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Michael Palin: Wiederauferstehung bei Ypern

Michael Palin sagt von sich, er sei Brite durch und durch.

Michael Palin sagt von sich, er sei Brite durch und durch.

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Reuters/Philip Brown

Wenn man Briten fragte, welche ihrer Landsleute es an Beliebtheit mit der Queen aufnehmen könnten (wenigstens ein bisschen), bekäme man nicht selten den Namen Michael Palin zu hören. Der Schauspieler aus der legendären Monty-Python-Truppe („Das Leben des Brian“) steht wie nur wenige andere in den vergangenen Jahrzehnten für britischen Humor und britische Lebenseinstellung.

Als Reisereporter der BBC fesselt er seit vielen Jahren die Zuschauer so sehr, dass sie anschließend nichts lieber tun, als die von Palin bereisten Länder zu besuchen. Der sogenannte Palin-Effekt sorgt für steigende Buchungen in den jeweiligen Destinationen. Und überhaupt schätzen die Briten Palins bodenständige, ehrliche Art.

Drucken im Schützengraben

Umso größer ist die Freude auf der Insel, dass er demnächst wieder einmal in einer Fernsehserie zu sehen sein wird – als Herausgeber eines Soldatenmagazins. Die Geschichte spielt im Ersten Weltkrieg an der Front in Belgien und basiert auf einer wahren Geschichte: Britische Soldaten veröffentlichen auf einer von einem belgischen Drucker im Schlachtengetümmel zurückgelassenen Druckerpresse ein Magazin, in dem sie sich mit britischer Attitüde über die Sinnlosigkeit des Krieges mokieren und das sie Wypers Times nennen. Wypers Times deshalb, weil der Name der Stadt, in deren Nähe sie im Schützengraben liegen, so schwer aussprechen können: Ypres, Ypern.

Die Story hat nun – nicht als ersten – den Herausgeber des Londoner Satiremagazins Private Eye, Ian Hislop, offenbar so stark beeindruckt, dass er das Drehbuch für die zweiteilige BBC-TV-Serie „Wipers Times“ schrieb, zusammen mit BBC-Stammautor Nick Newman. Michael Palin spielt in dem Zweiteiler den Captain Fred Roberts einen der Chefs der Wipers Times. Sein Partner ist Ben Chaplin, mit von der Partie sind auch Emilia Fox und Steve Oram. Sie toben sich ungeniert an der Druckerpresse aus, während neben ihnen die Granaten der Deutschen einschlagen, und suggerieren sich so einen halbwegs normalen Alltag im Kanonendonner.

Schon das historische Vorbild hatte 1916 die uralte, bis heute praktizierte Times-Tradition fortgesetzt, Leserbriefe zu veröffentlichen, die den ersten Kuckucksschrei des Frühlings verkünden. In dem Blatt ging es nicht nur um Fronterfahrungen wie Dauerbeschuss, Schnapsmangel und Rattenplage, sondern auch um Pornobilder und Puffbesuche. Und Heldentaten wurden natürlich im bewährten ironischen britischen Understatement eher karikiert als heroisiert. Die jahrelange hoffnungslose militärische Situation, die schreiende Inkompetenz der eigenen Offiziere wurden mit ätzender Häme gewürdigt. Die Vergleiche zur aktuellen Situation im maroden Königreich und seiner paralysierten Elite dürfte sich Private Eye-Satiriker Hislop wohl nicht entgehen lassen – sein Blatt hat, nebenbei bemerkt, die meisten Verleumdungsklagen Englands am Hals.

Für Palin könnte die Rolle nach seinen aufreibenden Reisereportagen rund um die Welt eine Art Frischzellenkur sein, die ihn in die Zeit der ausgeflippten Sketche seiner Studentenzeit und der fröhlichen Anarchie seiner Monty-Python-Periode zurückversetzt.

Start im Herbst

Erst vor wenigen Wochen hatte er sich in einem Interview darüber beklagt, dass die Herstellung von TV-Programmen heutzutage so ablaufe wie die Herstellung von Hygieneartikeln: „Man verkauft Serien, schon bevor die Produktion überhaupt begonnen hat, man erzählt dem Publikum den gesamten Inhalt vorab in drei Minuten – nichts darf sich mehr allmählich entfalten. Alles wird vermarktet wie Zahnpasta oder Toilettenpapier“, sagte er der Reporterin Miranda Sawyer beim Doku-Festival in Sheffield.

In der für den Herbst angekündigten BBC-Kriegsgroteske dürften sich geballte Satire und unübersehbare Tragik des Weltkriegs-Wahnsinns dagegen so entwickeln, wie es dem Meistermimen vorschwebt.