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Schirrmacher-Nachfolge Felicitas von Lovenberg: Revolution bei der FAZ

FAZ-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg.

FAZ-Literaturchefin Felicitas von Lovenberg.

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dpa/Erwin Elsner

Vier Namen stehen in der Titelleiste der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: Werner d’Inka, Berthold Kohler, Günther Nonnenmacher und Holger Steltzner. Gemeinsam geben sie die FAZ heraus. Bis Juni stand da noch ein fünfter Name. Doch Frank Schirrmacher hatten sie nach seinem plötzlichen Tod aus der Leiste streichen müssen.

Inzwischen steht die Liste derer, die Schirrmachers Genius nicht ersetzen, aber künftig das Feuilleton der FAZ als Herausgeber verantworten könnten. Nach Informationen dieser Zeitung wollen sich die Herausgeber im September auf ihren Kandidaten einigen. Mit der offiziellen Bekanntgabe wird es auch dann noch dauern.

Es zeichnet sich jedoch ab, dass im Männerbetrieb FAZ Revolutionäres passieren könnte: Eine Frau könnte ins Herausgeber-Gremium berufen werden: Literaturchefin Felicitas von Lovenberg.

Aus der Elternzeit auf den Herausgeber-Stuhl

Die 40-Jährige aus dem Münsterland ist seit 1998 Redakteurin im Feuilleton der FAZ. Geholt hatte sie Ulrich Raulff, seinerzeit Feuilletonchef und heute Direktor des Deutschen Literaturarchivs Marbach. Zu jener Zeit war die schon als Kind Bücher verschlingende von Lovenberg Praktikantin bei der Süddeutschen. Zuvor hatte sie, die mit 16 Jahren auf ein Internat nach Wales wechselte, in Bristol und Oxford studiert und mit einer Arbeit über die politische Ausrichtung der Zeitschrift Simplicissimus während des Ersten Weltkriegs abgeschlossen.

Bei der FAZ arbeitete sie im Ressort Kunstmarkt, seit Juli 2001 im Literaturressort, bis 2008 verantwortete sie die Sonnabend-Beilage „Bilder und Zeiten“. 2003 erhielt die Literaturkritikerin den Alfred-Kerr- Preis, vor drei Jahren den Hildegard-von-Bingen-Preis. 2005 veröffentlichte sie das mit dem Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik prämierte Buch „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie?“ über unkonventionelle Familienmodelle und Bezüge in der Literatur. Zuletzt schrieb die zum zweiten Mal Verheiratete „Und plötzlich war ich zu sechst. Aus dem Leben einer ganz normalen Patchwork-Familie“.

Bis Jahresende befindet sich von Lovenberg in Elternzeit. Solange ist Nonnenmacher ohnehin Schirrmachers kommissarischer Nachfolger. Sogar in sein Büro gezogen ist der 65-Jährige, der im Juni in Ruhestand gehen wollte. „Dass ich hier sitze, soll symbolisieren, dass die FAZ nicht Schirrmacher allein war. Was dieses Energiezentrum angeschoben hat, müssen wir jetzt kollektiv vollbringen“, sagte Nonnenmacher dazu.

FAZ plant Sparmaßnahmen

Schon als es um Nonnenmachers Nachfolge ging, war mit Heike Göbel aus dem Wirtschaftsressort eine Frau im Gespräch. Die Diskussion endete damit, es bei vier Herausgebern zu belassen, aus Spargründen. Das Geschäftsjahr 2013 schloss die FAZ mit einem Verlust von 8,2 Millionen Euro ab. Geschäftsführer Thomas Lindner engagierte die Berater von Roland Berger und begann, den Verlag auf Sparmaßnahmen einzuschwören. An diesem Dienstag wird sie der Aufsichtsrat beschließen.