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Dummy: Penisbild: Eine Gefahr für die Jugend

Was verbirgt sich hinter dem Balken? Das zeigt Dummy nur im Netz.

Was verbirgt sich hinter dem Balken? Das zeigt Dummy nur im Netz.

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Dummy

Harmlos sieht sie aus, die neue Ausgabe von Dummy. Kein Bild ziert das Cover. Auf quietschgelbem Grund steht in roten Lettern: „Stellt Euch nicht so an!“ Wie jede Ausgabe widmet sich auch die 41. des von Oliver Gehrs gegründeten Gesellschaftsmagazins einem einzigen Thema: Schmerz. So lag es diese Woche im Bahnhofsbuchhandel aus. Andernorts war es zunächst nicht erhältlich und wird erst mit einem Aufkleber versehen nachgeliefert: Von Zensur ist darauf zu lesen. Drei Seiten werden in dem Heft fehlen. Wer sie dennoch sehen will, kann dies auf der Internetseite des Magazins.

Eines der inkriminierten Bilder zeigt einen nackten Mann, der seinen gepiercten Penis an einer Schnur in die Höhe zieht. Der Artikel dazu erzählt die Geschichte des an Mukoviszidose erkrankten S/M-Künstlers, der für seine Schmerzen als Kleinkind mit besonders viel Liebe überhäuft wurde.

Diese Ausgabe dürfe auf keinen Fall an den Handel ausgeliefert werden, schrieb der Axel Springer Vertrieb an die Pressegroßhändler. Hinter der Aktion steht die Münchener Kanzlei Auer, Witte, Thiel. Gern hätte man erfahren, warum die Abbildungen nicht unter die Kunstfreiheit fallen. Doch Rechtsanwalt Andreas Thiel ist nicht zu erreichen.

Auf Gehrs’ Bitte hin begutachtet das nun die einzige Institution, die auf gesetzlicher Grundlage indizieren kann, die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Das dauert. Daher mussten die Seiten am Mittwoch herausgerissen werden, damit der Axel Springer Vertrieb Dummy auslieferte.

Da hatte Mathias Döpfner, Journalist und Springer-Vorstandschef, vor zwei Jahren mehr Glück. Damals bildete die Welt am Sonntag Gustave Courbets „L’origine du monde“ großformatig ab. Das Gemälde zieht den Blick direkt auf die behaarte Vagina einer Frau, von der nur der nackte Unterleib zu sehen ist. Döpfner schrieb dazu ein flammendes Plädoyer für die Kunstfreiheit. Springer durfte die Zeitung ohne Beanstandung verkaufen.