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Hochwasser, Berichterstattung: Live-Ticker mit Elwis

Die Mulde zerstörte eine Straße bei Löbnitz.

Die Mulde zerstörte eine Straße bei Löbnitz.

Foto:

DPA/Karl-Josef Hildenbrand

Seit Tagen geht der Blick zwischen dem Rechner und dem Fernseher hin und her: Online werden die aktuellsten Pegelstände von Saale und Elbe im Viertelstundentakt abgerufen und mit den Prognosen von „Elwis“ verglichen – dem Portal des „Elektronischen Wasserstraßen-Informations-Services“. Dazwischen wird beim MDR-Fernsehen reingeschaut, wo wieder eine neue Reporterin vor einem neuen Sandsack-Deich steht und aufgeregt ins Mikro spricht.

Wer Angehörige und Freunde im Katastrophengebiet hat und mit ihnen bangt, ist dank der elektronischen Medien direkt live dabei. Nicht nur die Pegel von Saale und Elbe, sondern auch die Quoten des MDR übertreffen in diesen Tagen alle Rekordmarken. Am Mittwoch erzielte der Sender im Schnitt einen noch nie erreichten Marktanteil von mehr als 18 Prozent. Die Magazine „Sachsenspiegel“, „Sachsen-Anhalt heute“ und „Thüringen Journal“ werden derzeit von rund 30 Prozent der Zuschauer im Sendegebiet eingeschaltet.

Doch auch die Tageszeitungen profitieren vom immensen Informationsbedarf. So erhöhten die Mitteldeutsche Zeitung in Halle (die wie die Berliner Zeitung zum Verlag M. DuMont Schauberg gehört) und die Magdeburger Volksstimme kurzfristig ihre Druckauflagen. Die Volksstimme hat sogar, ganz wie die Rettungskräfte, einen eigenen Krisenstab eingerichtet, der die Berichte der besonders betroffenen Lokalredaktionen zusammenfasst und auf täglich vier bis fünf Zeitungsseiten aufarbeitet. Dazu kommen natürlich noch die Berichte in den Lokalausgaben. Für das Wochenende ist im Krisenstab ein Dienst rund um die Uhr angesagt.

Lokaler Service

Aktuell fließen die Berichte erst einmal in den Live-Ticker zum Hochwasser ein – dieses Mittel nutzen derzeit alle großen Zeitungen der Hochwasserregion. Die Abrufzahlen der Online-Angebote gehen „durch die Decke“, wie Marc Rath, Volksstimme-Koordinator für Lokales erfahren hat. Mindestens das Fünffache der üblichen Abrufe wird hier verzeichnet. Mirko Jakubowski, Redaktionsleiter Online bei der Sächsischen Zeitung in Dresden, schätzt den Anstieg auf das Dreifache, hinzu kommen Zuwächse auf Facebook und Twitter. Seine Redaktion hat für Mobilgeräte noch einen speziellen „Flutticker“ mit abgespeckten Infos eingerichtet.

Die Live-Ticker bringen nicht nur Pegelstände, sondern enorm viel lokalen Service: Welche Straßen sind gesperrt, welche Bahnlinien eingestellt, wo werden noch Helfer benötigt? Ausgiebige Bilderstrecken, Webcams, etwa von der Stromelbe in Magdeburg, und Videos verschaffen auch dem Auswärtigen einen livehaftigen Eindruck. Während die Volksstimme-Fotografen eher spontan mal ein Video von der Hochwasserfront mitbrachten, sind andere Zeitungen, etwa die Mitteldeutsche Zeitung, hier schon deutlich weiter.

Vor allem aber können die Regionalzeitungen während der Sondereinsätze im direkten Vergleich mit anderen Medien ihre Kompetenzen beweisen. Während der rastlose MDR meist ortsfremde Reporter an die Ufer schickt, die die Saalemündung schon mal irrtümlicherweise 20 Kilometer stromabwärts nach Schönebeck verlegen, können die Lokalreporter ihre Ortskenntnisse ausspielen: Da ist es gut, wenn man den Dorfchef der Freiwilligen Feuerwehr kennt oder weiß, wo das Wasser im Normalfall steht.

Zahlen für News

Auch gegenüber den sozialen Netzwerken halten die Lokalreporter die Stellung. Alle Regionalzeitungen entlang von Saale und Elbe berichten, dass sie derzeit immer wieder via Facebook gestreuten Gerüchten nachgehen mussten und sie meist entkräften konnten. Immer wieder hatte irgendjemand behauptet, dort werde ein Deich aufgegeben, hier der Strom abgestellt – meist waren es Falschmeldungen, die sich dann hartnäckig hielten.

Durchaus unterschiedlich bringen die Zeitungen ihre Online-Angebote auf den Markt. Bei der zum Bauer-Verlag gehörenden Volksstimme stehen alle Berichte des Livetickers kostenlos im Netz. Nicht so bei der Sächsischen Zeitung. Hier sind nur die Überblicksartikel und grundlegenden Informationen frei zugänglich. Alle längeren Reportagen laufen unter „SZ-Exklusiv“, das heißt, Zugang hat nur, wer entweder Abonnent ist oder die vergleichsweise moderate Summe von 7,50 Euro im Monat bezahlt.

Nachdem diese „Paid-Content-Strategie“ während des Hochwassers kurz mal aufgehoben war, wird sie seit Donnerstag wieder umgesetzt. In den Lokalausgaben ist bis auf ein Foto und eine kurze Ankündigung des Textes alles „SZ-Exklusiv“ – selbst die Ankündigung der Sonntagsgottesdienste. Monika Denhardt, Redakteurin für Kommunikation des Hauses, bleibt mit ihrer Begründung im Bild dieser Tage: „Wir können uns doch nicht länger selbst das Wasser abgraben.“



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