blz_logo12,9

Francis Fulton-Smith: Jetzt fehlen noch der Faust und Hamlet

Francis Fulton-Smith musste für seine Rolle knapp 20 Kilo zunehmen.

Francis Fulton-Smith musste für seine Rolle knapp 20 Kilo zunehmen.

Foto:

DPA/Georg Wendt

Berlin -

Eigentlich trägt der Schauspieler Francis Fulton-Smith das Seriengesicht des freundlichen Vaters und Nachbarn. Der Fernsehfilm „Die Spiegel-Affäre“ ist für den 48-jährigen Münchner die erste wirkliche Herausforderung seit langem. Und siehe da – er verkörpert in grandioser Weise den CSU-Politiker Franz Josef Strauß. Fulton-Smith spricht und bewegt sich wie er, verbreitet gar seine Aura.

Herr Fulton-Smith, mit Franz-Josef Strauß spielen Sie eine Figur, die zu kritisieren in Bayern als Hochverrat gilt. Hat Sie das beunruhigt?

Nein, aber mir war durchaus bewusst, wie wichtig er quasi als Institution dort ist. Unter seiner Führung wurde Bayerns Transformation vom Agrar- zum Industriestaat vollzogen – mit allen Konsequenzen für die Gegenwart. Von den 68ern bis zum Länderfinanzausgleich. Dennoch ist er selbst in Bayern nach wie vor eine stark polarisierende Figur.

Für die Sie tüchtig zunehmen mussten, um Sie zu verkörpern.

Fast 20 Kilo. Wichtiger als Körperlichkeit war aber, seine Urgewalt, politisch wie menschlich, zu zeigen und dabei nicht in Schwarz-Weiß-Denken zu verfallen: hier der gute Journalist Augstein, da der böse Politiker Strauß. Es geht um zwei starke Persönlichkeiten, mit starken Utopien für Deutschlands Zukunft, die wie zwei Alpha-Rüden aufeinander losgegangen sind.

Hätten Sie auch Augstein gespielt?

Natürlich! Aber der Bad Guy macht letztlich mehr Spaß. Und dann fand ich es interessant, nach dem Verborgenen zu suchen. Man kennt noch die Radau-Reden aus dem Bundestag, aber eben nicht den Politiker, der nachts weinend aufwacht.

Hat das Spielen dieser Diskrepanz auch Ihr persönliches Strauß-Bild verändert?

Ich denke schon. Als ich aufgewachsen bin, war er Ministerpräsident. Er schwebte ständig über uns allen. Spätestens, als er Bundeskanzler werden wollte, erreichte uns junge Burschen die Diskussion mit voller Wucht.

Sie hatten 1980 aber keinen „Stoppt Strauß“-Button an der Jacke.

Ich wollte ja Abitur machen. Aber nachdem ich mich Hunderte von Stunden intensiv mit ihm beschäftigt habe, sogar in seinen Geburtsort gefahren bin, verschiebt sich etwas in der Wahrnehmung. Ich sehe ihn nicht mehr als ultimativen Bösewicht, sondern bei aller Fehlbarkeit auch als brillanten Denker und bodenständigen Nachbarn, als Lebemann und Machtmensch.

Hat Sie die Rolle auch als Schauspieler verändert?

Natürlich war ich froh, endlich eine andere Facette von mir zeigen zu dürfen. Und falls die Konsequenz ist, öfter was Ungewohntes mit mir zu realisieren, würde mich das ebenfalls freuen. Aber man muss sich darüber im Klaren sein, dass solche Rollen nicht auf Bäumen wachsen. Und andere Dinge, die ich drehe, haben durchaus ihre Berechtigung.

Andere Dinge sind vor allem Machos mit Familie und Herz. Fühlen Sie sich damit wohl?

Nun, ich habe als Schauspieler auch eine Familie zu ernähren. Und für viele Zuschauer ist es nach einem harten Tag entspannender, etwas Leichtes zu schauen. Auch gut gemachter Herzschmerz ist daher alles andere als verwerflich. Mich interessiert jetzt eher die Frage, wie viele meiner üblichen Zuschauer bereit sind, mich in einen Film wie „Die Spiegel-Affäre“ zu sehen? Was macht es mit ihnen? Vielleicht wollen sie darüber nachdenken, wie fragil unsere Grundwerte sind und wie wichtig es ist, sie zu schützen.

Dennoch sagten Sie mal angesichts ihrer Dauerrolle Dr. Kleist, Sie sehnen sich nach Rollen, in denen nicht ständig die Sonne scheint.

Ja, aber der Umkehrschluss, nur noch Filme voller Schatten spielen zu wollen, ist falsch. Und ehrlich: Ich könnte mit der „Spiegel-Affäre“ grandios scheitern. Aber die Beschäftigung mit der Figur Franz Josef Strauß war für mich ein großartiges Abenteuer, dass ich unabhängig vom Erfolg nicht missen will.

Welche große Rolle können Sie sich nach dieser hier noch vorstellen?

Richard III., Faust, Hamlet, Don Carlos... Die Welt ist voll wunderbar zerrissener Figuren. Aber so was selbst ins Spiel zu bringen, klingt befremdlich. Jetzt warte ich mal ab, was passiert, denn mit Franz Josef Strauß schließt sich ein Kreis zum Beginn meiner Laufbahn, da ich mehr Theater und Literaturverfilmungen gemacht habe. Ich bin also ein Stück weit zu mir selbst gekommen und das macht mich glücklich.

Das Gespräch führte Jan Freitag.

Die Spiegel-Affäre, 20.15 Uhr, ARD



Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?