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Medien-Kartellrecht: Alfred Neven DuMont wirbt für Reform

Alfred Neven DuMont während seiner Rede beim BDZV-Kongress

Alfred Neven DuMont während seiner Rede beim BDZV-Kongress

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dpa

Berlin -

Die Ziffern der mannshohen blauen 60 rechts am Bühnenrand sind aus stilisierten Zeitungsrollen gebildet – ein grafischer Hinweis auf das Jubiläum, das der Bundesverband der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) auf seinem Jahreskongress in Berlin begeht.

In der Mitte aber sitzt einer, der heute diese sechs Jahrzehnte deutscher Pressegeschichte verkörpert wie kein anderer: Verleger und Herausgeber Alfred Neven DuMont. Der BDZV hat seinen Ehrenpräsidenten um einen Rückblick gebeten, und am Ende applaudieren ihm Verleger, Geschäftsführer und Chefredakteure stehend. Denn Neven DuMont hat nicht nur einen erfahrungsgesättigten, launigen Streifzug in die Vergangenheit unternommen, sondern der Zunft auch ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Zukunft der Zeitung mit auf den Weg gegeben: „Wir müssen dran glauben, nicht halbherzig, sondern ganz!“ Und: „Wir wollen überleben!“

Vitalität, Innovationskraft und publizistische Qualität

Gute Voraussetzungen dafür bieten die Vitalität, die Innovationskraft und die publizistische Qualität, die in den deutschen Verlagshäusern versammelt sind. Mögen Politiker, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Grußwort zum Kongress-Auftakt am Montag, auch den „qualifizierten Journalismus“ beschwören und dieses Wort „aufblasen wie ein Michelin-Männchen“ – echte Sorge und tatkräftiges Engagement folgten solchen „Sonntagsreden“ und „Lippenbekenntnissen“ nicht, kritisiert Neven DuMont unüberhörbar. Jüngstes Beispiel: die Weigerung der schwarz-roten Koalition, den Verlagen mit einer Ausnahme vom Mindestlohn für Zeitungszusteller entgegenzukommen. Neven DuMont will den Kampf zwar noch nicht verloren geben und schlägt seinen Kollegen vor, ihren lokalen und regionalen Bundestagsabgeordneten die dramatische Lage der Zeitungsbranche mit existenzbedrohlichen Anzeigenverlusten und sinkenden Print-Auflagen bewusst zu machen: „Wisst ihr eigentlich, was bei uns los ist?“

Im Kern setzt Neven DuMont auf Eigenengagement in der Konkurrenz zu den von der Politik privilegierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und den digitalen Riesen wie Google oder Facebook: Es gebe „das Feld, auf dem wir unschlagbar sind, auf dem Zeitungsjournalisten etwas können, was kein anderer kann“: Hintergrund-Storys, die profund sind und Zusammenhänge herstellen; vertiefende Reportagen über das, was die Menschen angeht. „Das kann uns niemand nehmen.“ Hierauf sollten die Verlage nach Neven DuMonts Worten gegen den Trend notwendiger Sparanstrengungen im Zweifel sogar mehr Zeit, Raum und Personal verwenden.

Sein Appell ist gewissermaßen die logische Konsequenz dessen, was er in der Rückschau auf 60 Jahre Zeitungshistorie an entscheidenden Wegmarken herausgestellt hat. Er selbst war 1953 in das Familienunternehmen M. DuMont Schauberg eingetreten. Ein Jahr später erst wurden die „Lizenzverleger“ und die „Altverleger“ im BDZV zusammengeführt. Kein leichtes Unterfangen, wie Alfred Neven DuMont sich erinnert, denn die beiden Gruppen standen in Gegnerschaft zueinander.

Die Gründung des Verlegerverbands versinnbildlicht in Alfred Neven DuMonts Darstellung auch den Willen der Branche, sich zusammenzuraufen und gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Mit ehrendem Respekt ruft er bedeutende Verleger in Erinnerung, Männer „von echtem Schrot und Korn“ wie Axel Springer („die große Verleger-Persönlichkeit schlechthin“), Hugo Stenzel („Frankfurter Neue Presse“), Anton Betz („Rheinische Post“), Werner Friedmann („Süddeutsche Zeitung“), den Großvater des heutigen BDZV-Präsidenten Helmut Heinen, Reinhold Heinen („Kölnische Rundschau“), und auch Alfred Neven DuMonts Vater Kurt.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Als bedeutungsvollen Kampf gegen den Einfluss des Staates auf die Freiheit der Presse hebt Neven DuMont den – letztlich erfolgreichen – Widerstand gegen das geplante „Presserechtsrahmengesetz“ in den 1970er Jahren hervor, den er als BDZV-Vizepräsident zusammen mit anderen leistete, unter ihnen der Gründer und Herausgeber des „Spiegel“, Rudolf Augstein. Die sozialliberale Koalition wollte den publizistischen Einfluss der Verleger auf ihre Zeitungen stutzen und auf ein Minimum beschränken. „Wenn wir damals versagt hätten, säßen wir heute hier nicht so zusammen. Ich hätte nicht gerne eine Zeitung führen wollen, wo ich mich am Schluss nicht hätte durchsetzen können.“

Wie stark Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verzahnt sind, verdeutlicht Neven DuMont am Beispiel des Kartellrechts, das in den 1970er Jahren die Bildung von Riesenzeitungskonzernen verhindern sollte. Über die alten Regelungen sei längst die Zeit hinweggegangen. Statt Zeitungen in ihrem Bestand zu schützen, trage es heute dazu bei, dass sie sterben. Neven DuMont sieht die Zeit gekommen, dass die Verleger sich mit dem Kartellamt noch einmal zusammensetzen und die Realitäten der Branche erörtern. Auf zu neuen Ufern! Mit ihrem Beifall bekunden die BDZV-Mitglieder, dass sie dieses Leitmotiv Alfred Neven DuMonts sehr wohl vernommen haben.


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