Palästinenser vernichten.

Allesamt gesteuert

Die Autoren haben keine Scheu davor, populäre Unterstützer der Boykott-Kampagnen anzuzählen, etwa die Musiker Roger Waters von Pink Floyd oder Eddie Vedder von Pearl Jam. Besonders bitter muss es für die Autoren gewesen sein, als ihnen „antizionistische“ Demonstranten in Berlin vorhielten, sie dürften ja ohnehin nicht senden, was sie wollten, denn sie wären allesamt gesteuert.

Dass es so schwer werden würde, diesen engagierten und provozierenden Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu zeigen, konnten die Reporter da noch nicht einmal ahnen.