Neuer Inhalt

Fußballmagazin im RBB: 11FreundeTV geht auf Sendung

„Wir wollen echte von inszenierten Emotionen trennen. Die Sendung hat Tempo, sie ist kein Salongespräch mit Alexander Kluge“, sagt Philipp Köster, Chefredakteur des Fanzines 11Freunde.

„Wir wollen echte von inszenierten Emotionen trennen. Die Sendung hat Tempo, sie ist kein Salongespräch mit Alexander Kluge“, sagt Philipp Köster, Chefredakteur des Fanzines 11Freunde.

Foto:

RBB

Berlin -

Seit ein paar Tagen hängen überall in der Stadt diese Werbeplakate, an einer Bushaltestelle in Mitte etwa. Darauf zu sehen: ein bayerischer Bär, eine Dortmunder Biene Maja, ein nicht mehr ganz so junges Fohlen aus Mönchengladbach, ein schwäbisches Krokodil und ein etwas übergewichtiger Dinosaurier aus Hamburg, der in der vergangenen Saison fast ausgestorben wäre – fünf Fußballmaskottchen. Sie springen, sie jubeln, sie flippen aus. Und darunter steht geschrieben: „Der Samstag hat wieder einen Sinn.“

Sinnstiftend, das ist die Botschaft der ARD, kann nur die Bundesliga sein, die an diesem Freitagabend beginnt. Am Samstag folgt die erste Sportschau. Und schon beim Anblick des Werbeplakats stellt sich die Frage, wie ernst, wie wörtlich man noch nehmen kann, was alles und von jedem über Fußball gesagt und geschrieben wird. Andere fragen sich eher: Schon wieder? War gerade nicht erst die Weltmeisterschaft?

Einen ordentlichen Abschlag von dieser Bushaltestelle entfernt sitzt Philipp Köster, Chefredakteur des Fanzines 11Freunde, in der Fußballkneipe FC Magnet Bar und stellt ein neues TV-Format vor, das der RBB am Mittwochabend erstmals ausstrahlt. 11FreundeTV heißt die halbstündige Pilotsendung, durch die Köster gemeinsam mit der RBB-Moderatorin Jessy Wellmer führen wird. Köster sagt: „Wir wollen echte von inszenierten Emotionen trennen.“

Was echt ist im Fußball und was nur Inszenierung – das ist ein großes Thema von 11Freunde, von Anfang an gewesen, dazu hat sich das Magazin für Fußballkultur 2001 selbst verpflichtet. Die Redaktion hat seitdem in 153 Ausgaben immer den etwas anderen Blickwinkel als den standardisierten gesucht – Erste Liga irgendeine Kreisliga, egal. Und sie hat dabei die im deutschen Journalismus arg sittenstrenge Trennung von Bericht und Kommentar aufgehoben. Der Zusatz TV ist erst einmal nicht mehr als die Fortsetzung dieser Schreibpflicht mit Fernsehmitteln. Themen, auf die ein Monatsmagazin manchmal eben nicht schnell genug reagieren kann, finden hier ihren Platz.

„Es ist auch ein Wagnis“

Köster sucht also wieder eine Lücke, die er ja schon einmal mit 11Freunde gefunden hat. Irgendwo zwischen Satire und ernsthafter Recherche, zwischen Basis und Elite, zwischen Kommerzkritik am Fußball und dem ständigen Vorwurf, selbst kommerziell geworden zu sein. Bislang sei das Feedback der traditionell diskutierfreudigen Leserschaft positiv gewesen, sagt Köster. „Kann schon sein, dass die große Prügelorgie erst danach beginnt.“ Es wäre nicht die erste. Aus der ursprünglich so romantischen Idee – ein Texter, ein Fotograf gründen in einer Kreuzberger WG ein neues Fußballmagazin – ist eine GmbH & Co. KG geworden, die zu 51 Prozent Gruner + Jahr gehört und 96350 Heftexemplare pro Monat verkauft (IVW 2/2014).

Das neue Format, das der RBB auch sonntags in der Wiederholung zeigen wird, nennt Köster: „Eine neue Programmfarbe“. Aber eben: „Keine Comedyspotstation“. Und trotzdem: „Es ist auch ein Wagnis“. Jessy Wellmer, die ab Ende August den Sportplatz im RBB und ab September die Sportschau in der ARD moderieren wird, sagt mit feinem Spott im Subtext: „Ein Stück ganz neues Fernsehen.“ Sie hat den Anspruch, anders als andere sein zu wollen, schnell verinnerlicht.

Ausgedacht und nach einem Jahr Konzeptarbeit auch umgesetzt wird das Ganze von der Hamburger Produktionsfirma Riesenbuhei. Und im Gegensatz zu 2005, als der Bezahlsender Premiere noch ein Fernsehformat mit 11Freunde anstrebte, war dieses Konzept von Anfang an auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten ausgerichtet. Es wird also auch während der Sendezeit nichts beworben, was keiner braucht. Drei große Themen, zwei Gäste, ein paar Einspieler, mehr nicht. Köster sagt: „Das Format hat Tempo, es ist nicht elegisch, kein Salongespräch mit Alexander Kluge“ .

In der ersten Sendung wird Arne Friedrich, ehemals Kapitän bei Hertha BSC, zumindest versuchen, zu erklären, warum man es schwer hat als Herthaner in Berlin. Und der Musiker Thees Uhlmann von Tomte wird erzählen, wie es ist, mit dem Trikot des FC. St Pauli auf einem Spielplatz zu sitzen („nicht alleine!“) und sich von einem fußballmodischen Kind anhören zu müssen, wie cool und kultig sein Verein doch sei. Thees und Köster stehen dabei am Kicker und tun so, als würden sie kickern. Es sieht inszeniert aus. Zumindest nicht ganz echt.

11FreundeTV, Mittwoch um 23 Uhr im RBB. Wiederholung am 24.8. um 22.45 Uhr.


Neue Nachrichten

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?