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Medienstandort Berlin: Ein Verlag wird kommen

Der Sog in die Hauptstadt hält an, auch bei den Medien.

Der Sog in die Hauptstadt hält an, auch bei den Medien.

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imago/PEMAX

Hinter vorgehaltener Hand wird schon seit einiger Zeit gemunkelt, dass es nichts wird mit dem geplanten Jugendsender von ARD und ZDF. Jetzt hat es einer laut gesagt: Björn Böhning, der für Medienpolitik zuständige Chef der Berliner Senatskanzlei. Das Pferd sei totgeritten, „den Jugendsender wird es nicht geben“, sagte er am Donnerstagabend in Berlin.

Offiziell haben die Ministerpräsidenten ihre Entscheidung bei ihrer Konferenz Mitte März in Berlin vertagt. Zum zweiten Mal bereits. Vorigen Herbst taten sie es schon einmal. ARD und ZDF müssten ihr Konzept nachbessern, sagten sie damals. Nun behaupteten sie, es gebe weiteren Klärungsbedarf. Im Juni würden sie entscheiden, ob sie ARD und ZDF den Auftrag zur Gründung eines trimedialen Jugendangebots für 14- bis 29-Jährige erteilen oder nicht. Böhning nannte das eine Farce. Wäre es nach ihm gegangen, hätten die Ministerpräsidenten das Projekt längst beerdigt, spätestens aber bei dem jüngsten Treffen im März. „Bayern und Sachsen wollen den Jugendsender nicht, also wird es ihn nicht geben.“ Notwendig wäre schließlich ein einstimmiger Beschluss.

Auch Wowereit war skeptisch

Böhning machte keinen Hehl daraus, dass auch er kein Freund eines gemeinsamen Jugendkanals von ARD und ZDF ist. Jüngere Zuschauer anzusprechen, sei Aufgabe der Hauptprogramme, sagte er. Solange aber die ARD selbst in ihren Dritten zu wenig für junge Zuschauer mache und sich das ZDF allein auf die Champions League verlasse, um Junge anzusprechen, brauche es keinen Jugendsender. Schon gar keinen, der für originäres Programm weniger als sechs Millionen Euro jährlich zur Verfügung habe und daher auf Zulieferungen aus dem ohnehin bestehenden Programm von ARD und ZDF angewiesen wäre.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit stand der Idee eines solchen Nischenangebots von vornherein skeptisch gegenüber, sagte Böhning. Zwar hätte er es ebenso wie RBB-Intendantin Dagmar Reim gern gesehen, wenn der Jugendsender seinen Sitz in der Hauptstadt bekommen hätte, wohin es die Jugend hierzulande wie aus der ganzen Welt nicht ohne Grund zieht. Die Reaktion des Südwestfunks wie des damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck habe aber gezeigt: Die Idee eines Jugendsenders mit dem bereits beschlossenen Sitz in Mainz sei ausschließlich politisch motiviert gewesen. „Da ging es nur um Standortpolitik“, sagte Böhning.

Apropos Standortpolitik. Auch dazu äußerte sich der 35-jährige SPD-Politiker bei dem Gespräch, zu dem die vor der Fusion stehenden Journalistengewerkschaften DJV und JVBB gemeinsam geladen hatten. Böhning wollte zwar keinen Namen verraten, stellte aber in Aussicht: „Berlin wird ein noch größerer Verlagsstandort werden.“ Nachdem Springer, die Redaktionen von Welt sowie Bild und dpa längst in der Hauptstadt sitzen und im Juni 20 weitere Redakteure des Münchener Magazins Focus in die neue Burda-Repräsentanz am Potsdamer Platz ziehen werden, scheint bald der nächste Umzug „aus Köln, Hamburg oder München nach Berlin“ anzustehen. Der Sog in die Hauptstadt halte an, sei es für Depandancen internationaler Konzerne, sei es für die ökonomisch wichtigeren, weil Arbeitsplätze schaffenden Start-ups oder eben für Verlage. „Berlin wird ein noch größerer Verlagsstandort werden“, sagte Böhning, räumte aber auch ein, den Unternehmen gehe es dabei „ganz klar auch um das Personal, darum, es auf diese Weise gegen neues auszutauschen“.

Den Nachwuchs fördern

Bei dem Gespräch am Donnerstagabend deutete der Chef der Senatskanzlei außerdem an, dass Berlin, ähnlich wie das Land Nordrhein-Westfalen mit seiner Medienstiftung, mit dem Gedanken spielt, die Ausbildung von Journalisten mit öffentlichen Geldern zu fördern. „Ich glaube, dass wir daran nicht vorbeikommen“, sagte Böhning mit Blick auf den digitalen Medienwandel, die finanziell immer kürzer gehaltenen Redaktionen und die Frage, „wie viel und was uns Qualitätsjournalismus in Zukunft wert ist“. Gespräche, auf welche Weise Berlin einen finanziellen und damit durchaus diskussionswürdigen Beitrag zur Förderung von Journalismus leisten könnte, will Böhning in der zweiten Jahreshälfte mit der Medienanstalt Berlin-Brandenburg führen. Die ist derzeit jedoch erst einmal mit sich selbst beschäftigt. Nicht nur ein neuer Medienrat muss konstituiert werden, auch ein Nachfolger für Hans Hege wird gesucht. Hege ist seit Anbeginn Direktor der hiesigen Landesmedienanstalt.